Manuel Neuer als 40-jähriger X-Faktor: Bayern-Torwart überstrahlt Gigantensieg in Madrid
Der neue Tag war bereits angebrochen, als Manuel Neuer seine Bayern-Mannschaft nach dem beeindruckenden Sieg im Estadio Santiago Bernabéu zum festlichen Bankett im Teamhotel führte. Unter dem rhythmischen Klatschen der Edelfans betrat der Mann des Abends den Ballsaal, wo ihm ein besonderer Moment bevorstand. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen hob in seiner Rede nach dem 2:1-Erfolg im "europäischen Clásico" gegen Real Madrid den Kapitän explizit hervor und würdigte seine außergewöhnliche Leistung.
"Wir hatten heute etwas in unserem Spiel, was Real Madrid so nicht hatte. Wir hatten unseren X-Faktor, unseren Vierziger, unseren Torhüter von Weltklasseformat. Manuel, Du warst heute außerordentlich", betonte Dreesen vor der versammelten Mannschaft und den Gästen. Diese Worte trafen den Kern des Abends, an dem der 40-jährige Neuer den Münchner Gigantensieg in der spanischen Hauptstadt überstrahlte.
Triumphale Rückkehr an den Ort der Niederlage
Zwei Jahre nach seinem folgenschweren Fehler beim bitteren Halbfinal-Aus gegen Real Madrid verließ Manuel Neuer das berühmte Bernabéu diesmal als Triumphator. Nur wenige Tage nach seinem 40. Geburtstag hatte der deutsche Rekordtorwart die Auszeichnung als "Man of the Match" mehr als verdient. Sogar die angesehene spanische Zeitung "As" huldigte dem Bayern-Veteranen in ihrer Berichterstattung und titelte: "Neuer zeigt eine heldenhafte Leistung."
Mit seinen blitzschnellen Reflexen, seiner imposanten Ausstrahlung und seinen Libero-Aktionen auch außerhalb des Strafraums wurde Neuer zum entscheidenden Matchwinner. Obwohl die Offensiv-Asse Luis Díaz und Harry Kane die spielentscheidenden Tore erzielten, war es vor allem der Torwart, der Reals Stürmerstars Kylian Mbappé und Vinicius Júnior zur Verzweiflung trieb. "Es war ein wichtiger Tag, ein wichtiges Spiel für mich", sagte Neuer nach etlichen Glanztaten in den Stadion-Katakomben.
Interessanterweise stand er bei diesen Worten exakt an dem Ort, wo er im Mai 2024 seinen Aussetzer bei einem Schuss von Vinícius Júnior mit "einem minimalen Maulwurf im Platz" zu erklären versucht hatte. "Im Prinzip habe ich ein ähnliches Spiel damals gemacht", erklärte Neuer nun voller Genugtuung bei der Rückkehr in Reals Fußball-Tempel. Es war nach 25 Jahren der erste Bayern-Erfolg im Bernabéu in der regulären Spielzeit und durchbrach eine Serie von neun sieglosen Partien gegen die Königlichen.
WM-Thema energisch abgewehrt
Neuers herausragende Leistung vor den Augen der Fußball-Welt führte umgehend zu Reporterfragen nach einem möglichen DFB-Comeback und einer fünften Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Doch der Weltmeister von 2014 wehrte diese Spekulationen energisch ab: "Wir brauchen das Thema überhaupt nicht aufzumachen. Ich habe meine Sachen dazu gesagt. Ich konzentriere mich auf den FC Bayern."
Stattdessen treibt den erfahrenen Torhüter aktuell der Einzug ins Halbfinale gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain oder den FC Liverpool an, sowie die Jagd nach seinem dritten Triple nach 2013 und 2020. Was seine Zukunft betrifft, bleibt alles offen. Noch ein Bayern-Jahr oder doch der Rücktritt? Einen konkreten Zeitpunkt für diese Entscheidung gebe es "im Moment nicht", wie Neuer in Madrid erklärte.
Die zurückliegenden zwei Muskelverletzungen an der Wade hätten seinen ursprünglichen Zeitplan durchkreuzt. Eigentlich wollte er im Februar und März herausfinden, auf welcher Höhe er noch sei, doch stattdessen war er zweimal verletzt. "Viele Faktoren spielen eine Rolle, auch wie es mir gesundheitlich geht", erläuterte Neuer. "Die Crunchtime-Performance, diese Säule fehlt mir noch. Wir haben alle Zeit der Welt, der Verein und ich. Da sind wir entspannt."
Kompanys Meisterleistung im 100. Pflichtspiel
Nicht nur Manuel Neuer zeigte sich bereit für die entscheidende Phase der Saison. Das gesamte Bayern-Kollektiv trat gegen Reals Individualisten-Equipe lange Zeit so dominant auf, wie sich das Vincent Kompany in seinem 100. Pflichtspiel als Bayern-Trainer gewünscht hatte. Es war sein 76. Sieg und ein vorzeitiges Geschenk zu seinem 40. Geburtstag an diesem Freitag.
"Dieser Geburtstag ist nicht die Priorität in der Woche mit Real, St. Pauli, Real", betonte der Belgier. Ganz große Glücksgefühle werde er erst empfinden, "wenn die Jungs das Ding über die Linie ziehen". Kompany hat bereits ein neues, großes Bayern-Team erschaffen und überträgt seine eigene Gewinner- und Kämpfer-Mentalität auf seine Stars. "Wir müssen immer den Gedanken haben: Was können wir schaffen", benannte er in Madrid sein Credo.
Sportvorstand Max Eberl ließ erkennen, dass der Verein gerne nochmals mit seiner Nummer eins verlängern würde. "Manu hat hier mit Bravour geleistet und uns gerettet in der einen oder anderen Situation. Er möchte jetzt die Spiele im April machen. Er braucht auch keine großen Argumente mehr zu liefern. Er soll einfach nur gesund bleiben. Und dann werden wir uns hinsetzen."
Eberl lobte zudem den unersetzbaren Engländer Harry Kane, der sich trotz nicht optimaler Fitness für die Mannschaft aufgeopfert habe. "Das zeigt den wahren Leader", sagte der Sportvorstand und sprach von einem Münchner "Gesamtwerk", bei dem alle Puzzleteile perfekt zusammenpassen - von Neuer im Tor bis zu Torjäger Kane vorne.



