Nagelsmanns WM-Barometer: Die große Kaderanalyse vor dem Turnier
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat bei seiner ersten Kadernominierung im WM-Jahr deutlich gemacht: Einen „Freifahrtschein“ für die Endrunde im Sommer besitzt keiner seiner Nationalspieler. Dennoch ließ der Teamchef am Donnerstag durchblicken, dass das aktuelle Aufgebot dem finalen WM-Kader bereits sehr nahe kommt. „Wenn alle gesund sind, ist das relativ gefestigt“, so Nagelsmanns Einschätzung.
Die Tür bleibt für einige Hoffnungsträger geöffnet
Allerdings betonte der Bundestrainer auch, dass die Tür für Nachrücker „nicht zu“ sei. Gerade auf den hinteren Kaderplätzen testet Nagelsmann bei den kommenden Länderspielen gegen die Schweiz und Ghana noch Alternativen. Davon gibt es reichlich, wenn man seinen Worten Glauben schenken darf.
Torwartposition: Sicherheiten und ein verletzungsbedingtes Fragezeichen
Im Tor haben Oliver Baumann und Alexander Nübel ihren WM-Platz sicher – immer vorbehaltlich unvorhersehbarer Ereignisse wie Verletzungen. Dahinter darf sich diesmal Jonas Urbig beweisen, dem Nagelsmann eine „extrem gute psychische Stabilität“ sowie eine „große Perspektive“ bescheinigte. Die Konkurrenten Noah Atubolu und Finn Dahmen hätten „nichts falsch gemacht“ und behalten weiter Chancen. Der eigentlich als Nummer eins vorgesehene Marc-André ter Stegen benötigt wegen seiner erneuten Verletzung jedoch ein Wunder für die WM-Teilnahme.
Abwehr: Gesetzte Größen und spannende Duelle
In der Defensive sind Kapitän Joshua Kimmich, die Innenverteidiger Antonio Rüdiger, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck sowie David Raum für die WM gesetzt. Auch Waldemar Anton und Malick Thiaw dürfen sich relativ sicher fühlen. Nathaniel Brown und Josha Vagnoman können sich Ende März noch empfehlen. Nagelsmann nannte überdies Matthias Ginter, der eine „sehr gute Saison“ spiele, und Yann Aurel Bisseck als Kandidaten, die er weiter im Blick habe. Das gilt wohl auch noch für Ridle Baku, aber eher weniger für Maximilian Mittelstädt, Benjamin Henrichs oder Robin Koch.
Defensives Mittelfeld: Pavlovic als unumstrittener Stammspieler
Im defensiven Mittelfeld ragt Aleksandar Pavlovic als unumstrittener Stammspieler heraus. Leon Goretzka ist aus Sicht des Bundestrainers dessen logischer Nebenmann. Allerdings merkte Nagelsmann an, dass der Münchner Richtung WM beim Verein „ein bisschen mehr spielen müssen als im Februar“ werde. Felix Nmecha ist als Nummer drei dabei, Alternativen sind die überraschend berufenen Anton Stach und Pascal Groß. Stach sei „einer derjenigen, die reinrutschen können“.
Robert Andrich dagegen muss kämpfen. „Den müssen wir nicht mehr kennenlernen“, so begründete Nagelsmann den Verzicht auf den Leverkusener. Angelo Stillers WM-Traum wird platzen, weil er Pavlovic zu sehr ähnelt. Mit Tom Bischof hat Nagelsmann gesprochen, zieht aber Konkurrenten mit „mehr Rhythmus und Erfahrung“ vor.
Offensive: Musiala als Sorgenkind und letzte Entscheidungen
In der Offensive ist Jamal Musiala das größte Sorgenkind. Nicht, weil es plötzlich Zweifel an seinen Fähigkeiten gäbe, sondern weil er „erstmal fit werden“ müsse, um für die WM infrage zu kommen. Kai Havertz, Florian Wirtz, Serge Gnabry, Leroy Sané, Nick Woltemade und Deniz Undav dürfen ihren Sommer in Übersee planen.
Von dem Trio Kevin Schade, Karim Adeyemi und Maximilian Beier will Nagelsmann „nur einen, maximal zwei“ mitnehmen. Diesmal nominiert ist nur Schade. Jamie Leweling darf „als Backup für Flo“ Wirtz mit. Eine Alternative ist Jungstar Lennart Karl, der erstmals dabei ist und den Nagelsmann vor dem ebenfalls schon mal besichtigten Said El Mala sieht.
Assan Ouédraogo ist wegen seiner Verletzung wie Tim Kleindienst raus, auch Jonathan Burkardt hat kaum Chancen, wenngleich Nagelsmann klarstellte: „Wenn wir einen Spieler haben, der im April zwölf Tore schießt, ist die Chance schon groß, dass der noch mitfährt.“ Auch Niclas Füllkrug? Dessen Name fiel am Donnerstag gar nicht mehr.



