Pro und Contra: Muss Deniz Undav bei der WM 2026 Stammspieler sein?
Deniz Undav bestritt sein letztes Länderspiel im Sommer 2025 in der Nations League im Spiel um Platz 3, einer 0:2-Niederlage gegen Frankreich. Unter Bundestrainer Julian Nagelsmann kommt der Stuttgarter Stürmer auf insgesamt sechs DFB-Einsätze, in denen er drei Tore erzielte. Die aktuelle Saison 2025/26 zeigt ihn in herausragender Form mit 21 Toren und zwölf Torvorlagen in Liga und Pokalwettbewerben.
Pro: Nur Undav besitzt das nötige Selbstvertrauen
Von Paul Grotenburg
Deniz Undav spielt gerade die beste Saison seiner gesamten Karriere. Diese außergewöhnliche Leistung rechtfertigt nicht nur seine Nominierung für den DFB-Kader der kommenden Länderspiele, sondern auch einen direkten Platz in der Startformation. Mit seinen 21 Toren und zwölf Assists gehört der Stuttgarter Angreifer zu den torgefährlichsten Stürmern in ganz Europa. Hinter absoluten Weltstars wie Harry Kane, Kylian Mbappé und Erling Haaland belegt Undav aktuell Rang fünf in der europäischen Torjägerliste.
Momentan existiert in Deutschland kein besserer Mittelstürmer. Die Konkurrenz innerhalb des DFB-Teams kämpft entweder mit Formschwächen oder Verletzungsproblemen. Kai Havertz, Jonathan Burkardt und Tim Kleindienst verzeichnen deutlich weniger Scorerpunkte. Auch die Spieler Nick Woltemade und Niclas Füllkrug suchen noch nach ihrer optimalen Form. Bundestrainer Nagelsmann verfügt zwar mit Jamal Musiala, Florian Wirtz, Serge Gnabry, Leroy Sané und auch Havertz über zahlreiche spielstarke Offensivkräfte, die Torchancen kreieren können. Doch aktuell besitzt nur ein einziger Spieler das Selbstvertrauen und die Treffsicherheit eines echten Torjägers: Deniz Undav.
Contra: Havertz ist der bessere Neuner
Von Jörg Hobusch
Weil Deniz Undav gerade einen außergewöhnlichen Lauf hat, fordern immer mehr sogenannte Experten ihn als WM-Mittelstürmer. Doch für diese zentrale Rolle ist der Stuttgarter nicht optimal geeignet. Bei seinem Verein VfB Stuttgart funktioniert er nur deshalb so effektiv, weil sich die gegnerischen Abwehrreihen vor allem auf seinen Sturmpartner Serhou Guirassy konzentrieren müssen, der weiter vorgezogen agiert. Bundestrainer Nagelsmann wird jedoch sein taktisches System nicht grundlegend ändern. In seiner Aufstellung gibt es nur einen echten Neuner, und für die Positionen dahinter existiert mit Musiala, Wirtz und Gnabry bereits ein Überangebot an talentierten Spielern.
Mit Kai Havertz besitzt Deutschland einen besseren klassischen Mittelstürmer. Über viele Jahre hinweg hat der Offensivspieler seine internationale Klasse in der zentralen Angriffsposition unter Beweis gestellt. Ein weiterer Vorteil: Aufgrund seiner früheren Verletzung ist Havertz vergleichsweise spät in die aktuelle Saison gestartet. Während viele andere Spieler zur WM-Zeit bereits müde und überspielt sein könnten, wird Havertz vermutlich in Topform auflaufen. Deniz Undav dagegen stellt einen perfekten Joker dar. Er benötigt nicht viel Zeit, um ins Spiel zu finden, und kann gegen ermüdete gegnerische Verteidiger besonders gefährlich werden.
Die Diskussion um die beste Besetzung der Stürmerposition bleibt bis zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko spannend. Beide Argumentationslinien zeigen, dass Bundestrainer Nagelsmann eine schwierige Entscheidung zwischen aktueller Form und taktischer Passgenauigkeit treffen muss.



