Nagelsmann genervt von Undav-Debatte – doch Stürmer rettet DFB mit Siegtor
Nagelsmann genervt von Undav-Debatte – Stürmer rettet DFB

Undav wird zum Matchwinner – Nagelsmann bleibt bei Joker-Rolle

Im Regen von Stuttgart feierte die deutsche Fußballnationalmannschaft einen 2:1-Testspielsieg gegen Ghana. Den entscheidenden Treffer erzielte Deniz Undav in seinem Heimstadion – doch Bundestrainer Julian Nagelsmann zeigte sich anschließend genervt von der wochenlangen Diskussion um den Stürmer.

Spät eingewechselt – spät entscheidend

Wie bereits im Testspiel gegen die Schweiz setzte Nagelsmann auch gegen Ghana zunächst auf andere Offensivkräfte. Deniz Undav, der beim VfB Stuttgart in dieser Saison bereits 23 Tore und 13 Vorlagen in 38 Pflichtspielen erzielt hat, begann erneut auf der Bank. Stattdessen starteten Nick Woltemade als Sturmspitze und Serge Gnabry als offensiver Mittelfeldspieler.

Erst zur zweiten Halbzeit durfte Undav sein siebtes Länderspiel bestreiten und löste den blassen Gnabry ab. Lange Zeit verlief das Spiel an ihm vorbei, bis zu seinem entscheidenden Geistesblitz in der Schlussphase: Nach einer Kopfballvorlage von Leroy Sané erzielte Undav das 2:1 – sein vierter Treffer im Nationaltrikot.

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Nagelsmanns klare Analyse

In der ARD erklärte der Bundestrainer seine taktischen Überlegungen: „Deniz hat viele gute Aktionen in der Liga, wenn der Gegner schon ein bisschen müde ist, weil er eine außergewöhnliche Kreativität hat. Und die geht so ein bisschen flöten, wenn er sehr viel im Spiel erstmal arbeiten muss.“

Nach dem Spiel betonte Nagelsmann noch deutlicher: „Ich fand Deniz’ Leistung bis zum Tor nicht gut. Er hat, glaube ich, einmal den Ball berührt.“ Der Treffer bestätige aus seiner Sicht genau die Einstufung als idealen Joker: „Den macht er dann auch, weil er einfach frisch war. Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er den so reinmacht.“

Undavs ambivalente Rolle

In seinem Heimstadion wurde der VfB-Stürmer von den Fans mit Sprechchören gefeiert. Nach dem Spiel zeigte sich Undav entsprechend selbstbewusst: „Es war krass zu hören, wie die Fans hinter mir stehen. Ich genieße das. Ein perfekter Abend: Sieg geholt, entscheidendes Tor gemacht – top.“

Auf seine Klassifizierung als Einwechselspieler angesprochen, meinte er schelmisch: „Ich versuche, meine Rolle zu akzeptieren, Gas zu geben und der Mannschaft mit Toren zu helfen. Aber durch wichtige Tore kann sich die Rolle vielleicht verändern.“

Teamdynamik vor Individualismus

Nagelsmann hatte im Zuge der März-Länderspiele mit jedem Spieler ein Rollengespräch geführt und dabei Undav klar die Joker-Rolle zugewiesen. Der Bundestrainer fürchtet, „sonst meine Glaubwürdigkeit“ zu verlieren, wenn er davon abweicht.

Zu Undavs forschen Aussagen meinte Nagelsmann: „Er setzt sich mit seinen Aussagen selber unter Druck. Wenn er damit gut klarkommt, kann er das gerne machen. Jeder Spieler sollte den Drang haben, eine bessere Rolle zu spielen – das ist gut so.“

Doch der 38-Jährige machte auch deutlich, dass Spieler, die zu ungeduldig oder unbequem werden, die Teamhygiene und Hierarchie gefährden könnten. „Einer, der zu ungeduldig, unbequem oder gar ungezogen werden könnte, ist eine Gefahr für die Teamhygiene und Hierarchie der Mannschaft.“

WM-Perspektive ungewiss

Genervt zeigte sich Nagelsmann von der medialen Dauerpräsenz des Themas: „Sieben Tage Dauerthema Deniz Undav“, kommentierte er die vorangegangene Woche. Ironisierend fügte er hinzu: „Auch im Sommer werden wir Jungs brauchen, die in der Lage sind, Spiele spät zu entscheiden. Wir werden es nicht immer in den ersten sechs Minuten hinkriegen.“

Ob Undav mit zur Weltmeisterschaft im Sommer reist, entscheidet sich am 12. Mai bei der Kadernominierung. Bis dahin muss der Stürmer beweisen, dass er seine Rolle akzeptiert – oder durch weitere wichtige Tore doch noch eine Aufwertung erzwingen kann.

Der Abend in Stuttgart zeigte die ganze Ambivalenz dieser Spieler-Trainer-Beziehung: Einerseits der gefeierte Matchwinner, andererseits der vom Bundestrainer klar definierte Reservist. Die WM-Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft bleibt auch nach diesem Testspielsieg von personellen Diskussionen geprägt.

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