Formel-1-Start in Melbourne: Aston Martin droht Debakel durch gesundheitsgefährdende Vibrationen
Der neue Aston Martin AMR26 erweist sich vor dem ersten Rennen der Formel-1-Saison als gesundheitsgefährdend. Die beiden Fahrer Fernando Alonso und Lance Stroll berichten von erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen durch den Honda-Motor, der ungewöhnlich starke Vibrationen verursacht. Während Alonso von Taubheitsgefühlen an Händen und Füßen spricht, vergleicht Stroll das Fahrgefühl mit einem elektrischen Stuhl.
Honda-Motor als Ursache für massive Probleme
Die Japaner sind erst zu dieser Saison, die einen der größten Reglementeinschnitte in der Formel-1-Geschichte erlebt, als Motorenpartner zu Aston Martin zurückgekehrt. Doch die Zusammenarbeit beginnt katastrophal. Teamchef Adrian Newey, der erfolgreichste Rennwagen-Designer der Formel-1-Historie, räumt ein, dass die antriebsbedingten Vibrationen "einige Probleme hinsichtlich der Zuverlässigkeit" verursachen.
"Rückspiegel fallen ab und so weiter, was wir beheben müssen", erklärte Newey. "Das viel größere Problem ist jedoch, dass sich die Vibrationen letztendlich auf die Finger des Fahrers übertragen werden."
Fahrer können nur begrenzte Runden absolvieren
Die gesundheitlichen Auswirkungen sind so gravierend, dass Alonso nach Angaben von Newey nicht mehr als 25 Runden am Stück fahren könne, "ohne eine dauerhafte Schädigung der Nerven in seinen Händen zu riskieren". Für Stroll, der bei Alonsos Formel-1-Debüt 2001 erst zwei Jahre alt war, liege die Grenze bei nur 15 Runden.
Damit ist die Renndistanz von 58 Runden auf dem Albert Park Circuit in Melbourne für Aston Martin aktuell illusorisch. "Wir werden die Anzahl der Runden, die wir im Rennen fahren, stark einschränken müssen", verordnete Newey. Der Rennwagen sei praktisch verschreibungspflichtig und dürfe nur in homöopathischen Dosen genutzt werden.
Technische Erklärungen für die Vibrationen
Newey erläuterte das technische Problem detailliert: "Man muss bedenken, dass die Antriebseinheit die Quelle der Vibrationen ist, sie ist der Verstärker. Das Chassis ist in diesem Szenario der Empfänger." Das Carbon-Chassis mit seiner von Natur aus steifen Struktur und sehr geringen Dämpfung übertrage die Vibrationen direkt auf die Fahrer.
Zwar habe das Team für das Wochenende in Melbourne eine Lösung entwickelt, die die Vibrationen, die auf die Batterie einwirken, erfolgreich reduziert habe. Doch verschwunden seien die heftigen Schwingungen nicht, was die Fahrer weiterhin heftig zu spüren bekämen.
Testfahrten in Bahrain endeten im Debakel
Bereits die Testfahrten in Bahrain wurden für das ambitionierte Projekt des kanadischen Teambesitzers Lawrence Stroll zum Debakel. Die übermäßigen Vibrationen des Motors beschädigten die Batterieeinheit so stark, dass Aston Martin die Ersatzteile ausgingen. Am Ende mussten Alonso und Stroll länger in der Garage stehen, als sie Runden drehen konnten.
Lance Stroll beschrieb die Situation drastisch: "Es ist eine sehr unangenehme Vibration, die schlecht für den Motor und schlecht für den Menschen im Auto ist. Es ist so, als ob man auf einem elektrischen Stuhl sitzen würde."
Historische Parallelen zu Alonso-Honda-Konflikt
Die aktuellen Probleme haben eine historische Dimension. Als Alonso ab 2015 ein zweites Mal für McLaren fuhr, waren ebenfalls die Japaner Motorenpartner. Damals verlief die Zusammenarbeit so katastrophal, dass der Star-Pilot den Antrieb als "GP2-Motor" verhöhnte und das Klima nachhaltig vergiftete.
Nun wählt Alonso einen diplomatischeren Ansatz: "Wenn wir um den Sieg kämpfen würden, könnten wir auch drei Stunden in dem Auto aushalten", spielte er die Probleme herunter. "Ich habe zu 100 Prozent den Glauben, dass sie die Probleme lösen, weil sie das schon in der Vergangenheit geschafft haben."
Ungewisse Zukunft für Alonso und Aston Martin
Der Spanier weiß jedoch nur zu gut, dass ihm die Zeit davon läuft. Sein Vertrag bei Aston Martin läuft nur noch bis zum Ende der Saison, und seine Zukunft ist ungewiss. Trotz der aktuellen Probleme zeigt sich Alonso optimistisch: "Dieses Team wird die Weltmeisterschaft gewinnen - es ist nur eine Frage der Zeit. Ich werde mit dem Team eine WM gewinnen - früher oder später."
Ob diese Prognose angesichts der gesundheitsgefährdenden Vibrationen und der technischen Probleme realistisch ist, wird sich bereits beim ersten Rennen in Melbourne zeigen müssen. Für Aston Martin beginnt die Saison mit einem medizinischen Notfall, der dringender Behandlung bedarf.



