DOSB-Vorstand zieht ernüchternde Halbzeitbilanz für deutsche Olympiamannschaft
Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), zeigt sich mit der bisherigen Medaillenausbeute der deutschen Mannschaft bei den Winterspielen von Mailand/Cortina zufrieden, aber nicht begeistert. Nach der Hälfte der 116 Entscheidungen konnte Team Deutschland lediglich 13 Medaillen erringen. Tabor macht dafür vor allem die gewachsene internationale Konkurrenz verantwortlich, die dem deutschen Team "das Leben schwer gemacht" habe.
Schlittensport als tragende Säule
Die Analyse des 55-jährigen Sportfunktionärs fällt differenziert aus: "Wir werden derzeit von den Schlittensportarten getragen", resümierte Tabor. Tatsächlich wurden im Rodeln und Skeleton mehr als zwei Drittel aller deutschen Medaillen gewonnen, darunter drei von vier Goldmedaillen. Andere Sportarten hätten hingegen "ihre Potenziale noch nicht so abgerufen", kritisierte der DOSB-Vorstand.
Außerhalb des Eiskanals und abgesehen vom Skisprung-Olympiasieg von Philipp Raimund sowie zwei Alpin-Silbermedaillen gelangen in der ersten Wettkampfwoche lediglich neun weitere Top-Acht-Ergebnisse. "Das schmerzt uns an bestimmten Stellen, wo wir angesichts der Vorleistung bessere Resultate erwarten konnten", gab Tabor offen zu.
Vergleich zu Peking fällt deutlich ab
Der Kontrast zu den vorherigen Winterspielen ist markant: In Peking vor vier Jahren war Deutschland noch zweitstärkste Nation mit zwölf Goldmedaillen und 27 Medaillen insgesamt. Tabor erklärt diese Entwicklung mit den natürlichen "Wellenbewegungen" im Leistungssport, betont aber gleichzeitig: "Wir wollen in die Top 3, auf diesem Weg sind wir gerade."
Bundespolitik und langfristige Perspektive
Unter Druck gesetzt fühlt sich Tabor durch die Bundespolitik nicht, die für ihren Mitteleinsatz künftig vor allem Medaillen sehen will. "Es geht nicht nur um diese zwei Wochen Olympische Spiele", betonte der DOSB-Vorstand. "Mein Blick ist immer etwas weiter gewählt. Olympische Spiele sind das maßgebliche Ereignis, aber nicht das einzige", sagte er und verwies dabei ausdrücklich auf Weltcup-Resultate und andere internationale Wettkämpfe.
Für die zweite Olympiawoche hofft Tabor auf deutliche Steigerungen in den noch ausstehenden Disziplinen. Sein Appell an die Politik: Die Bewertung des deutschen Wintersports sollte sich nicht ausschließlich an der Medaillenausbeute bei Olympischen Spielen orientieren, sondern die gesamte Leistungsentwicklung im Blick behalten.



