Nagelsmanns WM-Plan nimmt konkrete Form an
Nach einem intensiven Reha-Training im Stadion des SC Freiburg und einem gemeinsamen Abendessen zur Teambildung in Baden-Württemberg zog Bundestrainer Julian Nagelsmann eine durchweg positive Bilanz. Der 4:3 (2:2)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz in Basel lieferte dem Teamchef wertvolle Erkenntnisse für die anstehende Weltmeisterschaft in Amerika.
Florian Wirtz demonstriert Weltklasse
Die gesamte Fußball-Prominenz – von Rudi Völler über Lothar Matthäus bis hin zu Joachim Löw auf der Tribüne – verneigte sich vor der Leistung des 22-jährigen Florian Wirtz. Der Doppeltorschütze und Doppelvorlagengeber beseitigte mit seinem überragenden Auftritt alle Zweifel an seiner internationalen Spitzenklasse. „Er ist schon im Weltfußball ein Name. Und wenn er sich das beibehält, wird er über ganz, ganz lange Zeit ganz oben stehen“, jubilierte Nagelsmann überschwänglich. Die Perspektive, mit Jamal Musiala bald einen weiteren Spieler gleicher Güte zur Verfügung zu haben, verheißt großes Offensivpotenzial für das WM-Turnier.
Charakterstarke Reaktion auf Rückschläge
Obwohl die Schweiz ihre drei Tore vergleichsweise leichtfertig erhielt, überzeugte Nagelsmann vor allem die mentale Stärke seiner Mannschaft. Zweimaliger Rückstand wurde wettgemacht, die Spieldominanz blieb erhalten, und ein klarer Spielplan war durchgängig erkennbar. „Mentalitätsmäßig finde ich das schon sehr, sehr gut“, lobte der Bundestrainer. Kapitän Joshua Kimmich, der mit einer dicken Lippe aus dem Spiel ging, betonte: „Ich fand den Auftritt insgesamt nicht verkehrt, auch wenn wir drei Tore gekriegt haben.“ Solche Antworten auf Rückschläge könnten sich bei der WM als entscheidend erweisen.
Defensivpatzer ohne strukturelle Probleme
Natürlich wird Nagelsmann die Abwehrfehler intern thematisieren, doch er bewertete sie milde. Selbst Nico Schlotterbeck, der seine schwächste Halbzeit im Nationaltrikot absolvierte und durch Patzer im Spielaufbau zwei Gegentore verursachte, erhielt kein hartes Urteil. „Er kriegt jetzt keinen Rüffel. Ich finde, er hat sich im Spiel gefangen. Das ist für mich das wichtige Zeichen“, erklärte der Teamchef. Die Tore resultierten nicht aus systemischen Defiziten, sondern aus individuellen Fehlerketten – ein Umstand, der weniger beunruhigend wirkt. Für personelle Konsequenzen sieht Nagelsmann derzeit keinen Anlass, obwohl Antonio Rüdiger als Backup bereitsteht.
Havertz-Rückkehr und Sané-Fragezeichen
Nach 16 Monaten Verletzungspause kehrte Kai Havertz ins Nationalteam zurück und wurde sofort zum Rollen-Anführer im Sturmzentrum ernannt – vor Nick Woltemade, der in der WM-Qualifikation vier Tore erzielt hatte. „Er hat sechs, sieben sehr gefährliche Situationen geschaffen. Wenn er gesund ist und seine Fitness findet, ist er auf dem Niveau von Wirtz oder Musiala“, betonte Nagelsmann. Weniger überzeugend präsentierte sich Leroy Sané, dessen Auftritt erneute Fragen aufwarf. Der Versuch des Bundestrainers, diese Leistung zu relativieren, klang freundlich, doch mit Lennart Karl betrat bereits ein vielversprechender Youngster die Bühne, der bei seinem Länderspieldeburt überzeugte.
Insgesamt zeigt der Sieg in Basel, dass Nagelsmanns WM-Plan konkrete Formen annimmt. Mit elf Wochen bis zum Turnierstart gegen Curaçao befindet sich die Nationalmannschaft auf einem vielversprechenden Weg, auch wenn nicht alle Aspekte perfekt laufen. Die nächste Bewährungsprobe folgt am Montag in Stuttgart gegen Ghana.



