Sonja Henie: Die polarisierende Königin des Eises
Heute vor 56 Jahren, am 12. Oktober 1969, starb Sonja Henie im Alter von nur 57 Jahren. Die Norwegerin gilt bis heute als die erfolgreichste Eiskunstläuferin der Geschichte – eine Ausnahmesportlerin, die nach ihrer aktiven Karriere auch in Hollywood zum Star wurde. Doch hinter der glitzernden Fassade verbarg sich eine komplexe Persönlichkeit, die sowohl verehrt als auch verachtet wurde.
Ein beispielloser sportlicher Triumphzug
Sonja Henies sportliche Bilanz ist atemberaubend und bis heute unerreicht: Drei Olympiasiege in Folge (1928, 1932, 1936), zehn Weltmeistertitel und sechs Europameisterschaften. Bereits mit elf Jahren gab sie 1924 in Chamonix ihr Olympia-Debüt, wo sie aufgrund eines Sturzes und ihrer Verwirrung während der Kür den Spitznamen "Frällein Hoppla" erhielt. Doch aus dem "Häseken", wie sie später in Berlin genannt wurde, entwickelte sich eine dominante Sportlerin.
Ihr dritter Olympiasieg am 15. Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen – heute vor genau 90 Jahren – machte sie zur einzigen Eiskunstläuferin, die drei Goldmedaillen in der Damenkonkurrenz gewinnen konnte. Nur Katarina Witt sollte später mehr als einmal Olympia-Gold in Folge holen.
Die umstrittene Nähe zum Nazi-Regime
Henies Triumph in Garmisch-Partenkirchen war jedoch von politischer Brisanz überschattet. Die Winterspiele 1936 wurden von den Nationalsozialisten als Propagandaveranstaltung inszeniert, und Henie ließ sich von diesem Regime hofieren. Adolf Hitler persönlich hing ihr die Goldmedaille um den Hals – die blonde Norwegerin passte perfekt in das arische Rassenideal der Nazis.
Die Nähe ging sogar noch weiter: Hitler lud Henie mit ihren Eltern zum Essen auf den Berghof in Obersalzberg ein und überreichte ihr ein signiertes Foto mit Widmung. Diese Verbindungen zum Nazi-Regime nahmen ihr viele Norweger noch lange nach Kriegsende übel und prägten ihr zwiespältiges Image.
Vom Eis zur Hollywood-Leinwand
Der Olympiasieg 1936 markierte für Henie nicht das Ende, sondern den Beginn einer zweiten Karriere. Nur wenige Monate später unterschrieb sie einen lukrativen Vertrag bei der US-Filmproduktionsgesellschaft 20th Century Fox und bewies dabei bemerkenswertes Geschäftstalent.
Henie bestand darauf, bereits in ihrem ersten Film mit ihrem Namen über dem Titel genannt zu werden, und erhielt eine Gage von 125.000 Dollar – was sie zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt machte. Zwischen 1937 und 1948 entstanden zwölf erfolgreiche Eisrevue-Filme, die sie selbst choreografierte und in denen sie die Hauptrolle spielte.
Eine Frau ihrer Zeit – und doch ihrer Zeit voraus
Sonja Henie war in vielerlei Hinsicht eine Pionierin. Bereits als Teenager revolutionierte sie mit ihrem Stil das Eiskunstlaufen und schlug – trotz ihres Amateurstatus – finanzielles Kapital aus ihrem Können. Ihr emanzipiertes Selbstbewusstsein und ihre geschäftliche Durchsetzungskraft stießen in der damaligen Männerwelt jedoch auf Widerstand und brachten ihr den Ruf eines "eiskalten Biests" ein.
Ansgar Molzberger vom Deutschlandfunk brachte es in einem Porträt auf den Punkt: "Beim Mann hätte man vielleicht gesagt, er hat seine Karriere vorangetrieben, und im Frauenbild der damaligen Zeit wird dann gesagt, das ist aber mit Ellbogen und rücksichtslos." Henies Vermögen von schätzungsweise 50 Millionen Dollar erreichte sie nicht durch Bescheidenheit.
Ein Leben zwischen Glanz und Schatten
Nach ihrem Tod sorgte die Biografie "Queen of Ice, Queen of Shadows" für Aufsehen, in der ihr Bruder Leif Henie als von Geld und Sex besessen porträtierte. Ihr Privatleben war ebenso schillernd wie ihre Karriere – Affären mit Boxlegende Joe Louis und Schauspielern wie Tyrone Power machten Schlagzeilen.
Ihr Ende war tragisch: An Leukämie erkrankt, verschlechterte sich ihr Zustand auf einer Reise nach Paris. Sie starb in einem Flugzeug, das sie in ein Krankenhaus in ihrer norwegischen Heimat bringen sollte. Heute ruht sie in Oslo neben ihrem Ehemann, dem Kunsthändler Niels Onstad, in der Nähe des Henie Onstad Kunstsenter – einem Museum von internationalem Rang, das kurz vor ihrem Tod gegründet wurde.
Sonja Henie bleibt eine faszinierende und widersprüchliche Figur der Sportgeschichte: eine unbestrittene Königin des Eises, deren Vermächtnis zwischen olympischem Ruhm, Hollywood-Glanz und politischer Verstrickung oszilliert.



