Usbekistan-Fans feiern trotz Auftaktniederlage gegen Kolumbien
Usbekistan-Fans feiern trotz Niederlage gegen Kolumbien

Usbekistan ist einer der rätselhaftesten Teilnehmer bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Zum Auftakt verlor das Team um Trainer Fabio Cannavaro 1:3 gegen Kolumbien, doch die Fans aus Zentralasien feierten trotzdem ausgelassen.

Eine kleine weiße Insel im kolumbianischen Meer

Nur einige Hundert Menschen saßen hinter dem Tor an der Nordseite des Aztekenstadions. Wer nicht gezielt nach ihnen suchte, hätte sie leicht übersehen können: eine kleine weiße Insel in einem Ozean aus kolumbianischem Gelb. So war es die ganze Woche in Mexiko-Stadt gewesen. Spätestens ab Dienstag hatten die Kolumbianer nicht nur das Stadion, sondern die gesamte Stadt fest im Griff. Jedes Museum, jede Straße und jede Taqueria waren mit Gelb gespickt. Von Usbekistan war hingegen keine Spur zu sehen. Doch sie waren da, mit ihren weißen Chugurmas, ihren grünen Tubeteikas und ihrem Trommler. Trotz der fast 80.000 Kolumbianer um sie herum machten sie ordentlich Lärm. Und trotz der 1:3-Niederlage ihrer Mannschaft waren sie entschlossen, ihren allerersten WM-Auftritt zu genießen.

Stolz auf die Helden

„Ich kann es nicht mit Worten ausdrücken, sondern nur mit Emotionen“, sagte Aziz Mirdjalilov, Mitarbeiter des usbekischen Tourismusministeriums, wenige Stunden vor Anpfiff im Parque Chapultepec. „Wir sind so stolz auf unsere Nationalmannschaft – das sind für uns Helden.“ Mit etwa 4000 Usbekistan-Fans rechnete er optimistisch für den Abend im Aztekenstadion. „Dabei werden es nicht nur Usbeken sein, sondern auch ganz viele Menschen aus unseren Nachbarländern wie Kasachstan, Tadschikistan, Kirgistan oder gar Aserbaidschan.“

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Ein russischer Fan mit Herz für Usbekistan

Einer von ihnen stand nur wenige Meter entfernt: ein Russe namens Viktor, der in Brüssel wohnt und ein Kasachstan-Trikot trug. „Ich habe kein usbekisches Trikot, das war die nächstbeste Option“, sagte er entschuldigend. Doch auch ohne das richtige Trikot war Viktor mit voller Leidenschaft dabei. Er habe Usbekistan schon auf der ganzen Welt im Stadion unterstützt: fünf- oder sechsmal in Katar und einmal sogar in Malaysia, als er noch in Singapur wohnte und sie dort gegen Syrien spielten. „Das war eine der verrücktesten Sachen, die ich je gemacht habe“, sagte der Russe.

Usbekistan: Ein rätselhafter WM-Teilnehmer

Irgendwie passte diese Geschichte. Denn auch für die Verhältnisse dieser WM ist Usbekistan eine etwas rätselhafte Gestalt. Ein eigentlich sehr großes Land, das trotzdem bei den Fußballzwergen wie Curaçao oder Kap Verde eingeordnet wird. Eine Mannschaft, die den meisten Fans völlig unbekannt ist, aber vom italienischen Weltmeister Fabio Cannavaro trainiert wird. Der Star ist der Trainer. Mit etwas Losglück und einer soliden Abwehr um das Manchester-City-Talent Abdukodir Khusanov hatten es die „Weißen Wölfe“ durch die Qualifikation geschafft. Cannavaro kam erst danach und sollte die nötige Erfahrung und das Siegergen für die größte Bühne der Welt mitbringen. Schon vor dem Spiel hatte er betont, dass seine Mannschaft nicht nur dabei sein wollte, sondern tatsächlich mithalten könne.

Kolumbianische Gastfreundschaft und sportliche Härte

Das hatte zunächst keiner den Kolumbianern erzählt, die Usbekistan wie ein liebenswertes Maskottchen bei der WM empfingen. „Uzbekistan Kiss“ stand auf einem Plakat, mit dem ein kolumbianischer Fan vor dem Anpfiff um das Stadion rannte. Der usbekischen Nationalhymne wurde von einigen fast so laut applaudiert wie der eigenen. Irgendwann merkten aber auch die Südamerikaner, dass es hier schwieriger werden könnte als gedacht. Um das Bollwerk kurz vor der Halbzeit zu brechen, brauchte es eine elegante Flanke von Luis Díaz und einen noch eleganteren Abschluss von Daniel Muñoz.

Fayzullayev erzielt Usbekistans erstes WM-Tor

Nach der Pause legten die Usbeken ihre Nervosität ab und zeigten sich ebenbürtig. Mit dem ersten Torschuss des Spiels traf Eldor Shomorudov den Pfosten, bevor Abbosbek Fayzullayev aus kurzer Distanz einköpfte. Für ein paar Minuten wurde das Gelb im Stadion plötzlich blass. Die weiße Insel tobte vor Freude. „Ich habe meinen Spielern in der Pause gesagt, dass sie keine Angst haben sollen“, sagte Cannavaro nach dem Spiel. „Wir mussten den Mut finden, um zu spielen, und die zweite Halbzeit war deutlich besser.“

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Die nächste Sensation blieb aus

Die nächste Sensation dieser WM blieb am Ende trotzdem aus. Nur fünf Minuten nach dem Ausgleich traf Bayern-Star Díaz zum 2:1. Eine halbe Stunde später, am Ende einer fiebrigen Nachspielzeit mit mehreren usbekischen Halbchancen, erlöste Jaminton Campaz Kolumbien mit einem Kopfball. In diesem Moment leuchtete Mexiko-Stadt wieder gelb, das Trommeln der weißen Insel ging im ohrenbetäubenden Lärm des Aztekenstadions unter. Doch die Usbeken waren da gewesen. Übersehen wird sie ab jetzt keiner mehr.