Deutsche Rodel-Hheldin gesteht Bluff vor Olympiasieg
Nach ihrem beeindruckenden Olympiasieg im Rodeln von Cortina hat Julia Taubitz ein überraschendes Geständnis abgelegt. Die 29-jährige Goldmedaillengewinnerin räumte ein, im Training nicht mit offenen Karten gespielt zu haben, was sogar zu einem Konflikt mit ihrem Mechaniker führte.
Trainingstricks und Mechaniker-Konflikt
„Es ist bei uns im Rodelteam völlig normal, dass jeder im Training etwas blufft. Ich wollte jedoch ein bisschen schneller fahren und testen, wo ich wirklich stehe“, erklärte Taubitz einen Tag nach ihrem historischen Triumph. „Mein Mechaniker sagte dann zu mir: Nein Jule, jetzt mach nochmal mehr Tape drauf!“
Die Athletin erläuterte die besondere Taktik: „Wir basteln uns spezielles Tape an die Schlitten, um die Aerodynamik bewusst zu verschlechtern und unsere wahren Leistungsfähigkeiten zu verbergen. Im letzten Trainingslauf vor dem Wettkampf wollte ich aber voll fahren, um meine tatsächliche Position zu ermitteln. Da habe ich meinen Kopf durchgesetzt und gegen die Anweisungen meines Mechanikers gehandelt.“
Trotz der temporären Spannungen lobte Taubitz ihren Mechaniker anschließend überschwänglich: „Er hat mir die absolut schnellste Rakete gebaut, die man sich vorstellen kann! Ohne seine Arbeit wäre dieser Sieg nicht möglich gewesen.“
Zukunft ungewiss und Mitgefühl für Teamkollegin
Der anstehende Start in der Team-Staffel am Donnerstag wird voraussichtlich ihr letzter olympischer Auftritt sein. Auf die direkte Frage, ob sie bis zu den Spielen 2030 weitermachen wolle, antwortete die Olympiasiegerin ausweichend: „Ich werde definitiv noch ein paar Jahre aktiv bleiben, aber ich glaube nicht mehr so lange wie bisher – mal sehen, was die Zukunft bringt.“
Besonders bewegend zeigte sich Taubitz‘ Reaktion auf das Schicksal ihrer Teamkollegin Merle Fräbel. Diese lag im dritten Lauf deutlich in Führung, beging dann jedoch einen schweren Fehler und verpasste als Achte knapp eine Medaille.
„Wir hatten bisher noch keine Gelegenheit, in Ruhe und ehrlich miteinander zu sprechen“, sagte Taubitz mitfühlend. „Merle ist eine unglaublich starke junge Frau, der in Zukunft die gesamte Rodelwelt gehören wird. Ich hoffe sehr, dass ich ihr ein wenig helfen kann. Ich habe selbst schmerzhafte Niederlagen erlebt und weiß genau, wie man damit umgeht.“
Vor vier Jahren hatte Taubitz als klare Favoritin selbst eine Olympiamedaille verpasst. Ihr jetziger Triumph in Cortina könnte daher als inspirierendes Vorbild für Fräbel dienen und zeigen, dass auch aus Rückschlägen großartige Erfolge entstehen können.



