Lewis Hamiltons phänomenale Wiederauferstehung bei Ferrari nach Rücktrittsgedanken
Lewis Hamilton dachte in seinem ersten Jahr bei Ferrari ernsthaft über einen Rücktritt nach. Nun erlebt der siebenfache Weltmeister eine von vielen Experten nicht mehr für möglich gehaltene Wiederauferstehung in der Königsklasse des Motorsports. Die gute Laune war dem Rekordchampion auf dem weißen Sofa bei der Pressekonferenz nach dem Qualifying in China deutlich anzumerken.
Formel 1: Hamilton zurück in der Erfolgsspur
Spürbar genoss der 41-jährige Brite, dass er wieder in der Erfolgsspur angekommen ist. Immer wieder scherzte er mit Kimi Antonelli von Mercedes während der Fragen der Reporter. Hamilton hat allen Grund zur Freude: In Australien fuhr er zum Saisonauftakt auf Rang vier, im Sprint von China raste er als Dritter ins Ziel und legte wenige Stunden später im Qualifying mit Rang vier nach. Damit hat der Routinier eine ausgezeichnete Ausgangslage für das nächste Ausrufezeichen im Rennen am Sonntag.
„Es war ehrlich gesagt sehr tückisch für mich mit dem Wind und gar nicht so leicht. Die letzte Runde war okay, hätte aber auch noch besser sein können“, analysierte Hamilton auf der Pressekonferenz nach der Qualifikation.
Schumacher wollte Hamilton noch in Rente schicken
Dabei waren solche starken Ergebnisse lange Zeit nicht absehbar. Sky-Experte Ralf Schumacher riet Ferrari sogar noch Anfang Dezember dazu, Oliver Bearman vom Kooperationsteam Haas zu holen und Hamilton in den Ruhestand zu schicken. Hamiltons erstes Jahr bei der Scuderia entwickelte sich zu einer großen Enttäuschung: Der siebenmalige Weltmeister fuhr 2025 nur auf Rang sechs in der WM-Wertung und schaffte es nicht ein einziges Mal aufs Podest.
Der Sprint-Sieg ausgerechnet in China blieb ein schwacher Trost. Regelmäßig fuhr ihm Teamkollege Charles Leclerc davon. Im August ließ Hamilton sogar einen Rücktritt möglich erscheinen. Nach dem Rennen in Ungarn meinte er selbstkritisch: „Ich bin nutzlos, absolut nutzlos. Das Team hat kein Problem, denn das Auto steht auf Pole. Also müssen wir wahrscheinlich den Fahrer wechseln.“
Ecclestone riet zum Abschied
Auch sein langjähriger Wegbegleiter Bernie Ecclestone riet ihm zum Abschied vom Motorsport. „Er würde sich selbst betrügen, wenn er weitermacht. Er sollte jetzt aufhören“, erklärte der ehemalige Formel-1-Boss in der Sports Mail deutlich. Doch dann nutzte der Routinier die Saisonpause, um neue Kraft zu tanken und mental zu regenerieren.
Hamilton schließt Rücktritt kategorisch aus
Nach den dreitägigen Testfahrten in Bahrain, die am 20. Februar endeten, meldete sich der siebenmalige Weltmeister mit einer kämpferischen Botschaft in den sozialen Medien zu Wort und kündigte an, auch 2027 weiterzufahren. „Ich bin neu fokussiert und erfrischt. Ich gehe nirgendwo hin, also bleibt bei mir“, verkündete Hamilton selbstbewusst.
Für einen Moment habe er vergessen, wer er sei, doch der Unterstützung seiner Fans werde man diese Denkweise nicht noch einmal sehen, versprach der Champion. Auch Schumacher freut sich inzwischen über Hamiltons Rückkehr zu alter Stärke: „Bei aller Kritik aus dem letzten Jahr, die auch gerechtfertigt war, muss man jetzt sagen, dass er einen tollen Job macht. Jetzt hat er wieder in der letzten Runde Charles Leclerc geschlagen. Das muss man erstmal machen.“
Leclerc spürt neue Angriffslust
Auch Hamiltons Teamkollege Leclerc spürte bereits die neue Angriffslust des Rekordchampions. Im Sprint lieferten sich die beiden Ferrari-Fahrer ein heißes Duell. „Weiß er eigentlich, wie breit die Autos sind, oder nicht?“, funkte der Monegasse über Hamilton an sein Team. „Dann kann er sich über Kurve 3 beschweren, das ist okay.“
Respekt für Nachwuchstalent Antonelli
Nun kann Hamilton zur großen Positiv-Geschichte dieser Formel-1-Saison werden. Doch nach dem Qualifying in China dachte er nicht an Siege oder WM-Titel, sondern an seinen Sitznachbarn auf dem weißen Sofa. „Ich möchte einen großen Glückwunsch an Kimi loswerden. Das ist eine große Leistung”, kommentierte er den Rekord von Antonelli, der als jüngster Pilot jemals auf Pole steht.
„Er hat meinen Platz übernommen und von Beginn an richtig zugeschlagen. Diese Bestmarke wird sehr lange bestehen bleiben.“ Ein kurioses Detail: Sein Debüt in der Formel 1 gab Hamilton einst am 18. März 2007 in Australien für McLaren – da war Antonelli, geboren am 25. August 2006, gerade einmal gut ein halbes Jahr alt.



