Vom Bolzplatz zum Laufsteg: Der Hype um Retro-Fußballtrikots als modische Erinnerungsstücke
Retro-Fußballtrikots: Mode-Hype und emotionale Erinnerungen

Vom Bolzplatz zum Laufsteg: Der Hype um Retro-Fußballtrikots

In seinem Berliner Laden "44 Trikots" sortiert Ziad Gornasa knallbunte Fußballtrikots nach Ligen und Nationalmannschaften. Der 22-Jährige hat sich auf gebrauchte Sportbekleidung spezialisiert und präsentiert zwischen 400 und 500 Oberteile. Was für manche nur Polyester-Fetzen sind, gilt für andere als modisches Statement und emotionales Erinnerungsstück.

Nostalgie zum Anfassen

"Hast du auch ein Real-Trikot mit Ronaldo hintendrauf da?", fragt ein Kunde. Ziad verneint, bietet aber Alternativen an. Seine Kundschaft durchstöbert neonleuchtendes Borussia-Gelb und sattes Manchester-United-Rot. Das teuerste Stück ist ein Ronaldinho-Trikot von der WM 2002 für 180 Euro.

"Es ist Nostalgie pur", erklärt Ziad. "Die meisten Leute haben einfach Spaß beim Durchgucken, weil dabei so viele Erinnerungen hochkommen. Sie denken sich: Das war meine Zeit damals, dieser Spieler war mein Held. Trikots sind Erinnerungen zum Anfassen."

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Vom Fan-Artikel zum Modetrend

Früher trugen nur eingefleischte Fans die Trikots ihrer Lieblingsvereine. Heute sind sie überall: auf Laufstegen, Konzertbühnen und Social-Media-Plattformen wie TikTok. Der Trend namens #Blokecore kombiniert Sneaker, Jeans und Fußballtrikot - inspiriert vom Stil englischer Typen in den Neunzigerjahren.

Prominente wie Kim Kardashian (in einem AS-Rom-Trikot von 1997/98) und Topmodel Lena Gercke haben den Trend popularisiert. Für viele Käufer scheint es egal zu sein, welcher Clubname vorn steht - Hauptsache, die Farben knallen und das Trikot passt zur Jeans.

Die Geschichte der Fußballtrikots

  • Vor etwa 150 Jahren unterschied man Spieler nur an verschiedenfarbigen Kappen oder Strümpfen
  • 1890 führte das Spiel Wolverhampton Wanderers gegen AFC Sunderland (beide in Rot-Weiß) zu einer Regeländerung
  • 1967 druckte Wormatia Worms als erster deutscher Verein Werbung auf Trikots
  • Heute tragen Spieler atmungsaktive Hightech-Hemden, die meist in Asien produziert werden

Die Herstellungskosten liegen bei etwa zehn Euro pro Trikot, während Bundesligatrikots durchschnittlich 90 Euro kosten. Ein Drittel des Verkaufspreises geht an Einzelhändler, dazu kommen Steuern und weitere Kosten.

Vom Kinderzimmer zum eigenen Laden

Ziad begann seine Karriere während des Lehramtsstudiums. In Manchester entdeckte er ein Hertha-Trikot für 50 Euro und erkannte das Geschäftspotenzial. Zurück in Deutschland verkaufte er zunächst über Social Media, später in kleinen Drops von 30 bis 100 Trikots.

Nach einem erfolgreichen Pop-up-Store eröffnete er im Frühjahr 2025 seinen eigenen Laden in Berlin-Wilmersdorf. Die Einrichtung erinnert an ein Kinderzimmer mit Playstation 2, Captain-Tsubasa-Figur und "Bravo Sport"-Postern.

Authentizität als Verkaufsargument

Ziad kauft Trikots von Sammlern und reist persönlich zu Händlern, um die Qualität zu prüfen. Manchmal fährt er sieben Stunden mit dem Flixbus an die polnische Grenze, um in Kellern nach Schätzen zu suchen.

"Bei Ebay kriegst du manche Trikots vielleicht günstiger, aber bei mir weißt du, dass die Trikots echt sind", betont er. Seine Erfahrung mit Zehntausenden Trikots ermöglicht ihm, Fälschungen zu erkennen - obwohl selbst Produktcodes bei beliebten Spielern gefälscht werden.

Das Highlight seiner privaten Sammlung ist ein Hertha-Trikot mit Continentale-Werbung in Langarm-Variante: "Das ist unverkäuflich." Der Hype um Fußballtrikots wird seiner Meinung nach nicht so schnell abflauen - zu stark sind die emotionalen Verbindungen, die diese bunten Stoffstücke bei Fans weltweit auslösen.

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