Sportfördergesetz: Kabinett beschließt umstrittenen Entwurf gegen Medaillenflaute
Die Bundesregierung hat einen Entwurf für ein neues Sportfördergesetz verabschiedet, das Deutschlands Spitzensportler wieder an die Weltspitze führen soll. Nach enttäuschenden Olympia-Ergebnissen – zuletzt nur Platz zehn bei den Sommerspielen in Paris – soll das Gesetz für mehr Transparenz und Effizienz sorgen. Doch der Vorschlag stößt auf massive Kritik von Sportverbänden, Athleten und der Opposition.
Ziel: Rückkehr an die Weltspitze
Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) bezeichnete den Kabinettsbeschluss als „Meilenstein für den deutschen Spitzensport“. Kern des Gesetzes ist die Einrichtung einer unabhängigen Spitzensportagentur, die als Stiftung organisiert werden und Fördergelder verteilen soll. Vorbild ist die britische Agentur UK Sport. „Wie wird der deutsche Spitzensport wieder erfolgreicher? Diese Frage stellen sich Sport und Politik bereits seit einigen Jahren“, erklärt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf seiner Website.
Streit um Einfluss und Standort
Der DOSB kritisiert die geplante Besetzung des Stiftungsrats: Sechs Vertreter aus der Politik, aber nur drei vom Sportverband. „Wir wollen nicht einen staatsdominierten Sport am Ende haben“, sagte DOSB-Vorstandschef Otto Fricke dem ZDF. Zudem gibt es Streit um den Sitz der Agentur: Während Schenderlein Leipzig favorisiert, will der DOSB sie in Frankfurt am Main ansiedeln. „Echte Unabhängigkeit können wir unter dem Dach des DOSB als Dachorganisation der Zuwendungsempfänger nicht erreichen“, argumentierte die Ministerin.
Athleten fühlen sich übergangen
Die Sportler selbst sind unzufrieden mit dem Entwurf. „Wir waren erst mal fassungslos“, sagte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland. Athletenvertreter haben im Stiftungsrat keine verbindliche Rolle, sondern sind nur in einem beratenden Gremium ohne Entscheidungsbefugnis vertreten. „Die Botschaft, die da gesendet wird: Wir wollen über Athleten entscheiden, aber nicht mit Athleten“, kritisierte Herber.
Politische Einflussnahme
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mischt sich in die Debatte ein: „Es braucht größtmögliche Entscheidungsfreiheit der Sportverbände statt staatlicher Einmischung“. Experten vermuten, dass Söders Engagement mit der anstehenden Entscheidung über einen deutschen Olympia-Bewerbungsstandort zusammenhängen könnte – München ist im Gespräch. Der Gesetzentwurf muss noch Bundestag und Bundesrat passieren, wobei weitere Änderungen erwartet werden.
Unsicherer Ausblick
Ob das Sportfördergesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet werden kann, ist ungewiss. Die Diskussionen um Einfluss, Standort und Athletenbeteiligung dürften sich hinziehen. Daran, dass mit diesem Gesetz der große Wurf zu mehr Medaillenerfolg gelingt, glauben derzeit nur wenige. Die Bundesregierung fördert den Spitzensport in diesem Jahr mit 350 Millionen Euro – doch ob das neue Gesetz diese Mittel effektiver einsetzt, bleibt abzuwarten.



