Formel-1-Star Hamilton: Neustart bei Ferrari nach desaströser Premierensaison
Lewis Hamilton hat eine schonungslose Inventur nach seiner enttäuschenden ersten Saison mit Ferrari vorgenommen. Der Formel-1-Rekordweltmeister bezeichnete das vergangene Jahr sogar als "schlechteste Saison" seiner gesamten Karriere – eine deutliche Aussage für einen Fahrer mit 105 Grand-Prix-Siegen, der erstmals in einem Jahr ohne Podestplatz blieb.
Personelle Veränderungen nach frustrierendem Jahr
Einer der sichtbarsten Unterschiede nach Hamiltons Bestandsaufnahme ist der Wechsel seines Renningenieurs. Riccardo Adami, mit dem der 41-jährige Brite hörbar nicht harmonierte, wurde durch Carlos Santi ersetzt, den früheren Ingenieur von Ferrari-Weltmeister Kimi Räikkönen. Diese Personalie könnte ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Kommunikation innerhalb des Teams sein.
Hamilton verriet: "Ich habe diesen Winter viel Zeit damit verbracht, mich neu aufzubauen, mich neu zu fokussieren und meinen Körper und meinen Geist wirklich in einen viel besseren Zustand zu bringen." Der siebenfache Weltmeister, der sich diese Bestmarke seit 2020 mit Michael Schumacher teilt, betonte: "Ich fühle mich im Allgemeinen so gut wie schon lange nicht mehr, nachdem ich einige Dinge in meinem Team und dann auch am Auto umgestellt habe."
Regeländerungen als Chance für den Neuanfang
Vielleicht werden Hamilton die umfassenden Reglementänderungen in der Formel 1 zugutekommen. Die neuen Autos sind kürzer, schmaler und leichter, während die Motoren zu über 50 Prozent von nachhaltigem Kraftstoff angetrieben werden. Bernie Ecclestone, der frühere Formel-1-Geschäftsführer, zeigte sich optimistisch: "Die neue Formel 1 wird ihm mehr liegen, als sie Max Verstappen liegen wird. Ich glaube, dass Lewis der Sache auf den Grund geht, warum es bisher bei Ferrari nicht funktioniert hat, und die richtigen Schlüsse zieht."
Hamilton selbst hatte die Komplexität des neuen Energiemanagements zunächst kritisiert: "Ich hatte an einem Tag sieben Meetings. Es ist, als bräuchten wir einen Abschluss, um das alles komplett zu verstehen." Doch der Rückblick zeigt: Als die Formel 1 zuletzt eine vergleichbare Regelzäsur erfuhr, nutzten Mercedes und Hamilton diese optimal und dominierten die Hybrid-Ära.
Ferraris technische Innovationen und Hamiltons Bindung zum Auto
Ferrari zeigte sich während der Testfahrten in Bahrain überraschend innovationsfreudig. Ein neuer Flügel auf der Crashstruktur des SF-26 und ein rotierender Heckflügel demonstrierten den technischen Mut der zuletzt eher konservativen Scuderia. Hamilton erklärte den Unterschied zum Vorjahr: "Im vergangenen Jahr waren wir noch an ein Auto gebunden, das ich letztendlich nur geerbt habe. Dieses Auto jetzt habe ich in den letzten acht, zehn Monaten am Simulator mitentwickelt, sodass es ein bisschen wie ein Teil meiner DNA ist."
Ralf Schumacher analysierte Hamiltons Situation: "Er läuft weiter einem gewissen optimalen Bild des Autos hinterher, was man schon im letzten Jahr nicht finden konnte. Mit dem neuen Konzept findet er vielleicht genau diesen Sweet Spot." Der ehemalige Formel-1-Pilot betonte jedoch: "Dass er den Speed nach wie vor hat, ist gar keine Frage."
Der Druck auf Teamchef Vasseur und Hamiltons Zuversicht
Auch Teamchef Fred Vasseur steht unter Druck. Seit Anfang 2023 verantwortet der Franzose das Formel-1-Projekt des chronisch ungeduldigen Rennstalls. Sollte Ferrari in diesem Jahr nicht schnell Erfolge holen, wird sein Posten wackeln. Vasseur versucht dennoch, positiv zu bleiben: "Lasst uns positiv sein und die Reise genießen."
Hamilton selbst zeigt sich entschlossen: "Für einen Moment hatte ich vergessen, wer ich bin", räumte er ein und bezog sich damit auf sein Hadern mit dem störrischen Vorgängerauto und dem Team in der vergangenen Saison. Diese Einstellung werde man bei ihm aber "nicht noch einmal erleben. Ich weiß, was zu tun ist", betonte er mit Nachdruck. Sein abschließendes Versprechen: "Das wird eine verdammt gute Saison."
Ob Hamilton die quälende Durststrecke von Ferrari beenden kann – der letzte Fahrertitel gelang 2007 mit Räikkönen, der letzte Teamtitel 2008 – bleibt die spannende Frage der anstehenden Saison. Die Vorzeichen scheinen jedoch besser als im desaströsen Vorjahr.



