Olympia-Eistanz: Umstrittene Jury-Entscheidung löst Protestwelle aus
Bei den Olympischen Winterspielen hat die Goldmedaillen-Entscheidung im Eistanz für erhebliche Unruhe gesorgt. Das französische Duo Guillaume Cizeron und Laurence Fournier Beaudry setzte sich am Mittwochabend knapp gegen die US-Amerikaner Madison Chock und Evan Bates durch. Doch die Punktevergabe einer französischen Preisrichterin löste eine Welle der Empörung aus.
Auffällige Abweichung bei der Bewertung
Fünf der neun Juroren hatten das amerikanische Paar besser bewertet als die französischen Konkurrenten. Die französische Preisrichterin Jézabel Dabouis wich jedoch auffällig stark vom Jury-Durchschnitt ab. Im Vergleich zu ihren Kollegen und Kolleginnen vergab sie ihren Landsleuten deutlich mehr Punkte – genau diese Punkte waren letztlich ausschlaggebend für den knappen Sieg.
Die unterschiedliche Bewertung innerhalb des Gremiums ist zwar nicht ungewöhnlich, doch das Ausmaß der Abweichung und ihre entscheidende Wirkung auf das Endergebnis sorgten für massive Kritik.
Petition fordert Transparenz und Untersuchung
Als Reaktion auf die umstrittene Entscheidung wurde eine Online-Petition gestartet, die bereits über 14.000 Unterschriften sammeln konnte. Die Initiatoren fordern mehr Transparenz bei olympischen Bewertungen und eine unabhängige Untersuchung des Bewertungsprozesses.
In der Petition heißt es wörtlich: „Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Internationale Eislaufunion (ISU) müssen entschiedene Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle Bewertungen bei den Olympischen Winterspielen unparteiisch und sorgfältig bleiben.“ Zudem sei es „unerlässlich, dass eine unabhängige Untersuchung des Bewertungsprozesses des fraglichen Eistanzwettbewerbs eingeleitet wird.“
ISU weist Kritik zurück
Die Internationale Eislaufunion (ISU) reagierte prompt auf die Vorwürfe. Gegenüber der US-Nachrichtenagentur Associated Press erklärte der Verband, unterschiedliche Bewertungen innerhalb eines Jurys seien üblich. „Es existieren verschiedene Mechanismen, um diese Abweichungen zu mildern“, so die offizielle Stellungnahme.
Die ISU betonte damit, dass das bestehende System ausreichende Sicherungen gegen einseitige Bewertungen biete und verwies auf die etablierten Verfahren zur Qualitätssicherung bei olympischen Wettbewerben.
Das französische Duo im Fokus
Die Goldmedaillengewinner Guillaume Cizeron und Laurence Fournier Beaudry standen bereits vor dem Wettbewerb im öffentlichen Interesse. Cizeron, ein ehemaliger Olympiasieger im Eistanz, hatte seine Karriere nach der Trennung von seiner früheren Partnerin eigentlich beendet, kündigte dann aber überraschend ein Comeback an.
Fournier Beaudry musste zuvor wegen eines Skandals um ihren früheren Partner um ihre sportliche Zukunft bangen. Dass die beiden nun gemeinsam antreten und wieder zur Weltspitze gehören wollen, sorgte bereits im Vorfeld für Aufmerksamkeit – die nun durch die kontroverse Goldmedaillen-Entscheidung noch verstärkt wurde.
Die Diskussion um die Bewertungspraxis bei olympischen Eiskunstlauf-Wettbewerben dürfte auch nach Abschluss der Spiele weiter anhalten, während die Sportler selbst mit ihrer umstrittenen Goldmedaille nach Hause zurückkehren.



