Berlin - Die Reform der Handball-Champions-League sorgt bei deutschen Spitzenvereinen für Frust. Ab dieser Woche kämpfen der SC Magdeburg und die Füchse Berlin um den Einzug ins Halbfinale der Königsklasse. Doch für die Handball-Bundesliga geht es um weit mehr als nur sportlichen Erfolg. Das Abschneiden der beiden Topclubs beeinflusst maßgeblich die Vergabe der Startplätze für die kommende Saison.
Neue Teilnahmebedingungen sorgen für Verwirrung
Die Europäische Handballföderation (EHF) hatte die Reform bereits im Dezember angekündigt und Mitte April die konkreten Teilnahmebedingungen veröffentlicht. Die Königsklasse wird von 16 auf 24 Teams aufgestockt. Die zehn besten Ligen, darunter die Bundesliga, erhalten einen garantierten Startplatz und können bis zu zwei weitere per Upgrade beantragen. Die EHF betont, dies sei eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu maximal zwei Clubs in den Vorjahren.
Doch die Vereine zeigen sich irritiert. Der Sieger der Champions League sowie der Gewinner der European League sind automatisch für die nächste Saison qualifiziert – unter bestimmten Bedingungen. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, klagte Füchse-Trainer Nicolej Krickau. Vereinsboss Bob Hanning ergänzte: „Man muss sich schon einlesen, und einen gewissen Intellekt braucht man dafür auch, um das zu verstehen. Es gibt keine Planungssicherheit.“
EHF kontert: „Deutsches Luxusproblem“
Die EHF weist die Kritik zurück. Bereits im Dezember sei bekannt gewesen, dass ein Platz für den Champions-League- und European-League-Sieger innerhalb des Kontingents von drei Mannschaften möglich sei. „Die weitere Diskussion ist ein deutsches Luxusproblem, das zum Teil auch von sportlichen Momentaufnahmen getrieben zu sein scheint“, so der Verband.
Gummersbachs Trainer Gudjon Valur Sigurdsson sprach hingegen von einer „schlechten Komödie“ und forderte mehr Klarheit vor Saisonbeginn. Auch Christoph Schindler, Geschäftsführer des VfL Gummersbach, kritisierte die komplizierte Regelung: „Wenn am letzten Spieltag die Sonne scheint, kommt vielleicht auch noch jemand anders rein. Es ist echt verwirrend.“
Drei Szenarien für die Bundesliga
Für Deutschland bedeutet die Reform: Nur der Meister hat einen garantierten Startplatz. Ob weitere Plätze hinzukommen, hängt vom Abschneiden der deutschen Teams in den Europapokal-Wettbewerben ab. Die EHF listet drei mögliche Szenarien auf:
- Szenario 1: Gewinnen die Füchse Berlin die Champions League und der THW Kiel die European League, ohne sich über die Liga zu qualifizieren, erhalten nur die Füchse einen Startplatz. Der deutsche Meister und der Vizemeister könnten ein Upgrade beantragen.
- Szenario 2: Magdeburg wird Meister und gewinnt die Champions League, Kiel wird Vierter und siegt in der European League. Dann wären Magdeburg und Kiel qualifiziert, Gummersbach könnte ein Upgrade beantragen. Berlin ginge leer aus.
- Szenario 3: Berlin fällt in der Liga auf Platz vier zurück, gewinnt aber die Champions League. Dann hätten die Hauptstädter einen Startplatz, während Gummersbach leer ausginge. Magdeburg als Meister und Flensburg als Zweiter wären ebenfalls dabei.
Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi sieht in der Reform einen zusätzlichen Anreiz: „Das ist weiterhin keine Garantie, aber ein zusätzlicher Anreiz, der den Europapokal-Wettbewerb weiter aufwertet.“ SG-Flensburg-Geschäftsführer Holger Glandorf kritisierte hingegen: „Aktuell ist weiterhin viel Rechnerei notwendig.“
Hanning: „Mit Blick auf die sportliche Fairness...“
Füchse-Boss Bob Hanning zeigt Verständnis für die EHF-Kriterien, bemängelt aber die fehlende Planungssicherheit. „Weil sie es schaffen, einem Wettbewerb eine besondere Bedeutung zu geben“, erklärte er. Dass die „stärkste Liga der Welt“ jedoch nicht drei garantierte Startplätze habe, könne er nicht nachvollziehen. „Mit Blick auf die sportliche Fairness tue ich mich schwer bei dem Thema.“
Das Finale der Champions League steigt am 14. Juni – erst dann könnte es Klarheit geben. Bis dahin heißt es für die deutschen Clubs: Daumen drücken und rechnen.



