Olympia-Wirbel um Eistanz-Bewertungen: Weltverband verteidigt umstrittene Entscheidung
Nach dem höchst umstrittenen Olympiasieg des französischen Paares Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron im Eistanz bei den Winterspielen in Italien sorgt die Bewertung einer französischen Preisrichterin weiterhin für erhebliche Diskussionen und Unmut. Sogar eine Online-Petition wurde bereits eröffnet, die sich direkt an das Internationale Olympische Komitee und die Internationale Eislaufunion richtet.
Deutliche Abweichungen bei französischer Preisrichterin
Die französische Preisrichterin Jézabel Dabouis hatte das siegreiche Duo aus ihrem Heimatland auffällig besser bewertet als die acht anderen Jurymitglieder. Gleichzeitig bewertete sie das amerikanische Topfavoritenpaar Madison Chock und Evan Bates deutlich schlechter. Von den insgesamt neun Preisrichtern sahen fünf das amerikanische Paar vorne, doch aufgrund der extremen Abweichungen bei Dabouis brachte dies Chock und Bates keinen Vorteil.
Fournier Beaudry und Cizeron hatten trotz eines großen Patzers beim sogenannten Twizzle – einer schnellen Drehung auf einem Bein – den Olympiasieg mit 0,83 Punkten Vorsprung errungen. Laut Medienberichten war Dabouis bereits im Laufe der Saison immer wieder mit großen Abweichungen in ihren Bewertungen aufgefallen.
Kritik der Athleten und Petition der Fans
„Immer wenn die Öffentlichkeit die Ergebnisse nicht versteht, schadet das unserem Sport“, sagte die enttäuschte Madison Chock nach der Entscheidung. „Ich denke, es ist schwer, Fans zu halten, wenn es schwierig ist zu verstehen, was auf dem Eis passiert. Die Leute müssen verstehen, wofür sie jubeln, und sich sicher fühlen können in dem Sport, den sie unterstützen.“
Die an das IOC und die ISU gerichtete Online-Petition hatte bis Freitagmittag bereits mehr als 13.000 Unterschriften gesammelt. „Die Unterstützung der Fans ist unglaublich“, betonte Evan Bates dankbar.
Weltverband verteidigt Bewertungssystem
Der Eislauf-Weltverband ISU wehrte sich gegen die Vorwürfe und verteidigte das Bewertungssystem. „Es ist normal, dass es innerhalb eines Panels unterschiedliche Wertungen gibt, und es existieren verschiedene Mechanismen, um diese Abweichungen zu mildern“, wurde die ISU von der US-Nachrichtenagentur Associated Press zitiert.
Gleichzeitig betonte der Dachverband sein „vollstes Vertrauen in die vergebenen Punktzahlen“ und seine „vollständige Verpflichtung zu Fairness“. Die ISU verwies darauf, dass unterschiedliche Bewertungen durchaus üblich seien und das System darauf ausgelegt sei, extreme Abweichungen auszugleichen.
Historische Vorfälle im Eiskunstlauf
Dass die Bewertungen im Eiskunstlaufen regelmäßig für Diskussionen sorgen, ist keineswegs neu. Besonders viel Empörung hatte es bereits bei früheren Olympischen Spielen gegeben:
- Olympia 2002 in Salt Lake City: Im Eistanzen war das russische Paar Jelena Bereschnaja und Anton Sicharulidse durch mutmaßliche Preisrichter-Absprachen besser bewertet worden als die Kanadier Jamie Sale und David Pelletier. Den Kanadiern wurde später nachträglich ebenfalls Gold zuerkannt.
- Olympia 2014 in Sotschi: Bei den Frauen sorgte die Entscheidung zugunsten der Russin Adelina Sotnikowa für massive Kontroversen. Die zweimalige Olympiasiegerin Katarina Witt war damals „fassungslos“ und „sauer“ auf ihren Sport, nachdem Sotnikowa völlig überraschend mehr Punkte bekam als die ebenfalls fehlerfreie Südkoreanerin Yu-Na Kim.
Die aktuellen Diskussionen zeigen einmal mehr, wie sensibel das Thema Bewertung im Eiskunstlauf ist und wie sehr kontroverse Entscheidungen das Vertrauen der Athleten und Fans in die Fairness des Sports erschüttern können.



