Der WM-Neuling Kap Verde hat für die nächste große Überraschung gesorgt. Nach dem 2:2 (1:2) gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay darf der weiter ungeschlagene Außenseiter auf das Erreichen der K.o.-Phase hoffen. Mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien können die Afrikaner das Weiterkommen aus eigener Kraft perfekt machen. Es wäre die vorläufige Krönung ihres WM-Märchens, das mit dem sensationellen 0:0 gegen Europameister Spanien begonnen hatte.
Kap Verde überrascht Uruguay
Auch im Duell mit Uruguay wuchs der Außenseiter über sich hinaus. Vor 64.003 Zuschauern in Miami brachte Kevin Pina Kap Verde in der 21. Minute mit dem ersten Tor in der WM-Geschichte des Landes in Führung. Der Defensivspieler aus der russischen Liga versenkte einen 25-Meter-Freistoß direkt. Kurz vor der Pause kassierte das neue Lieblingsteam vieler Fußball-Fans zwar zwei Gegentore in nur sieben Minuten: Maxi Araujo (44.) und Agustin Canobbio (45.+6) trafen für die ansonsten sehr einfallslosen und erneut enttäuschenden Südamerikaner. Doch Kap Verdes Team zeigte erneut ein großes Herz: Der drei Minuten vorher eingewechselte Helio Varela nutzte in der 61. Minute eine dramatische Fehlerkette Uruguays. Zunächst spielte Verteidiger Mathias Olivera vom SSC Neapel dem Torschützen den Ball völlig unbedrängt in den Fuß. Dann hatte auch Keeper Fernando Muslera völlig unnötigerweise sein Tor verlassen. Uruguay hat wie Kap Verde zwei Punkte auf dem Konto, muss im letzten Gruppenspiel aber noch gegen Spanien ran.
Deutschland bangt um Schlotterbeck
Am Tag nach dem 2:1 der DFB-Auswahl gegen die Elfenbeinküste gab es noch keine Diagnose der Verletzung von Abwehrspieler Nico Schlotterbeck. Wie schwer die Blessur des Dortmunder Innenverteidigers am linken Fuß ist und welche Konsequenzen ihm für den weiteren WM-Weg drohen, soll erst heute im Team-Quartier in Winston-Salem bekanntgegeben werden. Fest steht, dass Julian Nagelsmann keinen Ersatzmann in sein Aufgebot für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada berufen kann. Sollte Schlotterbeck für den Rest der WM aus Verletzungsgründen ausfallen, müsste der Bundestrainer mit dem vorhandenen Personal auskommen. Der Kader würde sich dann auf 22 Feldspieler und drei Torhüter reduzieren.
Ägypten feiert ersten WM-Endrundensieg
Angeführt von Stürmerstar Mohamed Salah hat Ägypten den ersten Sieg bei einer WM gelandet und damit einen riesigen Schritt in Richtung Sechzehntelfinale gemacht. Beim 3:1 (0:1) gegen Außenseiter Neuseeland in Vancouver steuerte Salah einen Treffer und eine Vorlage zum verdienten Sieg bei. Nach dem frühen Rückstand durch Finn Surman (14. Minute) glich Mostafa Ziko (58.) vor 52.497 Zuschauern zunächst für die Ägypter aus. Danach traf Salah (67.) erst zur Führung und bereitete dann das dritte Tor durch den eingewechselten Trézéguet (82.) vor.
Belgien enttäuscht erneut
Nach einer Nullnummer gegen Iran wartet Belgien weiter auf den ersten Sieg bei diesem Turnier. Vor 70.317 Zuschauern im Los-Angeles-Stadion beendete der Favorit die Partie zu zehnt, nachdem Nathan Ngoy in der 66. Minute wegen einer Notbremse die Rote Karte gesehen hatte. Der 23-Jährige fehlt seinem Team somit im letzten Gruppenspiel gegen Neuseeland. Am Ende konnte sich der WM-Dritte von 2018 bei seinem Torwart Thibaut Courtois bedanken, dass zumindest ein Zähler heraussprang. Der 33-Jährige von Real Madrid vereitelte einige gute Möglichkeiten der Iraner, die wie Belgien zwei Punkte auf dem Konto haben. Nach der Partie kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und dem Ordnungspersonal. Wie der Weltverband FIFA mitteilte, versuchte ein Mann, auf den Rasen zu gelangen. Er wurde von Ordnern aufgehalten und abgeführt. Wie auf Bildern zu sehen ist, trug der Mann ein Shirt mit einem Aufdruck der iranischen Fahne aus der Zeit vor der Islamischen Revolution, die von der FIFA verboten wurde.
„Wir müssen das letzte Spiel als das Spiel unseres Lebens behandeln“, sagte Stürmer Romelu Lukaku nach dem 0:0 gegen Iran. „Wir hatten zwei Gelegenheiten, um zu gewinnen, und haben es nicht getan. Jetzt haben wir noch eine Chance. Die müssen wir ergreifen.“ Torwart Thibaut Courtois gab sich trotz lediglich zwei Punkten aus zwei Spielen zuversichtlich: „Wir wissen, dass im nächsten Spiel viel Druck auf uns lastet. Wir müssen gewinnen und hoffentlich werden wir Erster. Falls nicht, werden wir Zweiter.“



