Der aktuelle Modus der Fußball-Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften sorgt für Kritik. 72 Spiele sind nötig, um die 32 Teams für die K.o.-Runde zu ermitteln – ein System, das als intransparent und unfair gilt. Dabei hätte es laut Experten eine einfachere und spannendere Lösung gegeben.
Probleme des aktuellen Modus
Seit Dienstagabend steht fest, dass die Schweiz die Gruppe B gewonnen hat. Doch gegen wen sie im Sechzehntelfinale spielt, ist drei Tage später immer noch unklar. Zudem haben die Schweizer satte zehn Tage Pause zwischen dem letzten Vorrundenspiel und dem ersten K.o.-Spiel, obwohl sie den Spielort Vancouver nicht verlassen müssen. Dies ist eine der Ungereimtheiten des Turniers.
Da acht von zwölf Gruppendritten weiterkommen, wird erst nach dem letzten Vorrundenspiel feststehen, wer weiter ist. Südkoreaner etwa müssen sich eine gefühlte Ewigkeit bereithalten für ein Spiel, von dem sie nicht wissen, ob es überhaupt stattfindet. Teams, die ihr letztes Gruppenspiel später bestreiten, haben zudem den Vorteil, zu wissen, welches Ergebnis nötig ist.
Unfaire Vorteile für manche Teams
Der Gruppensieg lohnt sich nicht für alle Teams gleich. Während einige Gruppensieger auf Gruppenzweite treffen, bekommen andere es „nur“ mit einem drittplatzierten Team zu tun. Gruppenzweite wiederum treffen nicht zwingend auf einen Gruppensieger, sondern mit etwas Glück gegen eine ebenfalls zweiplatzierte Mannschaft. So kommt es zum Duell zwischen Südafrika und Kanada (beide Zweiter), die zusammen zwei Siege aus sechs Vorrundenspielen geholt haben.
Andererseits treffen mit Brasilien und den Niederlanden zwei Gruppensieger auf die zweitplatzierten Japaner beziehungsweise Marokkaner. Diese vier Mannschaften haben insgesamt zwölf WM-Spiele bestritten und sind dabei unbesiegt geblieben. „Der Modus ist intransparent und unfair“, kritisiert der Journalist Jörg Leopold.
Alternativvorschlag: Dreiergruppen und Play-offs
Lange wurde über den Modus diskutiert. Im Raum stand die Idee, mit 16 Dreiergruppen zu spielen, die aber wegen möglicher Mauscheleien und weil manche Nationen nur zwei Spiele gehabt hätten, verworfen wurde. Dabei wäre eine Weiterentwicklung möglich gewesen: Der Gruppenerste erreicht direkt die K.o.-Runde, die Zweiten und Dritten aller Gruppen hätten in einer Play-off-Runde die Gegner der Vorrundensieger ermitteln sollen.
So hätte jedes Team wenigstens drei WM-Spiele bestreiten können, kleinere Nationen wären definitiv in den Genuss eines K.o.-Duells gekommen. Die Topmannschaften wiederum hätten bis zum WM-Titel weiterhin nur sieben Mal spielen müssen, statt wie jetzt achtmal. Insgesamt wären es acht Spiele weniger als aktuell und die Vorrunde hätte mehr Spannung geboten.
Schwachpunkte des Alternativmodus
Natürlich hätte auch dieser Modus einen Schwachpunkt: Wenn der Gruppensieger vor dem finalen Duell in der Dreierkonstellation schon festgestanden hätte, wäre es nur noch um Platz zwei und drei gegangen. Die Fifa hätte dem entgegenwirken können, indem sie die gesetzten Teams von vornherein immer für das zweite und dritte Spiel ansetzt. Aber auch das wäre keine Garantie gewesen.
Die andere Möglichkeit, dass der Sieger des Auftaktspiels am zweiten Vorrundenspieltag immer spielfrei hat, wäre zulasten der Planbarkeit für die Fans gegangen. Andererseits ist das aktuell für die erste K.o.-Runde auch immer ein wenig ein Glücksspiel.
Ausblick: 64 Teams bei der WM 2030?
Die Fifa weiß um die Probleme des aktuellen Modus. Die Chancen, dass der 2030 schon wieder Geschichte ist, stehen nicht schlecht – allerdings aus einem ganz anderen Grund: Längst wird laut über eine Erweiterung auf 64 Mannschaften nachgedacht. So absurd das erscheinen mag, zumindest wäre damit das Thema der Gruppendritten wieder vom Tisch. Es wäre eine Lösung im typischen Infantino-Stil: Groß denken, noch größer abkassieren.



