Werder-Boss verteidigt umstrittene Transferentscheidungen
Solch eine tiefgreifende sportliche Krise hat der SV Werder Bremen seit dem bitteren Abstieg im Jahr 2021 nicht mehr durchlebt. Innerhalb von nur drei Monaten sind die Bremer von einem komfortablen achten Tabellenplatz auf den gefährlichen 16. Rang abgestürzt, haben Trainer Horst Steffen entlassen und drohen nun, das Vertrauen ihrer treuen Anhängerschaft vollends zu verspielen. Im Zentrum der anhaltenden Kritik steht Geschäftsführer Clemens Fritz, der als verantwortlicher Leiter des sportlichen Bereichs für zahlreiche Transfer-Fehlschläge verantwortlich gemacht wird.
Filbry nimmt Kollegen öffentlich in Schutz
Klaus Filbry, der 59-jährige Vorstandsvorsitzende des Vereins, nimmt seinen unter Druck stehenden Kollegen nun öffentlich in Schutz. In einem ausführlichen Interview mit der „Deichstube“ äußerte sich der Werder-Boss deutlich: „Natürlich kann man heute im Nachhinein darüber diskutieren, ob es richtig war, Marvin Ducksch ziehen zu lassen, bevor wir einen adäquaten Ersatz gefunden hatten, oder ob die Verpflichtung von Victor Boniface die optimale Lösung darstellte. In dem konkreten Moment, in dem wir diese weitreichenden Entscheidungen getroffen haben, haben wir sie jedoch aus vollster Überzeugung und auf Basis einer fundierten Analyse getroffen.“
Offen bleibt dabei, worin genau diese fundierte Analyse im speziellen Fall von Victor Boniface bestand. Der nigerianische Stürmer kam nach einem nicht bestandenen Medizincheck beim AC Mailand mit erheblichen Knieproblemen und deutlichem Übergewicht nur wenige Stunden vor Schließung des Transferfensters von Bayer Leverkusen an die Weser. Seine bisherige Bilanz bei Werder Bremen ist ernüchternd: 0 Tore in allen Wettbewerben.
Verteidigung der Transferstrategie
Filbry verteidigte das Transfergeschick von Clemens Fritz mit folgenden Worten: „Er hat bereits in der Vergangenheit an der Seite von Frank Baumann eine stabilisierende Rolle im Verein gespielt und war maßgeblich an erfolgreichen Transfers wie der Verpflichtung von Senne Lynen beteiligt. Zudem hat er Karim Coulibaly vom Hamburger SV geholt. Ja, es ist unbestreitbar, dass nicht alle Transfers aufgegangen sind, aber bei Weitem sind auch nicht alle danebengegangen.“ Der als positives Beispiel angeführte Transfer von Senne Lynen zu Werder Bremen erfolgte allerdings bereits im Sommer 2023 und liegt damit sechs Transferperioden zurück.
Der Werder-Boss appellierte weiter an die Gemeinschaft: „Es bringt überhaupt nichts, jetzt reflexartig Köpfe zu fordern. Wir als Verein – und das schließt sowohl interne Strukturen als auch externe Unterstützer ein – dürfen uns in dieser schwierigen Phase nicht selbst zerlegen. Im kommenden Sommer werden wir uns dann konsequent an den sportlichen Ergebnissen messen lassen.“ Spannend bleibt die Frage, was geschehen würde, sollte Werder Bremen tatsächlich zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte – nach 1980 und 2021 – den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten müssen. Beim bislang letzten Abstieg im Jahr 2021 blieben die verantwortlichen Personen im Amt.



