Das Surren der Drohnen: Ein neuer Klang bei Olympia
Julia Taubitz hat mit ihrem Olympiasieg im Rennrodeln für die dritte Goldmedaille des Teams Deutschland gesorgt. Im Interview bei WELT TV schildert sie ihre Eindrücke von diesem Erfolg. Doch neben den sportlichen Höchstleistungen gibt es bei diesen Spielen einen neuen, allgegenwärtigen Sound: ein leises Surren, das jeden Wettkampf begleitet.
Vom Knirschen der Ski zum Surren der Drohnen
Traditionell hatte Olympia einen eigenen, echten Klang. Das Atmen der Langläufer, das Knirschen der Ski auf Schnee und die gespannte Stille vor dem Schuss im Biathlon prägten das akustische Erlebnis. In diesem Jahr ist jedoch etwas neu hinzugekommen. Ein Surren liegt über den Rennen, egal ob es sich um Big Air, Abfahrt oder Rennrodeln handelt. Dieser Sound erinnert entfernt an die Vuvuzelas der Fußball-WM 2010 in Südafrika, ist leiser, aber dennoch ständig präsent.
Verantwortlich dafür sind die neuen Kameradrohnen, die die Sportler live begleiten. Die Bilder, die sie liefern, sind stärker denn je: näher, schneller und moderner. Doch der Sound dieser Drohnen nervt viele Zuschauer. Es fühlt sich an, als müsste man ständig lästige Stechfliegen verscheuchen, mitten im Winter.
Fortschritt mit Konsequenzen
Natürlich ist technischer Fortschritt gut. Ohne ihn gäbe es kein High-Definition-Fernsehen, keine Zeitlupen und keine großen TV-Momente. Aber dieser Fortschritt hat auch Konsequenzen. Hätte es früher schon Drohnen gegeben, wäre eine legendäre Frage der TV-Geschichte nie gefallen: „Wo ist Behle?“ Man hätte den Skiläufer sofort von oben in 4K-Auflösung gesehen. Effizient, aber nicht legendär.
Vielleicht ist es genau das, was stört: nicht nur das Geräusch der Drohnen allein, sondern das Gefühl, dass nichts mehr verloren gehen oder überraschen darf. Früher hatte Olympia auch Leerstellen – Sekunden oder Minuten, in denen man Athleten suchte, Kommentatoren rätselten und das Publikum mitfieberte, weil es eben nicht alles sah. Diese kleinen Unsicherheiten gehörten dazu und machten den Sport spannend. Es menschelte. Jetzt surrt es.
Die Vermessung des Sports
Heute scheint selbst die Luft über der Strecke verplant zu sein. Jede Kurve, jeder Sprung und jede Zielgerade wird begleitet, vermessen und umkreist. Die Drohne ist das Symbol einer Zeit, in der es keinen Zufall mehr geben soll. Sie schwebt über allem – technisch brillant, journalistisch nachvollziehbar und dramaturgisch effizient. Dabei klingt es, als wäre ein Bienenschwarm in der Nähe.
Manchmal reicht jedoch einfach das Geräusch von Ski auf Schnee, um die Magie des Wintersports zu spüren. Das Surren der Drohnen mag fortschrittlich sein, aber es verändert den Charakter der Spiele nachhaltig. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser neue Klang auf die Zukunft der Olympischen Spiele auswirken wird.



