Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow (Landkreis Rostock) hat ein Fallanalytiker am Freitag vor dem Landgericht Rostock neue Details bekannt gegeben. Nach seiner Analyse handelt es sich bei der Tötung um eine geplante Tat. Die Tatperson habe gewusst, wo sich der Junge am Tattag befand, und habe die Situation ausgenutzt. „Wir gehen davon aus und halten es für wahrscheinlich, dass der Junge arglos war“, sagte der Sachverständige. Fabian soll demnach nicht geahnt haben, was mit ihm geschieht.
Indizien verdichten sich gegen Stiefmutter Gina H.
Die Angeklagte Gina H., die 30-jährige Stiefmutter des Jungen, schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Allerdings hat ihr Anwalt angekündigt, dass sie nach der Sommerpause am 6. August aussagen werde. Sie wolle sich dann „allgemein äußern“, so der Anwalt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Fallanalyse hat mehrere Merkmale eines Täterprofils ergeben, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft alle auf Gina H. zutreffen. Demnach habe die Tatperson eine direkte persönliche Beziehung zu Fabian gehabt, sei aus der Region gestammt und habe am Tattag über ein Fahrzeug verfügt.
Motiv: Beziehungsprobleme mit dem Vater
Als mögliches Motiv nennen Staatsanwaltschaft und Fallanalytiker Beziehungsprobleme zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R. Die Stiefmutter soll die „vage Hoffnung“ gehabt haben, dass der Vater zu ihr zurückkehre, wenn sein Sohn nicht mehr lebe. Das Paar war zwischenzeitlich getrennt, ist heute aber wieder zusammen. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer „heimtückischen“ Tötung aus „niedrigen Beweggründen“. Der Fallanalytiker bestätigte, dass es sich mit „hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ um eine Beziehungstat mit persönlichem Motiv handelt.
Brutalität der Tat: Sechs Messerstiche und Brand
Ein Gutachten hatte ergeben, dass Fabian mit sechs Messerstichen getötet wurde. Der Fallanalytiker betonte: „Wenn ich einen Menschen umbringen möchte oder muss, hätten ein bis zwei Stiche ausgereicht.“ Das Verbrennen der Leiche deute darauf hin, dass „mehr gemacht wurde, als nur einen Jungen zu töten“. Auffällig sei, dass Gesicht und rechte Hand des Jungen vom Brand weitgehend verschont blieben. „Das Gesicht ist der menschlichste Teil des Körpers“, erklärte der Experte. Dies könne auf Hemmungen bei der Inbrandsetzung hindeuten, was wiederum eine persönliche Bindung zeige.
Tatort in Klein Upahl: Täter kannte Örtlichkeit
Der Tatort, ein Tümpel bei Klein Upahl, war nach Einschätzung des Fallanalytikers der Täterin bereits bekannt. Es habe mehrere abgelegene Stellen auf dem Weg zur sogenannten „Schweinekuhle“ gegeben, aber die Wahl genau dieses Ortes zeige Ortskenntnis. Auch das Team berücksichtigte ein Foto einer Zeugin, das ein Feuer am Auffindort der Leiche zeigt. Der Analytiker war sich sicher: „Wir sehen hier den Jungen brennend liegen.“
Prozess wird fortgesetzt
Der Mordprozess wird am 1. Juli 2026 fortgesetzt. Dann sollen eine Gerichtshelferin, die Tierärztin von Gina H., vier Bekannte der Angeklagten, ihr ehemaliger Arbeitgeber und der Arbeitgeber von Fabians Vater gehört werden. Am 2. Juli folgen fünf weitere Bekannte und Nachbarn. Weitere Termine sind für den 7. und 9. Juli angesetzt, bevor eine Sommerpause bis August und September eingelegt wird.



