Berliner Olympia-Beauftragter sieht erfreuliche Ausgangslage für Bewerbung
Der Berliner Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand blickt mit Optimismus auf die Bewerbung der Hauptstadt für Olympische und Paralympische Spiele. Nach Abschluss umfangreicher Bürgerbeteiligungen zeigt sich der 73-Jährige zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. „Die Kieztouren und das Bürgerforum haben enorm viel qualitativ geliefert“, betonte Niroomand im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Unterstützung erhält er durch eine aktuelle Umfrage, die den Berliner Planern deutlichen Aufwind beschert.
Über 1.400 Hinweise aus der Bevölkerung
Obwohl die Kieztouren mengenmäßig nicht übermäßig viele Teilnehmer anzogen, gingen laut Niroomand dennoch mehr als 1.400 Hinweise, Vorschläge und konträre Meinungen ein. Diese wertvollen Beiträge fließen nun in die sogenannte Bürgercharta für Olympia ein, die am 16. April an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner übergeben werden soll. Die Ende Januar gestarteten Unternehmungen hätten es den Verantwortlichen ermöglicht, „den Berlinern das Thema Olympische und Paralympische Spiele so zu präsentieren, dass sie durchaus die Vorteile der Spiele sehen“, so Niroomand weiter.
Umfrage zeigt deutliche Zustimmung
Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap, die vor zwei Wochen veröffentlicht wurde, liefert wichtige Erkenntnisse. Demnach würden 60 Prozent der Befragten eine Olympia-Bewerbung unterstützen, während 34 Prozent dagegen sind. Für die Organisatoren stellt dies einen wichtigen Zuspruch dar, zumal eine vorherige Umfrage noch ein deutlich negativeres Bild gezeichnet hatte. Klara Schedlich, sportpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen und Kritikerin der Bewerbung, bewertet solche Umfragen jedoch als „noch relativ fluide“, insbesondere weil die Senatskanzlei bisher keine konkreten Angaben zum Investitionsbudget gemacht hat.
Finanztransparenz als zentrale Herausforderung
Eine amtliche Kostenschätzung, die ursprünglich Investitionskosten im hohen einstelligen Milliardenbereich für das Land Berlin prognostizierte, wurde unter dem Hinweis auf „noch keine hinreichend belastbaren Erkenntnisse“ zurückgezogen. Gleichzeitig wurde um eine Fristverlängerung bis zum 29. April gebeten. Niroomand betont die Notwendigkeit von Transparenz bei der Finanzierungsfrage und plant, nach Übergabe der Bürgercharta das Konzept weiter zu verfeinern und zu präzisieren. Der nächste Meilenstein ist der Beschluss des Abgeordnetenhauses, der durch die Volksinitiative des Landessportbundes ausgelöst wurde.
Entscheidungsprozess und mögliche Volksentscheide
Sollte der Beschluss des Abgeordnetenhauses ablehnend ausfallen, hätten Olympia-Befürworter die Möglichkeit, 175.000 Unterschriften zu sammeln, um einen Volksentscheid auszulösen. Eine Ablehnung würde Berlins Position im Wettbewerb mit Mitbewerbern wie München, Hamburg und der Rhein-Ruhr-Region erheblich schwächen. Anders als in München gibt es in Berlin aus verfassungsrechtlichen Gründen keinen direkten Bürgerentscheid, doch das Bündnis NOlympia strebt Volksbegehren an.
Finale Entscheidung im September 2026
Die endgültige Entscheidung über den deutschen Bewerber soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 26. September 2026 in Baden-Baden getroffen werden. Unklar bleibt, ob sich der DOSB für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben wird. Knapp eine Woche zuvor finden die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus statt, was den politischen Kontext zusätzlich spannend gestaltet. Die Berliner Olympia-Bewerbung bleibt damit ein dynamisches und vielschichtiges Projekt mit weiterhin offenen Fragen.



