Überraschungs-Viertelfinalist Jan-Lennard Struff hat den erhofften Wimbledon-Coup gegen Vorjahressieger Jannik Sinner trotz einer weiteren starken Leistung verpasst. Die unerwartete Erfolgsserie des 36-Jährigen ging gegen den italienischen Weltranglisten-Ersten nach drei Sätzen mit einer 5:7, 6:7 (4:7), 3:6-Niederlage zu Ende. Struff forderte den nicht am Limit spielenden Titelfavoriten zwar heraus, für die Sensation und den ersehnten Halbfinaleinzug reichte es jedoch nicht.
Struffs aggressive Taktik fordert Sinner heraus
Der Außenseiter hatte gegen die Nummer eins zunächst Vorteile und war anfangs mit seinem aggressiven Stil der bessere Spieler. Von dem knapp verlorenen ersten Satz und einem Rückstand im zweiten Durchgang ließ sich der älteste Viertelfinal-Debütant eines Grand-Slam-Turniers nicht beeindrucken. Die Chance, den zweiten Satz sogar für sich zu entscheiden, konnte Struff jedoch nicht nutzen: Sinner wehrte den Satzball ab. Am Ende schienen dem Sauerländer die Kräfte zu fehlen, um den Südtiroler noch weiter in Bedrängnis zu bringen. Nach 2 Stunden und 35 Minuten war das Match beendet.
Sinner bleibt im Titelrennen, Djokovic wartet
Trotz hoher Temperaturen um die 30 Grad Celsius blieb Sinner ein Drama wie bei den French Open bisher erspart. Der Vorjahressieger bleibt im Titelrennen. Im Halbfinale von Wimbledon bekommt es der 24-Jährige jetzt mit dem serbischen Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic oder dem Kanadier Felix Auger-Aliassime zu tun. In der Pariser Hitze war der Südtiroler in der zweiten Runde kurz vor dem angestrebten Matchgewinn körperlich eingebrochen und ausgeschieden.
Struffs größter Erfolg trotz Niederlage
Für den Warsteiner Struff ist die Wimbledon-Teilnahme auch ohne den nächsten Schritt ein riesiger Erfolg. Mit Kämpferherz zog der Außenseiter nicht nur erstmals in das Achtelfinale des Rasenturniers ein, sondern übertraf dies noch mit seinem ersten Viertelfinale bei einem der vier wichtigsten Tennis-Turniere. Es war der Lohn für seine Haltung, nie aufzugeben und sich aus sportlichen Tiefs herauszuarbeiten. Dem Wimbledon-Lauf war eine Saison vorausgegangen, in der er keine zwei Matches nacheinander gewonnen hatte.
Lob von Alexander Zverev
„Immer, wenn man denkt, dass er gleich aufhört mit Tennis, kommt immer so ein Turnier, wo der sich für das gesamte nächste Jahr in der Top 100 qualifiziert“, hatte French-Open-Sieger Alexander Zverev gelobt. „Und das liebe ich an Struffi.“ Von Platz 74 wird sich Struff in der Weltrangliste voraussichtlich rund 30 Plätze verbessern.



