Mauricio Pochettino steht dieser Tage nicht nur als Nationaltrainer des US-Teams im Fokus. Zwischen dem Sieg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) und dem Achtelfinale gegen Belgien am Dienstagmorgen deutscher Zeit (2 Uhr, ARD und Magenta TV) wechselte er kurzfristig die Sportart. Beim Spiel in der Major League Baseball zwischen den Seattle Mariners und den Toronto Blue Jays warf er den symbolträchtigen First Pitch und wirkte dabei sehr überzeugend.
Pochettino lässt US-Team nach seinem Drehbuch spielen
Bislang trifft das auch auf sein Team zu. Bis auf ein 2:3 gegen die Türkei in der Gruppenphase, als es für die USA um nichts mehr ging, spielt der WM-Gastgeber überzeugend bei diesem Turnier. „Mauricio Pochettino hat das US-Team bei dieser WM ganz nach seinem Drehbuch spielen lassen“, fasste „Sports Illustrated“ den K.-o.-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina zusammen. Nachdem Pochettinos Stil bei seinen letzten Trainerstationen FC Chelsea und Paris St. Germain nicht mehr fruchtete wie einst bei Tottenham Hotspur, feiert er derzeit ein viel beachtetes Comeback.
Das Sport-Magazin verweist auf den Intensitätssprung, seitdem Pochettino das Team 2024 übernommen hat. In der Gruppenphase 2026 pressten laut der Statistiken von Opta nur Spanien und Deutschland aggressiver als die USA. Hervorgehoben wird auch, wie das Team auf den Platzverweis von Folarin Balogun gegen Bosnien-Herzegowina reagierte, der gegen Belgien eigentlich gefehlt hätte. Allerdings wurde die Sperre nach einem Anruf zwischen Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump aufgehoben.
Politische Einmischung und diplomatisches Geschick
Diese Rote Karte im Sechzehntelfinale nach einem Tritt gegen Tarik Muharemovic, die nach Überprüfung des Video Assistant Referees erteilt wurde, hatte nicht nur bei Pochettino und seinem Team für Unverständnis gesorgt. „Sie sind beschissen behandelt worden“, hatte US-Außenminister Marco Rubio im Presseraum des Weißen Hauses geantwortet, als er unmittelbar danach auf diesen Vorfall angesprochen wurde. Trump sah es genauso. „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt“, kommentierte er auf seinem Netzwerk Truth Social den Austausch mit Infantino und die Aufhebung der Sperre.
Das US-Team bei einer Heim-WM unter den aktuellen politischen Begebenheiten zu betreuen, verlangt ohnehin jede Menge diplomatisches Geschick vom Nationaltrainer. Neben dem Aufschwung auf dem Platz, dem wohl wichtigsten Argument, hat Pochettino einen Weg gefunden, um in dieser besonderen Rolle wenig Nebengeräusche zu erzeugen. Pochettino ist Argentinier, und das betont er auch bei jeder Gelegenheit. „Ich repräsentiere die USA nur durch den Sport“, hatte er vor dem Turnier gesagt, „dafür werde ich bezahlt.“ Anders als zum Beispiel Carlo Ancelotti, der als Italiener die brasilianische Hymne schmettert, singt er nicht mit, wenn „The Star-Spangled Banner“ bei Auftritten des US-Teams ertönt.
Pochettino singt bei „Country Roads“ mit
Anders sieht es bei „Take Me Home, Country Roads“ aus. Als die Fans den Achtelfinaleinzug mit diesem musikalischen Kulturgut von John Denver untermalten, stimmte Pochettino mit ein. „Als dieses Lied im Stadion erklang, war es unmöglich, nicht mitzusingen“, sagte er. „Es ist ein fantastisches Lied, sehr emotional, besonders nach einem Sieg.“
Trump hält sich insgesamt bislang auffällig fern von diesem Turnier, wenn er eben nicht mit Infantino telefoniert oder Statements absetzt. Was wohl weniger damit zu tun hat, dass er kein Fußballfan ist, als mit der Befürchtung, wie zuletzt bei Sportveranstaltungen ausgebuht zu werden. Mit Pochettinos Team steht er dennoch in Kontakt. Nach dem überzeugenden 4:1 zum Auftakt gegen den späteren Deutschland-Schreck Paraguay rief er in der Kabine an. „Ich muss einfach sagen, Sie sind ein fantastischer Typ, ein fantastischer Trainer“, lobte Trump den Trainer. „Ihre Bilanz und Ihre Erfolge sprechen für sich, und ich weiß, wie großartig die Spieler sind.“
Pochettino glaubt an den amerikanischen Traum
Gepunktet hatte Pochettino auch bei einem kurzen Austausch am Rande der Gruppenauslosung im Dezember. „Er fragte mich: ‚Was denken Sie, Trainer? Können Sie die Weltmeisterschaft gewinnen?‘“, erzählte Pochettino. „Ich sagte: ‚Natürlich, Herr Präsident.‘ Denn es sind die USA. Der amerikanische Traum ist da. In der amerikanischen Kultur geht es darum, der Erste zu sein, die Nummer eins zu sein. Als wir die Herausforderung angenommen haben, dorthin zu fahren, dann, weil wir wirklich daran glauben, dass wir gewinnen können.“
Gegen Belgien sind die USA nicht der Außenseiter, wie man es vermuten könnte – zumal Balogun überraschend mitwirken darf. Während Pochettinos Team sehr geschlossen wirkt, kam es bei den Roten Teufeln im Sechzehntelfinale gegen Senegal (3:2) zu Meinungsverschiedenheiten auf dem Platz. Überhaupt ist das Verhältnis einiger Spieler angespannt. Und so könnte Pochettino weiterhin im Rampenlicht stehen. Auch wenn er vorerst nicht mehr als Pitcher zum Einsatz kommen wird.



