Seit dem 11. Juni wird die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada auf drei TV-Sendern übertragen. SPORT BILD hat die Höhepunkte und Enttäuschungen der Berichterstattung bewertet.
Top: Müller und Klopp als Dreamteam
Die Spaßmacher der WM sind Thomas Müller (36) und Jürgen Klopp (59), wenn sie mit Moderator Johannes B. Kerner (61) unterwegs sind. Sie frotzeln, analysieren aber auch anschaulich im Detail, etwa wie man Argentinien attackieren müsste: „Die Messi-Seite aktiv nutzen und als Innenverteidiger oder Außenverteidiger immer wieder aktiv an ihm vorbeidribbeln.“ Klopps unglücklicher Seitenhieb auf Julian Nagelsmann (der stelle „noch“ die Startelf auf) brachte Kritik. Gut war Klopps Reaktion danach: „Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können.“
Top: Esther Sedlaczek souverän
Selbst als Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) vor dem Auftaktspiel gegen Curaçao früher als erwartet zum Interview kommt, wirft das die ARD-Moderatorin (40) nicht aus der Bahn. Wenn Nagelsmann, wie nach der Niederlage gegen Ecuador (1:2), unkonkret wird, bleibt sie dran: „Nennen Sie uns wenigstens die wichtigste Erkenntnis?“ Sie ließ nicht einmal ihren Experten Bastian Schweinsteiger (41) vom Haken, ob der nicht ein DFB-Amt übernehmen würde.
Top: Mats Hummels als Klartext-Experte
Der 37-Jährige wurde bei dieser WM zum Klartext-Experten bei MagentaTV. Nach dem Ausscheiden Deutschlands im Sechzehntelfinale gegen Paraguay forderte er einen Umbruch im Team und sagte: „Es fehlt die individuelle Klasse auf den meisten Positionen.“ Außerdem sprach sich Hummels für eine Ablösung von Bundestrainer Nagelsmann aus: „Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern.“
Top: TV-Schiedsrichter als Regel-Experten
Jeder WM-Sender leistet sich inzwischen einen Regel-Experten, der bei strittigen Szenen zugeschaltet wird. Dies sind Thorsten Kinhöfer (58/ZDF), Lutz Wagner (63/ARD) und Patrick Ittrich (47/MagentaTV). Alle drei sind meinungsstark und haben eine hohe Trefferquote bei ihren schnellen Einschätzungen, wenn sie spontan im Spielverlauf zugeschaltet werden. So sind die Regelerklärer ein echter Mehrwert.
Flop: Bastian Schweinsteiger
ARD-Experte Schweinsteiger (41) macht zwar mit seiner lockeren Art Laune. Mal hört man ihn bei Liedern („Live is Life“) mitsingen, dann klatscht er sich mit alten Bekannten ab. Doch seine Nähe nutzt er zu selten, um echte Inside-Infos zu liefern. Zu oft bekommt man Sätze wie: „Die anderen Mannschaften können auch was.“ Seine sehr pauschale Analyse zu afrikanischen Mannschaften („ein bisschen wild“, „vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt“) brachte ihm Kritik ein.
Flop: ZDF-Studio ohne WM-Stimmung
Die Heimat des Zweiten in Berlin verbreitet nur selten echte WM-Stimmung. So lobenswert die Einsparungen an sich sind, als Zuschauer fühlt man sich weit weg vom Geschehen in den Stadien. Stattdessen lauscht man den Analysen einer oft zu vollen Expertenrunde, die von der Couch aus ihre Einschätzungen abgibt. Da alle zu Wort kommen müssen, kommen immer wieder welche zu kurz. So fallen Aussagen oberflächlicher aus. Ein Christoph Kramer (35) kann sich nicht so auszeichnen, wie er das eigentlich drauf hat.
Flop: Trinkpausen als Werbezeit
Die sogenannten Trinkpausen werden von Privatsendern in aller Welt natürlich für Werbung genutzt. Das war erwartbar und ein finanziell lukrativer Nebeneffekt der Fifa-Entscheidung für diese Maßnahme. ARD und ZDF sind gesetzlich eingeschränkt, wie viel Reklame sie ausstrahlen dürfen (20 Minuten pro Tag, nicht sonntags bzw. nach 20 Uhr). So werden oft Sendehinweise gemacht, wenn keine Werbung erlaubt ist. Als Zuschauer fragt man sich, ob diese Zeit nicht für Besseres wie Kurzanalysen genutzt werden kann.
Flop: Bundestrainer-Interview mit falschen Fragen
ZDF-Moderatorin Lili Engels (29) fragte Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) nach dem Ausscheiden gegen Paraguay, wann er sich Gedanken über die Zukunft mache, nachdem dieser gerade gesagt hatte: „Ich stehe zur Verfügung. Wenn der DFB das möchte, dann mache ich die EM 2028.“ Außerdem fragt sie ihn nicht nach Fehlern, die er persönlich gemacht hat, stattdessen hakt sie mehrmals nach, warum es nicht geklappt hat. Nagelsmann: „Spielvortrag war zu langsam. Das habe ich jetzt doch schon dreimal gesagt.“ Sie hakte mutig nach, aber die Fragen passten nicht.



