Tuchel unter Beschuss: Englands historische Niederlage gegen Japan entfacht Kritiksturm
Tuchel unter Beschuss nach Englands Niederlage gegen Japan

Tuchel im Sturm der Kritik nach historischer England-Pleite

Thomas Tuchel muss mit der englischen Nationalmannschaft eine historische Niederlage verkraften – und sich anschließend einem wahren Medienfeuerwerk stellen. Die 0:1-Heimniederlage im Testspiel gegen Japan wenige Monate vor der Fußball-Weltmeisterschaft hat in England die Alarmglocken schrillen lassen.

„Tuchel hat Englands Seele geraubt“

Besonders drastisch formulierte The Telegraph die Enttäuschung: „Tuchel hat Englands Seele geraubt. Diese verdiente Demütigung durch Japan hat sich für leidende Fans wie ein Senfkuchen ins Gesicht angefühlt.“ Das Blatt kritisierte die Vorstellung der Three Lions als bestenfalls von der „Finesse eines tonlosen Slapstick-Films“ geprägt.

Vor allem offensiv machte Tuchels Team beim historischen 0:1 – nie zuvor hatte England gegen eine asiatische Mannschaft verloren – einen trostlosen Eindruck. Der deutsche Trainer räumte dies selbst ein: „Ich bin zwar kein großer Fan davon, über einzelne Spieler zu sprechen, aber wenn wir Offensivspieler aufstellen, erwarten wir natürlich auch offensive Aktionen“, sagte Tuchel mit Blick auf die Angreifer Phil Foden und Cole Palmer.

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Fehlende Stammspieler und taktische Fragen

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Mit Harry Kane fehlte der prominenteste Leistungsträger nach einem kurzfristigen Ausfall. The Athletic brachte das Problem auf den Punkt: „Thomas Tuchels WM-Formel? England minus Harry Kane = Desaster.“ Das US-Portal stellte fest: „Wenn Harry Kane für England spielt, sind sie gut. Wenn Kane fehlt, sind sie es nicht.“

Tuchel selbst äußerte dazu: „Mit Kane ist schließlich auch der FC Bayern besser, das ist geradezu normal.“ Dennoch sprach der Mirror von einem „brutalen Realitäts-Check und einem Weckruf“ – für die Fans, aber eben auch für den Nationaltrainer. Dessen Offensiv-Experiment mit Foden und Palmer wurde als praktisch gescheitert dargestellt.

Die Ausländer-Debatte und der WM-Druck

Nicht unerwähnt bleiben sollte: Tuchel wurde als Ausländer im stolzen Fußballland England von Beginn an nicht nur mit offenen Armen empfangen. Die Daily Mail schreibt: „Thomas Tuchel läuft die Zeit davon, um seine Magie zu entfalten. Sein englisches Team tappt auf der Suche nach der Formel immer noch im Dunkeln herum.“

England gehört eigentlich zum erweiterten Kreis der WM-Favoriten, nicht zuletzt wegen seines prominent besetzten Kaders. Nach dem „lethargischen Auftritt“ werde man dieser Rolle „nicht mal im Ansatz“ gerecht, so die Mail.

Identitätskrise und Tuchels Reaktion

The Guardian sprach England Wille, Intensität und sogar Identität ab: „Japan spielte wie Japan. England hingegen spielte nach der neuesten Vorstellung davon, wie auch immer England eigentlich spielen soll.“ Elegant formuliert hieß es weiter: England sei immer dann am besten, wenn es „als Pragmatiker in geliehenen taktischen Gewändern auftritt und als Mannschaft, die ihre Grenzen kennt.“

Tuchel wollte die Diskussion über mögliche Identitätsprobleme jedoch im Keim ersticken: „Ich möchte mich nicht auf diese Diskussion einlassen, denn ich denke, es ist ganz klar, was wir erreichen wollen und wie wir spielen wollen, und ich konzentriere mich lieber auf die Grundsätze, auf das Handeln, auf das Denken und darauf, was das bedeutet“, sagte der Coach gegenüber ITV.

Das Dasein als englischer Nationalspieler bringe nun einmal Druck mit sich. Man könnte ergänzen: Und Niederlagen in trostlosen Testspielen nun einmal besorgte Schlagzeilen. Die WM-Vorbereitung von Tuchel und seinem Team steht damit unter keinem guten Stern, auch wenn von einer handfesten Krise noch nicht gesprochen werden kann.

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