Portugals Ronaldo-Problem: Hemmt der Superstar den Spielfluss?
Portugal hat ein Team von Weltklassespielern, doch einer hemmt den Spielfluss: Cristiano Ronaldo. Beim 1:1 gegen Kongo stand der Superstar wieder jede Sekunde auf dem Platz. Trainer Roberto Martínez scheint unerschütterlich in seiner Treue zu Ronaldo. Doch hat diese Nibelungentreue politische Gründe? Von Florian Haupt, Barcelona.
Die portugiesische Nationalmannschaft verfügt über eine beeindruckende Tiefe an Talenten. Spieler wie Bernardo Silva, Bruno Fernandes oder João Félix könnten jedes Team der Welt verstärken. Doch auf dem Platz wirkt das Team oft gehemmt, und viele Beobachter sehen die Ursache in Cristiano Ronaldo. Der 39-Jährige, der seine Glanzzeiten längst hinter sich hat, beansprucht weiterhin einen Stammplatz und nimmt oft die Rolle des unumstrittenen Führungsspielers ein.
Beim jüngsten Spiel gegen Kongo endete die Partie 1:1. Ronaldo blieb ohne Tor und zeigte eine durchwachsene Leistung. Kritiker fragen sich, warum Trainer Roberto Martínez nicht auf andere Optionen setzt. Die Antwort könnte in der politischen Landschaft Portugals liegen. Ronaldo genießt eine enorme Popularität im Land, und jede Entscheidung gegen ihn könnte öffentliche Kritik nach sich ziehen. Martínez, der erst seit kurzem im Amt ist, möchte möglicherweise keine Kontroversen riskieren.
Doch die sportlichen Argumente sprechen eine andere Sprache. Portugal braucht frische Impulse und eine flexiblere Offensive. Die Abhängigkeit von Ronaldo könnte das Team in entscheidenden Momenten bremsen. Die Nibelungentreue des Trainers könnte also sowohl sportliche als auch politische Gründe haben. Fest steht: Solange Ronaldo auf dem Platz steht, wird die Diskussion um seine Rolle weitergehen.
Die portugiesischen Fans sind gespalten. Viele verehren Ronaldo für seine vergangenen Taten, andere wünschen sich einen Neuanfang ohne ihn. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Martínez den Mut hat, Veränderungen vorzunehmen, oder ob er weiterhin auf den Unauswechselbaren setzt.



