Der Eichenprozessionsspinner, die Nervensäge des Sommers, hat es auf die Weltbühne geschafft. Deutschland kämpfe mit einem aggressiven „Outbreak“ giftiger Raupen, heißt es seit Dienstag auf der Website des Nachrichtensenders CNN aus Georgia. Der Begriff „Outbreak“ erinnert an dystopische Szenarien aus der kalifornischen Filmindustrie – ein verpuppter Schmetterling als lautloser Killer?
CNN berichtet aus Spandau und Jungfernheide
CNN fühlt sich bei seinem Streifzug durch Berlin an Tatorte von Kriminalfällen erinnert, überall rot-weißes Flatterband, das die Menschen fernhalten soll. Aus dem „western district of Spandau“ und dem „second-largest park“ der Stadt, der Jungfernheide, wird so selbstverständlich berichtet wie seit Mauerzeiten nicht mehr. Zu weltnachrichtlichen Ehren kommen auch der Wildtierexperte des Senats, Derk Ehlert, und Britta Wunderwald, die in privater Initiative eine Online-Karte zum Vorkommen des Spinners mit den fiesen Härchen erstellt hat.
Ein Geheimprojekt des Senats?
Was niemand weiß: Der Siegeszug der Giftraupen ist ein lange vorbereitetes Geheimprojekt des Berliner Senats. Vor 20 Jahren kannte kein Mensch diese Viecher. Dann aber – es war 2009 – heuerte Burkhard Kieker als Tourismus-Chef bei „Visit Berlin“ an. Die Stadt als Stadt der Freiheit und Weltoffenheit, für Mensch und Tier, zu kultivieren, wurde seine Mission. Kein Billig-Tourismus mehr, eher CNN-Publikum.
2017 etablierte die damalige Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, natürlich eine Grüne, mit ihm ein neues Tourismuskonzept. Nicht mehr nur die Hotspots im Zentrum standen im Mittelpunkt. Auch an den Stadtrand sollte es die Gäste der Stadt ziehen. Der „western district of Spandau“ bekam sogar seinen eigenen Tourismusbeauftragten.
Corona-Pause und Kiekers Erfolg
Corona machte alle Anstrengungen erst mal zunichte. Die Besucherzahlen brachen ein, die internationalen Gäste kamen nicht so schnell wieder zurück. Doch Kieker, überzeugt vom wilden Berlin, wusste, dass der Eichenprozessionsspinner am Ende nicht aufzuhalten sein würde. In diesem Jahr machten seine Raupen die Berliner wahnsinnig und die Welt wieder verrückt nach Berlin. Am Montagabend wurde Kieker nach 17 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Mission accomplished.



