Mercedes-Sehnsucht nach alter Dominanz: Ist Russell der WM-Favorit?
Die Formel-1-Saison startet mit einem klaren Signal: Mercedes mischt mit George Russell und dem jungen Kimi Antonelli die Königsklasse des Motorsports auf. Während andere Teams viel kritisieren, läuft es für die Silberpfeile blendend. Half dem Werksteam dabei ein besonderer Trick, um sich an die Spitze zurückzukämpfen?
Russell erstmals an der Formel-1-Spitze
George Russell genießt die Aussicht auf eine Rückkehr zur Mercedes-Dominanz vergangener Tage. „Wir sind hier, um wieder um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, und genau darauf haben wir so hart hingearbeitet“, sagte der WM-Führende der Formel 1. Sein Sieg zum Auftakt in Australien ist für die Silberpfeile nur ein erster kleiner Schritt. Schon am Wochenende in China dürfte klarer werden, ob sich das Werksteam des deutschen Autobauers zum Beginn der neuen Technik-Ära tatsächlich einen großen Vorsprung erarbeitet hat.
„Das ist ein perfekter Start“, sagte der 28-jährige Brite Russell, schob aber gleich hinterher: „Es ist noch sehr früh in der Saison und wir wissen, dass unsere Konkurrenten versuchen werden, den Rückstand schnell aufzuholen.“ In seinem fünften Jahr bei Mercedes führt Russell nun erstmals in der Gesamtwertung. Sein erst 19 Jahre alter Teamkollege Kimi Antonelli aus Italien liegt vor dem Rennen in China direkt dahinter. „Wir müssen wirklich hart arbeiten, um an der Spitze zu bleiben“, sagte Antonelli.
Kritik an Regeländerungen: Russell macht das Fahren „richtig Spaß“
Nach der aktuellen Regelreform sind die Fahrer zu permanentem Batterie-Management aufgerufen. Vollgas fahren können sie nicht mehr komplett, sonst geht ihnen mit den neuen Motoren der Saft aus. Die Aggregate beziehen zu gut 50 Prozent Leistung vom Verbrenner und zu fast 50 Prozent aus der Batterie, die wieder geladen werden muss.
Viel Kritik gab es dafür unter anderem von Weltmeister Lando Norris und Vierfach-Champion Max Verstappen, der lieber immer Vollgas geben will. „Wenn er gewinnen würde, würde er das meiner Meinung nach nicht sagen“, entgegnete Russell McLaren-Fahrer Norris, der ebenfalls die alten Autos vermisst. Nach einem starken letzten Jahr hinkt der britische Traditionsrennstall trotz gleicher Motoren ebenso hinter Mercedes zurück wie Red Bull um Verstappen. „Ich fand es großartig. Ich fand das Rennen richtig spannend und das Auto hat beim Fahren richtig Spaß gemacht“, sagte Russell.
Trickste sich Mercedes an die Spitze zurück?
Schon vor dem ersten Grand Prix hatte es Vorwürfe über angebliche Tricksereien bei Mercedes gegeben. „Uns wurde gesagt, dass das Verdichtungsverhältnis illegal sei, was völliger Blödsinn ist, absoluter Blödsinn“, hatte Teamchef Toto Wolff am Rande der Testfahrten in Bahrain gesagt: „Und jetzt kommt die nächste Geschichte, unser Kraftstoff sei illegal. Ich weiß nicht, wo das herkommt. Vielleicht gibt es morgen etwas anderes.“
Mercedes soll angeblich einen Trick gefunden haben, über das sogenannte Verdichtungsverhältnis mehr Leistung aus dem Motor herauszuholen. Das Mercedes-Aggregat soll die Verdichtung im Rennen auf 18:1 erhöhen, aber gleichzeitig die vom Motorsportweltverband Fia vorgegebene Grenze von 16:1 bei einem Test unter normalen Außentemperaturen einhalten können. Das vermeintliche Schlupfloch wurde nun von der Fia geschlossen, die Kompression wird ab dem 1. Juni in kaltem und heißem Zustand gemessen.
Hamilton möchte Ex-Team einholen: „Nicht unmöglich“
„Wir wissen, dass unsere Konkurrenten uns dicht auf den Fersen sein werden“, sagte Wolff vor dem ersten Sprint-Wochenende der Saison. Bereits am Samstag werden in China acht WM-Punkte im Kurzrennen über 100 Kilometer vergeben, einen Tag später dann 25 für den Grand-Prix-Triumph. Ob Mercedes beide Erfolge einfahren kann?
„Das wichtigste Gefühl ist die große Zufriedenheit, die wir als Team empfinden“, sagte Wolff: „Wir hatten eine so lange Siegesserie mit acht Titeln, dann eine schwierige Phase. Aber nach einem souveränen Doppelerfolg hat man das Gefühl, wieder um den Weltmeistertitel zu kämpfen.“
Vor einem Jahr hatte Ex-Mercedes-Fahrer Hamilton im Ferrari den Sprint in der chinesischen Metropole Shanghai gewonnen und damit erstmals für die Scuderia ganz oben gestanden. Bislang ist es der einzige Triumph für den Rekordweltmeister im legendären roten Renner. „Wir sind nicht so schnell wie Mercedes, aber wir sind voll im Rennen“, sagte der 40-Jährige, der am vergangenen Sonntag Vierter hinter Teamkollege Charles Leclerc geworden war: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um sie einzuholen, aber es ist nicht unmöglich.“



