Nagelsmann im RTL-Interview: Wontorra stellt kritische Fragen zu Undav und Rüdiger
Vor dem ersten Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft im WM-Jahr 2026 gegen die Schweiz stand Bundestrainer Julian Nagelsmann im RTL-Interview Rede und Antwort. Moderatorin Laura Wontorra nutzte die Gelegenheit, um dem Trainer mehrere brisante Themen vorzulegen und dabei insbesondere zu Personalentscheidungen nachzuhaken.
Warum Havertz statt Undav? Nagelsmanns Erklärung
Gleich zu Beginn des Gesprächs wollte Wontorra wissen: „Warum heute Havertz und nicht Deniz Undav, der aktuell der beste deutsche Stürmer von den Zahlen her ist?“ Nagelsmann begründete seine Entscheidung für Kai Havertz damit, dass der Spieler nach seiner 16-monatigen Verletzungspause dringend Spielrhythmus benötige. „Wir vermissen Kai seit Ewigkeiten. Und der muss natürlich Rhythmus kriegen bei uns“, so der Bundestrainer. Er betonte, dass Havertz ein kompletter Spieler sei, der jedoch dringend Einsatzzeit in der Nationalmannschaft brauche, um zur Weltmeisterschaft in Topform zu sein.
Nagelsmann führte weiter aus: „Wenn wir es jetzt nicht machen, dann ist es wahrscheinlich für die WM zu spät. Deswegen ist es, glaube ich, unausweichlich.“ Damit rechtfertigte er die Nominierung von Havertz trotz der starken aktuellen Statistiken von Deniz Undav, der in der öffentlichen Diskussion als bester deutscher Stürmer gehandelt wird.
Rüdiger auf Bewährung? Wontorras Nachfrage zu Kontroversen
Im weiteren Verlauf des Interviews richtete Wontorra den Fokus auf Verteidiger Antonio Rüdiger, der im Spiel gegen die Schweiz zunächst auf der Bank Platz nehmen sollte. Die Moderatorin fragte direkt: „Antonio Rüdiger hat auch wieder einen Platz gefunden. Er hat jetzt zuletzt noch Schlagzeilen gemacht aufgrund von Dingen, die neben dem Platz passiert sind. Ist er bei Ihnen so ein bisschen auf Bewährung, oder spielt das für Sie keine Rolle?“
Nagelsmann korrigierte zunächst die Darstellung: „Bewährung? War das nicht neben dem Platz, sondern es war ein Foul auf dem Platz, von dem wir gerade sprechen, glaube ich. Das andere ist lange her, das haben wir, glaube ich, 8000 Mal besprochen in 7000 Pressekonferenzen.“ Damit bezog er sich auf Rüdigers umstrittenes Foul gegen Getafes Rico, bei dem er den Gegenspieler mit dem Knie am Kopf getroffen hatte.
Nagelsmanns Vertrauen in Rüdigers Entwicklung
Der Bundestrainer äußerte sich anschließend ausführlich zu Rüdigers Rolle im Team: „Ich habe, glaube ich, viel zu Antonio gesagt. Er ist ein Spieler, der sich extrem identifiziert mit seiner Rolle, mit der Nationalmannschaft, der sich extrem identifiziert, alles zu geben für seine Familie hier, so wie er es nennt.“ Nagelsmann betonte Rüdigers Identifikation mit dem DFB-Team und dessen Einsatzbereitschaft.
Gleichzeitig verwies der Trainer darauf, dass Rüdiger selbst seine Vorbildfunktion erkannt habe: „Natürlich weiß er auch, das hat er auch selber gesagt: Er hat eine Vorbildfunktion und will gewisse Dinge, die nicht gut ankommen, nicht machen. Das hat er, glaube ich, selbst auch jetzt vor drei, vier Tagen gesagt.“ Nagelsmann plädierte dafür, nicht jede kleinere Situation des Verteidigers übermäßig zu diskutieren, zeigte aber auch Verständnis für die öffentliche Aufmerksamkeit.
Abschließend fasste der Bundestrainer zusammen: „Aber wir müssen nicht immer jede Minisituation von ihm extrem diskutieren. Und er weiß schon, was er machen muss in Zukunft und was er besser lassen sollte.“ Damit signalisierte Nagelsmann sowohl Vertrauen in Rüdigers Entwicklung als auch klare Erwartungen an dessen zukünftiges Verhalten auf und neben dem Platz.



