Deutsche Box-Heldin: Blutiger Triumph und Kampf für Gleichstellung
Als Nina Meinke (33) im Jahr 2024 den Weltmeistertitel im Boxen erkämpfte, war der Sieg von dramatischen Szenen begleitet. In der zweiten Runde ihres Duells gegen Daniela Bermudez (36) erlitt die Berlinerin einen drei Zentimeter langen Cut am Haaransatz, der später mit fünf Stichen genäht werden musste. „Das Blut spritzte überall hin – auf das Shirt meines Trainers, auf meine Gegnerin, den Ringboden, die Ringrichterin“, erinnert sich Meinke. „Es war überall. Erst im Nachhinein sah ich, wie fertig meine beste Freundin war, die weinte. Meine Mutter war komplett aufgelöst, und mein Freund, der eh jedes Mal tausend Tode stirbt, auch.“ Doch die Freude über den WM-Titel war umso intensiver.
„Narben sind wie Schmuck“: Die Spuren des Kampfsports
Ihr Kampfname „The Brave“ – die Mutige – beschreibt Meinke perfekt. Die Spuren ihrer Kämpfe trägt sie mit Stolz: „Die gehören zu mir. Boxen ist mein Leben und hat Risiken“, erklärt die Athletin. „Ich habe meine Narben im Gesicht und an den Händen, die gebrochen waren. Meine Nase hatte früher als Kind einen Hubbel. Der ist jetzt weg. Den hat das Boxen schon korrigiert. Ich fühle mich wohl. Narben sind wie Schmuck und erzählen Geschichten.“
Doppel-WM in Hamburg: Ein besonderer Ringeinsatz
Nun steht Meinke vor einem besonderen Ringeinsatz: An einem Abend mit Schwergewichtsduellen der Männer bestreitet sie am Freitag in Hamburg den Hauptkampf. Es geht gleich um zwei Titel: ihren WM-Gürtel des Verbands IBF und die vakante Krone der IBO im Federgewicht (bis 57,2 Kilogramm). „Es ist cool, dass es eine Doppel-WM wird“, sagt die Berlinerin. „Mit dem IBF-Titel habe ich mir bereits meinen größten Traum erfüllt.“ Hinter der Veranstaltung steht das Management der „Ringside Zone“, das Meinke jetzt vertritt und auf ein neues Bekanntheitslevel heben will.
Gegen Dyana Vargas: Ein Duell der Verrückten
Ihre Gegnerin ist Dyana Vargas (34) aus der Dominikanischen Republik. „Sie ist eine total Verrückte, eine Kämpferin, die nie aufgibt“, beschreibt Meinke. „Wir Boxerinnen haben da alle ein bisschen einen Knall. Sie ist bereit, die zwölfmal drei Minuten zu boxen.“ Die Deutsche gehört zu den wenigen Frauen weltweit, die über die Männer-Kampfdistanz antreten. Bereits ihre beiden WM-Duelle mit Daniela Bermudez gingen über die vollen 36 Minuten – fast doppelt so lang wie die üblichen 20 Minuten im Frauenboxen.
Kampf für Gleichberechtigung: Die Debatte um Kampfdistanzen
Manche Weltverbände wie das WBC sperren sich gegen die Zwölf-Runden-Distanz wegen Sicherheitsbedenken, doch Meinke sieht es anders: „Ich verstehe nicht, warum das WBC das nicht macht. Ich denke, dass es wichtig für das Frauen-Boxen ist, damit wir da vorankommen“, argumentiert sie. „Wir müssen das für die Gleichberechtigung machen. Wenn wir das Gleiche verdienen wollen, müssen wir auch zeigen, dass wir das Gleiche leisten können. Das gesundheitliche Argument kann ich nicht nachvollziehen. Schwergewichtler hauen sich viel härter vor den Kopf.“



