Das WM-Gruppenspiel zwischen Iran und Ägypten (1:1) in Seattle sorgte weltweit für Aufsehen. Bereits Monate zuvor war die Partie zum offiziellen „Pride Match“ erklärt worden, da in Seattle am letzten Juni-Wochenende traditionell ein großes Festival der LGBTQ+-Community stattfindet. Regenbogenflaggen waren im Stadion erlaubt, und tatsächlich waren einige Pride-Fahnen zwischen iranischen und ägyptischen Flaggen auf den Rängen zu sehen.
Kontroverse um Pride-Bezüge
Die Bezeichnung als „Pride Match“ ist brisant, da Homosexualität in beiden Ländern gesellschaftlich und rechtlich verfolgt wird. Beide Verbände protestierten gegen die Bezeichnung und forderten die FIFA auf, Pride-Bezüge und Regenbogensymbole zu untersagen. Der Weltverband blieb jedoch hart und erlaubte die Symbole.
Tröten-Zoff auf der Tribüne
Ende der ersten Halbzeit kam es zu Unruhen auf der Tribüne: Ordner konfiszierten eine Tröte von ägyptischen Fans. Die Anhänger waren erzürnt und beschwerten sich über iranische Fans im Nebenblock, die ebenfalls ein Blas-Instrument nutzten. Auch dort griffen Ordner ein. Abgesehen von diesem Tröten-Zoff blieb es ruhig. Hintergrund: Vuvuzelas und andere Tröten wurden von der FIFA bei der WM verboten, ebenso wie Pfeifen oder Laserpointer.
Proteste vor dem Stadion
Bereits vor dem Spiel kam es rund um die Seattle Arena zu Spannungen, jedoch nicht wegen des „Pride Matches“. Auf den Straßen protestierten iranische Regime-Gegner gegen die Regierung ihres Landes und gegen die FIFA, die den Iran trotz Gräueltaten an der eigenen Bevölkerung an der WM teilnehmen lässt. Am Nachmittag fand ein Marsch mit rund 200 Teilnehmern statt, die wiederholt „Die FIFA ist eine Schande“ skandierten.
Vereinzelt gab es Rangeleien zwischen Regime-Gegnern und -Befürwortern. Diese sind leicht zu unterscheiden: Wer für die Regierung ist, trägt die offizielle Flagge des Landes. Wer das Regime stürzen und einen demokratischen Iran will, trägt eine Flagge mit denselben Farben, aber mit Löwe und Sonne in der Mitte.
Störversuche und Polizeieinsatz
Auf einem Platz unweit des Stadions fand eine kleine Demonstration von Regime-Gegnern statt. Eine Gruppe von fünf jungen Männern mit Palästinenser-Flaggen versuchte, die Kundgebung zu stören und provozierte die Teilnehmer. Die Polizei musste eingreifen. Zu Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der Pride-Bewegung kam es nicht. Bis auf zwei Stände in Laufweite des Stadions, die Regenbogen-Flaggen und -Schals verteilten, waren sie kaum präsent. Ein Organisator hatte zuvor gesagt, man wolle niemanden provozieren.
Flitzer in der Nachspielzeit
In der Nachspielzeit sorgte ein Flitzer für Aufregung: Als die Iraner nach einem Tor jubelten, das kurz darauf wegen Abseits aberkannt wurde, rannte ein Mann auf das Feld. Vier Ordner stürzten sich sofort auf ihn und brachten ihn aus dem Innenraum.
Durch das 1:1 kommt Ägypten als Zweiter hinter Belgien (5:1 gegen Neuseeland) weiter. Nächster Gegner ist Australien in der K.o.-Runde.



