Berlin. Deutschland gegen Curaçao: Die Stimmung war ausgelassen beim Public Viewing am Potsdamer Platz in Berlin. Tausende Deutschland-Fähnchen, zahllose Fans in Wirtz- und Musiala-Trikots und schwarz-rot-goldene Hüte, so weit das Auge reicht, prägten das Bild am Sonntagabend. Zwischen all dem Schwarz-Rot-Gold stach eine einzelne Curaçao-Fahne hervor, die zu Spielbeginn am Center am Potsdamer Platz geschwenkt wurde.
Ein Curaçao-Fan zwischen Tausenden
Enar schien bei dem Public Viewing weit und breit der einzige Curaçao-Fan zu sein. Für seine Mannschaft war das Spiel das erste WM-Spiel in der Geschichte. „Ich bin sehr emotional. Es ist so toll, dass unsere kleine Insel Teil der Fußball-Weltmeisterschaft ist“, sagte der Mann, der auf Curaçao geboren wurde und heute in den Niederlanden lebt. Mit seiner Familie machte er gerade Urlaub in Berlin. Er glaube an einen Sieg seiner Heimatinsel: „1:0 für Curaçao“, tippte er kurz nach Anpfiff.
Emotionale Achterbahn auf dem Platz
Schon wenige Minuten nach Spielbeginn fiel das erste Tor des Abends. So groß die Freude und der Jubel der Fans am Potsdamer Platz beim 1:0 war, so groß war das Entsetzen beim 1:1. Nur eine Fahne wurde in diesem Moment geschwenkt: die von Enar, der freudig seiner Tochter ein High-Five gab. Für die vielen versammelten Deutschland-Fans war es ein kurzer Moment des Erstaunens und der Verwunderung.
Beinahe verzweifelte „Auf geht’s Deutschland, schießt ein Tor, schießt ein Tor“-Gesänge schallten kurzzeitig über den überdachten Platz. Dann die Erleichterung beim 2:1 in der 38. Minute. Und riesiger Jubel beim 3:1 durch Kai Havertz nach dem Foulelfmeter. Spätestens nach dem 4:1 und 5:1 in der zweiten Halbzeit löste sich die Anspannung; beim 6:1 kochte der Platz. „Oh wie ist das schön“-Gesänge tönten nun durch die Menge.
Stimmung und Hoffnung auf den Titel
„Genau wegen der guten Stimmung sind wir hier“, sagte Taylor – ein breites Grinsen im Gesicht, schwarz-rot-goldene Fähnchen auf den Wangen. Sie war mit ihrer Freundin Hannah zum Fußballfest am Potsdamer Platz gekommen. „Wir kommen supergerne hierher, weil so viele Leute da sind, es Sitzplätze gibt und eine große Leinwand“, so die 18-Jährige. Die beiden jungen Frauen wollen alle Deutschlandspiele hier verfolgen. Schon vor Anpfiff hatte Taylor gesagt, sie sei sicher, dass die Nationalelf es mindestens ins Halbfinale schafft.
Dann, beim 7:1 in der 88. Minute, bebte die Stimmung am Potsdamer Platz, die Laune der Deutschlandfans war exzellent. Nach Abpfiff war die Freude groß. „7:1?! Wann hatten wir das letzte Mal? 2014! Und da wurden wir Weltmeister!“, so die Deutschland-Fan Lilli. Und auch Niclas, Finja und Kilian waren sich nach diesem Auftakt sicher: „Deutschland wird wieder Weltmeister.“
Stolz auch auf Curaçao-Seite
Zufrieden war aber auch Curaçao-Enar, als er mit seiner Familie den Potsdamer Platz verließ. „Ich bin sehr, sehr stolz. Es ist eine große Leistung, dass unsere Mannschaft ein Tor geschossen hat – gegen Deutschland, einen vierfachen Weltmeister. Das lässt mich optimistisch auf die kommenden Spiele schauen.“ Ein gelungener WM-Auftakt für die deutsche Nationalelf – und ein stimmungsvoller Abend am Potsdamer Platz.



