Para-Superstar Oksana Masters triumphiert mit zehntem Gold
Die Paralympics in Tesero erlebten einen historischen Moment, als die US-amerikanische Para-Sportlerin Oksana Masters ihre zehnte Goldmedaille gewann. Die 36-jährige Athletin, die bereits an acht Paralympischen Spielen teilgenommen hat, setzte sich im Biathlon-Sprint vor ihrer Teamkollegin Kendall Gretsch durch. Die deutsche Gesamtweltcupsiegerin Anja Wicker erreichte den dritten Platz.
Überraschungssieg trotz gesundheitlicher Rückschläge
Der neueste Triumph kam für Masters selbst überraschend. In den letzten drei Wochen vor dem Wettkampf konnte die Spitzensportlerin aufgrund einer Infektion und einer Gehirnerschütterung kaum trainieren und musste sich sogar in einem italienischen Krankenhaus behandeln lassen. „Ich bin völlig geschockt. Damit hatte ich nicht gerechnet“, gestand Masters nach der Siegerehrung. „Ich wollte doch nur eine schöne Zeit auf dem Schießstand verbringen.“
Eine bewegende Lebensgeschichte voller Überwindung
Die Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden, ist für Oksana Masters zur Spezialdisziplin geworden. Ihre Lebensgeschichte begann 1989 in der ukrainischen Stadt Chmelnyzkyj, wo sie mit schweren Fehlbildungen an Beinen und Händen sowie mit nur einer Niere zur Welt kam. Ärzte führten diese gesundheitlichen Probleme auf die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zurück, die drei Jahre zuvor stattgefunden hatte.
Ihre leiblichen Eltern waren mit der Pflege des schwerbehinderten Mädchens überfordert und gaben Oksana in ein Waisenhaus ab. Dort verbrachte sie sieben Jahre unter schwierigsten Bedingungen, erlitt nach eigenen Angaben Misshandlungen und litt unter Mangelernährung. Die Wende kam, als eine alleinstehende Amerikanerin die kleine Oksana in einem Adoptionsprospekt entdeckte und nach Buffalo in den USA holte.
Der Sport als Rettungsanker
Auch in ihrer neuen Heimat blieben die gesundheitlichen Herausforderungen bestehen. Beide Beine mussten oberhalb der Knie amputiert werden – mit neun Jahren das linke, mit 14 Jahren das rechte Bein. Zusätzlich unterzog sich Masters mehreren Operationen an ihren Händen.
Durch den Sport fand die junge Frau einen Weg zurück ins Leben. Mit 17 Jahren begann sie mit dem Rudern und gewann fünf Jahre später bei den Paralympics in London ihre erste Bronzemedaille. Nach Rückenproblemen wechselte sie zum Skisport im Winter und zum Handbiken im Sommer – der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere.
Eine beeindruckende Erfolgsbilanz
Mittlerweile kann Oksana Masters auf eine beeindruckende Bilanz zurückblicken:
- 20 Paralympics-Medaillen insgesamt
- 10 Goldmedaillen bei Paralympischen Spielen
- Teilnahme an acht Paralympics (viermal Winter-, viermal Sommerspiele)
- Millionenschwere Sponsorenverträge in den USA
Die Sportlerin reflektiert über ihre Erfahrungen: „Mir hat der Sport geholfen, mich zu retten, und er hat mich darin bestärkt, mich selbst zu lieben. Zu lieben, was ich im Spiegel sehe.“ Ihre Geschichte steht als beeindruckendes Beispiel für menschliche Widerstandsfähigkeit und die transformative Kraft des Sports.



