WM-Boykott droht: UEFA stellt sich gegen Infantinos Investorenplan
UEFA droht mit WM-Boykott gegen Infantino

Am Donnerstagnachmittag hat die UEFA die Eskalation gewählt: Alle 55 Mitgliedsverbände des europäischen Fußballverbandes drohen, sämtliche Turniere der FIFA zu boykottieren, sollte Weltverbandspräsident Gianni Infantino seinen Plan für den Einstieg privater Investoren nicht beerdigen. In einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme hieß es: „Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.“

Die Worte richteten sich direkt gegen Infantinos Vorhaben, einen Teil der kommerziellen Rechte an der Klub-WM und der Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen. Unterstützung erhielten die Europäer am Abend vom nord- und mittelamerikanischen Verband CONCACAF, der 41 Mitglieder umfasst. Zwar sprach CONCACAF nicht ausdrücklich von einem Boykott, doch die Ablehnung ist unmissverständlich: Insgesamt stellen sich nun 96 von 211 FIFA-Verbänden gegen den Plan.

Schwere Vorwürfe aus Nordamerika

Die CONCACAF begründete ihre Haltung mit „tiefer Besorgnis über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“ im Zusammenhang mit dem Vorschlag. Kritisiert werden die künstlich knapp gesetzte Frist sowie das Fehlen einer Prüfung oder Genehmigung durch die zuständigen FIFA-Führungsgremien. Darüber hinaus stellte der Verband infrage, „weshalb überhaupt eine Finanzierung durch Private-Equity-Investoren erforderlich sein“ solle – ausgerechnet nach der finanziell erfolgreichsten FIFA-Weltmeisterschaft der Geschichte.

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Damit steht der Weltfußball vor einer historischen Spaltung. Eine WM ohne Kylian Mbappé, ohne Lamine Yamal oder Harry Kane wäre für Milliarden Fans kaum noch als das „Filetstück“ des Sports zu erkennen. Für Infantino wäre ein solcher Boykott ein Schlag in die Magengrube – zumal der geplante Investor aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump stammt: Joshua Kushner, Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, soll das milliardenschwere Vorhaben finanzieren.

Der Streit um Trump und die Rote Karte

Die Diskussion um Infantinos Nähe zu Trump schwelt seit Monaten. Erst überreichte der FIFA-Chef dem US-Präsidenten in großer Geste einen Friedenspreis, dann sorgte die Aufhebung der Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun für Empörung. Kritiker warfen Infantino vor, auf Druck Trumps gehandelt zu haben. Der FIFA-Boss zuckte lediglich mit den Schultern. Nun aber hat er sich mit dem Investorenplan endgültig verzockt – der eigene Größenwahn fliegt ihm um die Ohren.

Am Mittwochabend, einen Tag nach Bekanntwerden der Pläne, versuchte der Schweizer die Lage noch unter Kontrolle zu bringen. Er bezeichnete das Projekt als bloße „Idee“, von der keinerlei Verpflichtung ausgehe. Die Verbindung des Investors zu Donald Trump? Für ihn kein Thema. Kritische Punkte, moralische Knackpunkte oder anrüchige Fakten blendet Infantino in seiner Sicht der Dinge gerne aus. Dazu zählt auch, dass er nach seiner Zeit als FIFA-Präsident in der neu gegründeten Tochterfirma FFE weiterhin Macht ausüben könnte – mit einem gigantischen Gehalt.

Afrika zeigt sich offen, FIFA kontert

Doch die Worte verhallten angesichts der Empörung. Lediglich der afrikanische Fußballverband CAF zeigte sich interessiert an dem Angebot. Am Freitag legte die FIFA nach und reagierte harsch: Man stehe zu einem „offenen und demokratischen Konsultationsprozess“, der in den vergangenen Tagen von „fehlerhafter Berichterstattung in den Medien“ gestört worden sei.

Infantino allerdings hat sich eine breite Machtbasis bewahrt. Durch großzügige finanzielle Zuwendungen an kleinere Nationen und die Aufstockung der WM hat er sich viele Verbündete geschaffen. Ohne sein aktuelles Vorgehen hätte er bei der FIFA-Wahl 2027 wohl kaum etwas zu befürchten gehabt. Jetzt aber könnte er den Bogen überspannt haben.

Kampfansage an Infantinos Alleinherrschaft

Die Boykott-Androhung der UEFA ist der bislang mächtigste Versuch, den „Alleinherrscher“ zu stoppen. Bemerkenswert: Infantino hatte nicht einmal das FIFA-Council – dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf angehört – vorab über seine Pläne informiert. Das dürfte die Empörung weiter befeuert haben.

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Im Hintergrund laufen offenbar bereits weitere Schritte. Wie das Magazin „Politico“ berichtet, soll PSG-Boss Nasser al-Khelaifi als Gegenkandidat zu Infantino aufgebaut werden. Das Lager des Katari mauert allerdings: „Nasser hat absolut keinen Ehrgeiz, keine Absicht und kein Interesse an einem Amt bei der FIFA“, hieß es. Er werde weiterhin alle Institutionen des Welt- und europäischen Fußballs diskret unterstützen.

Al-Khelaifi selbst ist umstritten – sein milliardenschweres Projekt bei Paris St. Germain steht für Kommerz und Gigantismus. Doch im Streit um die Super League stellte er sich auf die Seite der UEFA, der Plan platzte schließlich. Ob die europäischen Verbände nun auch gegen Infantino siegen, bleibt offen – die Zeichen stehen zumindest besser als je zuvor.