Thomas Reis enthüllt Hintergründe nach überraschender Entlassung in der Türkei
Das erfolgreiche Engagement von Thomas Reis beim türkischen Erstligisten Samsunspor fand ein abruptes Ende. Der 52-jährige deutsche Trainer wurde vor zwei Wochen trotz guter sportlicher Leistungen überraschend freigestellt. Im exklusiven Interview spricht Reis nun erstmals offen über die nächtliche Entlassung, unterschiedliche Zielvorstellungen und erklärt, warum sportlicher Erfolg am Ende nicht ausreichte.
Das Ende eines Erfolgsprojekts mitten in der Nacht
Mitten in der Nacht von Freitag auf Samstag endete das Kapitel von Thomas Reis bei Samsunspor. Obwohl der Verein unter seiner Leitung historisch gut platziert war und internationale Perspektiven hatte, entschied sich der Klub für eine vorzeitige Trennung. "Der Zeitpunkt war vielleicht überraschend, aber völlig unerwartet war es nicht", erklärt Reis im Gespräch. Der Trainer hatte bereits Ende Januar mitgeteilt, dass er seinen Vertrag im Sommer nicht verlängern wolle.
Unterschiedliche Zielvorstellungen als Hauptgrund
Laut Reis waren nicht finanzielle Aspekte der entscheidende Faktor für die Trennung, sondern unterschiedliche sportliche Zielvorstellungen. "Ziele sind wichtig, aber sie müssen realistisch sein", betont der erfahrene Trainer. Der Verein strebte dauerhafte Platzierungen unter den Top vier oder fünf sowie regelmäßige europäische Teilnahmen an – Ambitionen, die Reis angesichts des begrenzten Etats als zu hoch einschätzte.
Reis betont jedoch: "Das ändert nichts daran, dass wir über eineinhalb Jahre sehr erfolgreich zusammengearbeitet haben." Unter seiner Führung hatte sich Samsunspor erstmals in der Vereinsgeschichte für internationale Wettbewerbe qualifiziert, nachdem das ursprüngliche Ziel lediglich der Klassenerhalt gewesen war.
Ehrlichkeit als Prinzip – auch wenn sie unbequem ist
Der Trainer verteidigt seinen offenen Kommunikationsstil: "Ich versuche immer, ehrlich zu sein – gegenüber Vereinsverantwortlichen, Präsidenten und Managern." Diese Ehrlichkeit sei nicht immer bequem, aber er stehe zu diesem Prinzip. Reis hatte frühzeitig über seine Zukunftsperspektiven gesprochen, um dem Verein Planungssicherheit zu geben.
Persönlich bedauert der 52-Jährige die Entscheidung: "Kurz vor den internationalen Playoffs freigestellt zu werden, ist enttäuschend." Menschlich sei die Trennung schwieriger gewesen als sportlich, da ihm die Mannschaft, viele Mitarbeiter und die Fans ans Herz gewachsen seien.
Klare Positionierung gegen falsche Berichterstattung
Reis wehrt sich entschieden gegen Gerüchte, er habe nach gescheiterten Vertragsverhandlungen nicht mehr richtig weiterarbeiten wollen: "Das entspricht nicht der Wahrheit." Der Trainer betont, er habe im Januar klar signalisiert, dass er bis zum Sommer bleiben und alles investieren wolle. Sein Ziel sei ein sauberer, erfolgreicher Abschluss der Saison gewesen.
Positive Bilanz trotz vorzeitigem Ende
Insgesamt blickt Thomas Reis positiv auf seine Zeit in der Türkei zurück: "Im Nachhinein kann ich sagen: Ich habe alles richtig gemacht." Die Arbeit mit 15 verschiedenen Nationalitäten, in einer fremden Kultur und mit Sprachbarrieren habe ihn als Trainer reifer gemacht. Besonders stolz ist er auf die internationalen Spiele, die jetzt in seinem Lebenslauf stehen.
Der Trainer nutzt nun die Zeit in Deutschland für Analysen und ist offen für neue Aufgaben: "Ich bin für einen neuen Job in der noch laufenden Saison offen." Zu Gerüchten über mögliche Engagements bei Vereinen wie Gladbach oder Wolfsburg nimmt er jedoch bewusst keine Stellung.
Thomas Reis verlässt Samsunspor ohne Groll, aber mit dem Gefühl, seinen Job gemacht und seine Trainerkarriere um ein weiteres, spannendes Kapitel erweitert zu haben.



