Fußball-WM 2026: Werbe-Trinkpausen als Dammbruch oder harmlose Neuerung?
WM 2026: Werbe-Trinkpausen - Dammbruch oder harmlos?

Fußball-WM 2026: Die umstrittene Einführung von Werbe-Trinkpausen

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada steht eine tiefgreifende Veränderung bevor: Die Spiele werden künftig in Viertel unterteilt, was für die Fans eine neue Struktur im Spielablauf bedeutet. Im Zentrum der Debatte stehen dabei die sogenannten Werbe-Trinkpausen, die während dieser Unterbrechungen eingeführt werden sollen.

Pro: Der letzte Bollwerk fällt – Fußball unterwirft sich dem Kommerz

Von Felix Alex

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Einschnitte in den traditionellen Fußball. Zunächst sollte die Torlinientechnik den Schiedsrichtern helfen, später erweiterte der Videobeweis das Arsenal, um alles gerechter zu gestalten. Weitere Neuerungen wie Wechselfenster und ähnliche Regeländerungen trennten die Profis immer weiter von der Basis ab. Über Sinn und Unsinn dieser Veränderungen wurde bereits ausführlich diskutiert und geschrieben, doch im Kern verfolgten sie stets einen hehren Ansatz: Sie sollten den Fußball im Grundsatz gerechter machen.

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Mit der Einführung der Werbe-Trinkpausen bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika zerbricht nun jedoch etwas endgültig – und kaum jemand beklagt es. Zum ersten Mal unterwirft sich der Fußball komplett dem Kommerz. Es wird direkt in das Spiel eingegriffen, um noch mehr Geld zu generieren. Nichts anderes ist der Grundgedanke hinter dieser Neuerung.

Es handelt sich keineswegs um eine Nutzung der sich ohnehin ergebenden Trinkpausen-Zeiträume, auch wenn dies den Fans gern so verkauft wird. Nein, die streng geplanten Unterbrechungen dienen nicht dem Wohl der Spieler, sondern existieren bei jeglichem Wetter ausschließlich, um zahlungskräftigen Werbekunden eine Bühne zu bieten – und das mitten im Spiel.

Ab sofort scheint alles egal. Was soll da noch kommen? Die Fußballbranche unterwirft sich damit vollends dem Diktat des Geldes, und die Fans reagieren kaum. Natürlich betrifft es zunächst „nur“ die WM in den USA, Mexiko und Kanada, doch sicher ist dies alles nur der Auftakt, ein Testballon. Wenn die Werbekunden kräftig einsteigen, werden Wettbewerbe wie die Champions League und möglicherweise die nationalen Ligen nachziehen. Dann wird der Aufschrei groß sein, doch dann fehlen die Argumente. Bei der WM hat es auch niemanden gestört, wird es dann heißen.

Darum sollten die Fans am besten jetzt schon auf die Barrikaden gehen. Die Anhänger müssen sich der Schwere dieser „Neuerung“ bewusst sein. Sie verändert das Spiel und wird sicher noch weitere Untaten nach sich ziehen. Denn ab Sommer ist dann ja ohnehin alles egal und den Scheinen unterworfen – mag es den Fußball, wie wir ihn Jahrzehnte kannten, auch direkt verändern.

Contra: Kein großer Eingriff – die Neuerung hält sich in Grenzen

Von Martin Deck

Keine Frage: Noch mehr Unterbrechungen des Spielgeschehens wünscht sich kein Fußballfan – schon gar nicht zu Werbezwecken. Doch ist der Plan der FIFA, bei der WM im Sommer Trinkpausen einzuführen und den Fernsehsendern in diesen Pausen Reklame zu erlauben, bei weitem nicht so schlimm, wie er von Fußballtraditionalisten nun verteufelt wird. Der Eingriff ins Spiel hält sich bei drei Minuten in Grenzen – zumal die Vorgaben der FIFA davon nur 130 Sekunden für Werbung erlauben.

Dass es in der Hitze in weiten Teilen Nordamerikas während der Sommermonate dringend zusätzliche Unterbrechungen braucht, ist nach den Erfahrungen der Club-WM im Vorjahr unumstritten. Und dass die FIFA versucht, aus jeder noch so kleinen Möglichkeit noch mehr Einnahmen zu generieren, ist alles andere als überraschend. Der Ärger der Fans sollte sich also in Grenzen halten.

Ob sie nun den Spielern zusehen, wie diese sich Eisbeutel in den Nacken legen und Energydrinks auf den Rasen spucken, oder die kurze Werbeunterbrechung nutzen, um selbst den Flüssigkeitshaushalt wieder aufzufüllen, dürfte den meisten relativ egal sein – vor allem in Deutschland.

Die meisten Zuschauer hierzulande werden von der Zusatzwerbung nämlich gar nichts mitbekommen. Wer die Spiele der Nationalelf nicht bei MagentaTV verfolgt, sondern in den Öffentlich-Rechtlichen, läuft keine Gefahr, durch die neuen Reklameblöcke irgendwas Entscheidendes zu verpassen. Schließlich verbietet der Rundfunkstaatsvertrag ARD und ZDF Werbung nach 20 Uhr.

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Darum heißt es für alle Fans am Fernseher: Ruhig bleiben und sich über die neuen Möglichkeiten für den Toilettengang oder den Getränkenachschub freuen.