Eisschnellläufer Petzold nach Olympia-Kritik gesperrt: Karriereende droht
Nach heftiger öffentlicher Kritik an der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) während der Olympischen Spiele in Mailand wurde der Eisschnellläufer Fridtjof Petzold (28) vorläufig für alle Wettkämpfe gesperrt. Das Präsidium des Verbandes verhängte die Strafe wegen verbandsschädigenden Verhaltens und setzte zudem seinen Status als Bundeskaderathlet mit sofortiger Wirkung aus. Über die endgültige Sanktion muss jedoch noch der Disziplinarbeirat des Verbandes entscheiden, dessen Einberufung durch DESG-Präsident Matthias Große (58) noch aussteht.
Harte Worte von Verbandsseite
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin übte Große scharfe Kritik an Petzolds Verhalten. „Da kommt jemand, der keine Leistung bringt, der sich nicht an die Regeln hält, stellt sich vor die Kamera und pestet. Verbandsschädigende Aussagen kann er treffen, aber intern und nicht öffentlich“, erklärte der Präsident. Petzold hatte nach enttäuschenden Ergebnissen bei Olympia – Platz 19 über 5000 Meter, Platz 28 im Massenstart und Vorletzter mit dem Team – die Führung des Verbandes scharf attackiert.
„Vom Präsidium bis zur Athletenbetreuung durch die Trainer bei Olympia wird die DESG unprofessionell geführt“, hatte der Erfurter Athlet öffentlich geäußert. Konkret monierte er, dass er im Massenstart nicht von Allround-Bundestrainer Alexis Contin (39), sondern von seinem Heimtrainer Aart van der Wulp betreut worden sei. Dies wirft allerdings Fragen auf, da Petzold wegen persönlicher Differenzen Contin in Berlin verlassen hatte und zum Niederländer van der Wulp nach Erfurt gewechselt war.
Verband sieht klaren Regelbruch
DESG-Sportdirektorin Nadine Seidenglanz (42) wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass alle Absprachen vor dem Rennen getroffen worden seien. „Wir haben am Abend vor dem Massenstart alles besprochen, mit Fridtjof. Dann kommt er am nächsten Morgen und sagt drei Stunden vor dem Start, dass er nicht von seinem Heimtrainer betreut werden wolle. Dass er dann nach dem Rennen in der Mixed Zone so reagierte, ist ein klarer Bruch der Kaderkriterien“, so Seidenglanz. Sie verwies darauf, dass für 13 Sportler neun Betreuer zur Verfügung standen und von mangelhafter Betreuung keine Rede sein könne.
Athletenvertretung kritisiert Vorgehen
Die Organisation „Athleten Deutschland“ kritisierte das Vorgehen des Verbandes scharf. In einer Stellungnahme hieß es, Athletinnen und Athleten müssten ohne Angst vor Repressalien die Möglichkeit haben, Kritik an ihrem Verband zu äußern, insbesondere wenn interne Beschwerdewege dysfunktional oder mit Interessenkonflikten behaftet seien. Laut Große und Seidenglanz habe Petzold jedoch nicht versucht, die von ihm wahrgenommenen Probleme intern anzusprechen.
Ungewisse Zukunft für Petzold
Für Fridtjof Petzold bedeutet die vorläufige Sperre zunächst, dass ein Start bei der Mehrkampf-Weltmeisterschaft kommende Woche in Heerenveen nicht möglich ist, obwohl er mit diesem Event geliebäugelt hatte. Sollten sowohl die Sperre als auch der Rauswurf aus dem Bundeskader durch den Disziplinarbeirat bestätigt werden, könnte dies das abrupte Ende der Karriere des 28-Jährigen bedeuten. Die Entscheidung des Gremiums wird mit Spannung erwartet, während die Diskussion über Transparenz und Kritikfähigkeit im deutschen Spitzensport weitergeht.



