Ukrainischer Olympia-Held kritisiert IOC: „Russen-Ausschluss noch möglich“
Der ukrainische Skeletoni Vladyslav Heraskevych (27) wurde bei den Olympischen Winterspielen in Italien disqualifiziert, weil er einen Helm mit den Gesichtern von 22 im Krieg getöteten Athleten tragen wollte. Jetzt äußert sich der studierte Physiker scharf zur Rückkehr russischer Sportler bei den Paralympics und fordert Konsequenzen.
„Ungläubiges Entsetzen“ über russische Rückkehr
Heraskevych zeigt sich entsetzt darüber, dass russische und belarussische Athleten bei den Paralympics erstmals seit Jahren wieder unter Flagge und Hymne antreten dürfen. „Es wirkt surreal“, sagt er im Interview aus Kiew. „Am Ende wurden ihnen die Startlizenzen gewissermaßen geschenkt, wie Wildcards. Das widerspricht allen sportlichen Prinzipien.“
Besonders kritisiert er die fehlende Überprüfung der Athleten: „Es gibt keinerlei ernsthafte Kontrolle. Gleichzeitig wurde ich disqualifiziert – angeblich wegen eines Verstoßes gegen Regeln. Aber hier sagt man plötzlich, man könne nichts gegen Flaggen und Hymnen tun. Das ist total widersprüchlich.“
Politische Dimension und doppelte Standards
Der ukrainische Sportler sieht darin eine klare politische Dimension: „Russland nutzt Sport systematisch für Propaganda. Diese Bühne wird genutzt, um Narrative zu verbreiten – während in der Ukraine ein Krieg tobt.“ Er verweist auf Aussagen aus Russland selbst, dass Hunderte Athleten im Krieg waren und nun Teil paralympischer Teams sind.
Heraskevych spricht von doppelten Standards: „Sogar unsere Teamkleidung wurde wegen einer Landkarte auf den Outfits beanstandet, aber schauen Sie sich bitte die Kleidung der Russen bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking an. Eine Landkarte Russlands! Damals war das offenbar kein Problem.“
Forderungen an Deutschland und das IOC
Zur Haltung Deutschlands sagt der Olympia-Teilnehmer: „Deutschland setzt ein wichtiges Zeichen und boykottiert die Eröffnungsfeier. Großartig! Ich habe aber auch den Eindruck, dass Deutschland beim IOC sehr vorsichtig agiert.“ Er vermutet strategische Interessen: „Wenn ein Land Gastgeber werden will, legt es sich nicht gern mit dem IOC an.“
Doch Heraskevych bleibt optimistisch: „Es ist noch nicht zu spät, die Russen auszuschließen. Man könnte ihnen die Visa entziehen. Der Druck auf die italienische Regierung wächst jetzt, wenn immer mehr Länder die Eröffnungsfeier boykottieren.“
Persönliche Situation und Zukunftsperspektiven
Der Sportler berichtet aus Kiew: „Es wird Frühling, es wird endlich wärmer, das hilft. Aber es gibt weiterhin große Probleme mit der Stromversorgung.“ Trotz täglicher Luftalarme bleibt er in seiner Heimatstadt: „Kiew ist eine großartige Stadt. Ich liebe sie.“
Sportlich ist seine Saison beendet, aber juristisch will er weiter gegen seine Disqualifikation vorgehen. Parallel arbeitet er an Projekten zur Unterstützung ukrainischer Familien, deren Angehörige gestorben sind. „Ich möchte meine Stimme nutzen, solange ich sie habe“, betont er.
Sein sportliches Ziel bleibt ambitioniert: „Ich trete 2030 mit meinem Helm bei den Winterspielen in Frankreich an und hole dort eine Medaille.“ Der Helm mit den 22 Gesichtern soll dabei wieder eine zentrale Rolle spielen.



