WM 2026: Torhüter wie Vozinha, Room und Mpasi stehlen Offensivstars die Show
Torhüter stehlen bei WM 2026 die Show

Weltmeisterschaften sind die perfekte Bühne, um mit Traumtoren auf sich aufmerksam zu machen oder als No-Name ins Blickfeld internationaler Topklubs zu rücken. Doch bei der diesjährigen WM in den USA, Kanada und Mexiko haben nicht die Offensivstars die bemerkenswertesten Geschichten erzählt, sondern diejenigen, die Tore verhindern: die Torhüter. Fünf Keeper aus kleineren Fußballnationen haben das Turnier zu ihrem gemacht – mit Rekorden, Heldentaten und unerwartetem Ruhm.

Lionel Mpasi: Rekordparaden trotz Niederlage

Lionel Mpasi von der DR Kongo schrieb bei dieser WM Geschichte – nicht wegen einer Flugeinlage, sondern weil er im Spiel gegen Kolumbien in den ersten 20 Minuten gleich fünf Torschüsse parierte. Das war zuletzt bei der WM 1998 in Frankreich der Fall. Insgesamt hielt der 31-Jährige acht Bälle, dennoch verlor sein Team mit 0:1. Dank des Unentschiedens gegen Portugal (0:0), bei dem Mpasi nur zweimal eingreifen musste, und des ersten WM-Punktgewinns überhaupt hat die kongolesische Mannschaft jedoch alle Chancen auf ein Weiterkommen. Zum Abschluss der Vorrunde trifft DR Kongo auf Usbekistan. Mpasi, der beim französischen Erstligisten Le Havre nur die Nummer zwei ist, könnte sein Team ins Achtelfinale führen.

Eloy Room: 15 Paraden in 90 Minuten – WM-Rekord

Eloy Room von Curaçao hält einen beeindruckenden Rekord: Beim 0:0 gegen Ecuador parierte der 37-Jährige 15 Schüsse in 90 Minuten – so viele wie kein Torhüter seit Beginn der Datenerfassung 1966 in einem WM-Spiel. Die Bestmarke für Paraden in einem WM-Spiel hält zwar Tim Howard (USA) mit 16 Paraden in 120 Minuten (2014 gegen Belgien), aber Rooms Leistung war dennoch außergewöhnlich. „Für mich als Torwart war es fast das perfekte Spiel. Ich denke, ich verdiene jetzt eine Statue in Curaçao“, scherzte Room, der nach einem halben Jahr ohne Verein im Januar zu Miami FC in die zweite US-Liga wechselte, um Spielpraxis für die WM zu sammeln. Room hatte bereits im März 2023 für Schlagzeilen gesorgt, als Lionel Messi nach einem Spiel gegen Curaçao sein Trikot forderte – obwohl Messi zuvor einen Hattrick erzielt hatte. Ob Messi nur wegen Rooms Leistung das Trikot wollte, ist nicht überliefert.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Manuel Neuer und die Altersdebatte

Manuel Neuer, mit 40 Jahren immer noch im DFB-Tor, sorgt ebenfalls für Gesprächsstoff. Nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador wird diskutiert, ob er den zweiten Gegentreffer mit der Reaktionsschnelligkeit früherer Tage hätte verhindern können. Dabei ist Neuer nicht einmal der älteste Keeper des Turniers. Sollte Schottlands Craig Gordon zum Einsatz kommen, würde er in der Liste der ältesten WM-Spieler an Faryd Mondragón vorbeiziehen. Nur der Ägypter Essam El-Hadary, der bei der WM 2018 im Alter von 45 Jahren und 161 Tagen spielte, wäre dann noch älter. Für Aufsehen sorgte auch Mexikos Guillermo Ochoa: Der 40-jährige Torhüter wurde beim 3:0-Sieg gegen Tschechien in der 78. Minute eingewechselt und erhielt Standing Ovations im Aztekenstadion. Nationaltrainer Javier Aguirre lobte: „Memo musste unbedingt spielen. Er steht früh auf, geht ins Fitnessstudio, gibt nie auf und motiviert seine Teamkollegen. Er ist wirklich besser als je zuvor.“

Alireza Beiranvand: Die beste Parade des Turniers

Eine Bewerbung für die spektakulärste Parade dieser WM lieferte Alireza Beiranvand aus dem Iran. In der 59. Minute des Spiels gegen Belgien zog Maxim De Cuyper aus kürzester Distanz ab, während Beiranvand bereits am Boden lag. Doch der Torhüter streckte geistesgegenwärtig die linke Hand aus und rettete dem Iran spektakulär einen Punkt – das Spiel endete 0:0. Beiranvand, der bereits bei der WM 2018 mit Paraden gegen Portugal und Spanien glänzte, bewies erneut seine Klasse.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Vozinha: Vom No-Name zum Internetstar mit 16,6 Millionen Followern

Die wohl schönste Heldengeschichte schrieb Josimar Dias, genannt Vozinha, der Torhüter von Kap Verde. Beim Auftaktspiel gegen Spanien legte er mit einer Parade nach der anderen den Grundstein für das überraschende 0:0 gegen den Europameister von 2024. Dieses Ergebnis ebnete Kap Verde den Weg ins Achtelfinale – eine Sensation für den zweitkleinsten WM-Teilnehmer. Über Nacht wurde Vozinha zum Internetstar: Ein Aufruf des brasilianischen Senders Caze TV in der Halbzeitpause, ihm auf Instagram zu folgen, ließ seine Followerzahl explodieren. Das Ziel von 100.000 Followern war bereits nach einer Minute erreicht; eine halbe Stunde nach Abpfiff hatte er über 1,5 Millionen. Mittlerweile zählt er 16,6 Millionen Follower – knapp zwei Millionen mehr als Manuel Neuer. Vor dem Turnier hatte er lediglich rund 57.000 Follower.

Die rührendste Geschichte betrifft jedoch seine Mutter: Wegen Visaproblemen konnte sie nicht zum Spiel gegen Spanien anreisen. „Sie konnte heute nicht hier sein, weil wir die Kaution für das Visum nicht rechtzeitig zahlen konnten“, erklärte Vozinha. Die US-Regierung verlangt von Bürgern bestimmter Staaten, darunter Kap Verde, eine Kaution zwischen 5.000 und 15.000 Dollar. Dank der Hilfe des US-Außenministeriums konnte seine Mutter zum zweiten Spiel gegen Uruguay nachreisen und sah ein weiteres Unentschieden (0:0). Vozinha ist mittlerweile ein Volksheld.

Fazit: Torhüter als Helden einer ganzen Nation

Ob Mpasi, Room, Beiranvand oder Vozinha – sie alle haben bewiesen, dass ein Torhüter eine ganze Nation tragen kann. Traditionell vergibt die FIFA den Goldenen Handschuh an einen Keeper einer Nation, die lange im Turnier bleibt. Für Kap Verde oder die DR Kongo erscheint das unrealistisch, aber ausgeschlossen ist es nicht. Schließlich sind einige Torhüter bei dieser WM bereits über sich hinausgewachsen.