Historische Vorstellung: Julian Ryerson führt BVB zum höchsten Saisonsieg
Beim 5:0-Erfolg des Borussia Dortmund gegen den FSV Mainz 05 schrieb Julian Ryerson Vereinsgeschichte. Der norwegische Außenverteidiger avancierte mit vier Torvorlagen zum entscheidenden Matchwinner und stellte dabei eine interne Bestmarke auf. In einer Partie, die als höchster Bundesligasieg der Schwarz-Gelben in dieser Spielzeit in die Annalen eingeht, lieferte der 28-Jährige eine absolute Gala-Vorstellung ab.
Bescheidenheit trotz Rekordleistung
Er selbst wollte die außergewöhnliche Leistung nicht überbewerten. „Für mich ging es heute ausschließlich um drei Punkte, nicht mehr und nicht weniger“, analysierte Ryerson nach dem Spiel in der Mixed Zone. Auf die Frage nach seinen vier Assists antwortete der Norweger trocken: „Das klingt vielleicht langweilig, aber genau so muss ich an die Sache herangehen. Für mich zählt nur das nächste Spiel.“ Seine Teamkollegen und BVB-Mitarbeiter erinnerten den bescheidenen Spieler jedoch an die historische Dimension seiner Vorstellung.
Vereinsrekord in der ersten Halbzeit
Ryerson knackte gleich mehrere Vereinsrekorde. Noch nie zuvor hatte es ein Dortmunder Spieler seit Beginn der detaillierten Datenerfassung geschafft, in einer ersten Halbzeit drei Tore vorzubereiten. Drei Kopfballtreffer in einer Spielhälfte waren bei Schwarz-Gelb ebenfalls noch nie vorgekommen. Der Norweger, der vor dieser Partie noch nie mehr als eine Vorlage pro Spiel geliefert hatte, wurde mit seinen Standards zum entscheidenden Faktor:
- Zwei Tore nach von ihm getretenen Ecken
- Ein Treffer nach einem Freistoß aus dem Halbfeld
- Eine punktgenaue Flanke zum 2:0 für Maximilian Beier
Statistischer Überflieger
Schon vor dem Spiel war Ryerson bester Vorlagengeber des BVB, nun schraubte er seine Assist-Zahl wettbewerbsübergreifend auf beeindruckende 13 Vorlagen in 29 Einsätzen. Zum Vergleich: Der zweitbeste Vorbereiter des Teams, Fábio Silva, kommt auf lediglich sechs Assists. Nur ein eigener Treffer fehlt dem 28-Jährigen in dieser Saison bislang noch zur perfekten Statistik.
Neue Standard-Stärke als Erfolgsgeheimnis
Fast schon skurril wirkt die neu entdeckte Standard-Stärke des BVB. Nach der Trennung vom Standardtrainer Alex Clapham zum Jahresende liegt die Verantwortung nun beim Trainerteam um Niko Kovac. „Die Standards sind eine Waffe“, erklärte Sportdirektor Sebastian Kehl bereits vor der Partie und bezeichnete Ryerson als „guten Schützen“. Aus dieser Vorahnung wurde gegen Mainz Wirklichkeit.
Kovac erklärte den Erfolg mit „Übung“, „Wiederholung“ und der Tatsache, dass jeder „seine Aufgabe erfüllen“ müsse: „Deswegen freut es mich, dass es nach den vielen harten Stunden Standardtraining fruchtet.“ Kehl betonte nach dem Spiel, man habe nur „ein bisschen was umgestellt“.
Neue Regelauslegung begünstigt Entwicklung
Zur vollständigen Wahrheit gehört allerdings, dass eine neue Regelauslegung diese Entwicklung begünstigt. Seit dieser Spielzeit wird die Bedrängnis von Torhütern deutlich seltener abgepfiffen. Blocks gegen den Keeper, um ihm das Herauslaufen zu erschweren, sind inzwischen gängige Praxis – ganz nach dem Vorbild des FC Arsenal, der daraus eine echte Waffe gemacht hat.
Auch die Dortmunder haben diese Möglichkeit erkannt und nutzten sie gegen Mainz nahezu in Perfektion. In Person von Julian Ryerson fand der BVB den idealen Ausführenden für diese Taktik. Der vermeintliche Langweiler wurde so zum leisen Helden eines historischen Abends und zum entscheidenden Faktor einer neuen Dortmunder Standard-Wucht.



