Vor vier Jahren starb DDR-Schwimmstar Kathleen Nord: Vom Olympia-Gold zum tragischen Ende
Kathleen Nord: DDR-Schwimmstar starb vor vier Jahren

Kathleen Nord: Vom DDR-Leistungssport zum tragischen Tod vor vier Jahren

Vor genau vier Jahren, am 24. Februar 2022, starb die ehemalige DDR-Spitzenschwimmerin Kathleen Nord im Alter von nur 56 Jahren nach einer schweren Erkrankung. Die einstige Vorzeigeathletin, die in den 1980er Jahren als Teenagerin in die Weltspitze aufstieg und schließlich Olympia-Gold errang, wurde aus ihrem erfüllten Nachwendeleben gerissen.

Der sportliche Höhepunkt in Seoul 1988

Während Kristin Otto mit sechs Goldmedaillen zum Star der Olympischen Spiele in Seoul avancierte, feierte auch Kathleen Nord im Windschatten der Schwimmlegende ihren größten Karriereerfolg. Die Magdeburgerin sicherte sich über 200 Meter Schmetterling die Goldmedaille und trug maßgeblich dazu bei, dass die DDR im Medaillenspiegel Platz zwei belegte – vor den USA und deutlich vor der Bundesrepublik Deutschland.

Dieser prestigeträchtige Erfolg gelang zu einem Zeitpunkt, als noch niemand ahnen konnte, dass der ostdeutsche Staat nur zwei Jahre später von der politischen Landkarte verschwinden würde. Für Nord persönlich markierte der Olympiasieg den Höhepunkt einer entbehrungsreichen Laufbahn, die von sportlichen Glanzleistungen, aber auch von schmerzhaften Rückschlägen geprägt war.

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Karriere im DDR-Leistungssportsystem

Kathleen Nord, geboren am 26. Dezember 1965 in Magdeburg, wurde bereits als Zweitklässlerin bei einer Schulsichtung entdeckt und durchlief fortan das streng reglementierte DDR-Leistungssportsystem. Ihre internationale Karriere begann 1982 mit WM-Silber über 400 Meter Lagen im ecuadorianischen Guayaquil.

In den folgenden Jahren sammelte die Ausnahmesportlerin drei Europameistertitel und errang 1986 in Madrid auch WM-Gold über die Lagen-Distanzen. Nach einigen sportlichen Rückschlägen wechselte Nord vor den Olympischen Spielen in Seoul zum Schmetterlingsstil – eine Entscheidung, die sich als überaus erfolgreich erwies. Neben dem Olympiasieg 1988 sicherte sie sich 1987 in Straßburg und 1989 in Bonn zwei weitere EM-Titel über 200 Meter Schmetterling.

Politische Zwänge und persönliche Belastungen

Auf ihrem Weg an die Weltspitze wurden der Schwimmerin vom DDR-System enorme Disziplin und Opferbereitschaft abverlangt. Wie Nord später berichtete, erhöhte ihre persönliche Situation den Druck zusätzlich: Da ihre Eltern nicht Mitglieder der SED waren, fühlte sie sich gezwungen, durch sportliche Höchstleistungen ihre Zukunft zu sichern.

Die politische Vereinnahmung erlebte Nord bereits als 18-Jährige, als sie 1984 in einer TV-Pressekonferenz den Olympia-Boykott der DDR verteidigen musste. Dieser Boykott der Spiele in Los Angeles – eine Retourkutsche für den westlichen Boykott der Moskauer Spiele 1980 – stellte für die junge Athletin die „schwerste Zeit ihrer Karriere“ dar, wie ihr ehemaliger Erfolgstrainer Bernd Henneberg in einem Nachruf berichtete.

Nach der Wende bestätigten sich zudem Berichte über das staatlich organisierte Zwangsdoping in der DDR. Aktenauswertungen der Aktivistin Brigitte Berendonk zeigten, dass auch Nord leistungsfördernde Mittel erhalten hatte.

Neubeginn in den USA und Rückkehr nach Deutschland

Nach der deutschen Wiedervereinigung wanderte Kathleen Nord in die Vereinigten Staaten aus. Den Anstoß dazu gaben ihre Freundin und ehemalige BRD-Rivalin Biggi Lohberg sowie die Tatsache, dass ihr Studiengang an einer ostdeutschen Universität eingestellt wurde, bevor sie ihn abschließen konnte.

Unter ihrem Ehenamen Kathleen Feldvoss – nach der Hochzeit mit dem ehemaligen Schwimmer und Mathematikprofessor Jörg Feldvoss – studierte sie in Florida Marketing, arbeitete als Trainerin und wurde Mutter von vier Töchtern. Zwei ihrer Töchter, Emily und Laura Feldvoss, schlugen ebenfalls eine Schwimmkarriere ein.

Im Jahr 2013 kehrte Kathleen Feldvoss in ihre deutsche Heimat zurück, wo sie sich weiterhin als Trainerin engagierte. Ihr plötzlicher Tod am 24. Februar 2022 beendete tragisch das Leben einer Sportlerin, die sowohl die Höhen des Leistungssports als auch die politischen Zwänge des DDR-Systems erfahren hatte und schließlich in der Nachwendezeit einen erfolgreichen Neuanfang wagte.

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