Die Tenniswelt steht Kopf: Topstar Aryna Sabalenka droht mit einem Boykott der French Open, weil sie und ihre Kollegen den Anteil der Spieler an den Turniereinnahmen als unfair empfinden. Obwohl die Champions in Paris 2,8 Millionen Euro einstreichen, fühlen sich viele Profis unterbezahlt.
Sabalenka: „Ohne uns gäbe es kein Turnier“
Die Weltranglisten-Erste aus Belarus kritisierte: „Ohne uns gäbe es kein Turnier und auch keine Unterhaltung. Ich finde, wir haben definitiv einen höheren Anteil verdient.“ Sie drohte: „Ich glaube, irgendwann werden wir das boykottieren. Ich habe das Gefühl, dass das der einzige Weg sein wird, um für unsere Rechte zu kämpfen.“ Viele Kollegen unterstützen sie, darunter Jannik Sinner und Jelena Rybakina.
Preisgelder steigen, aber Anteil sinkt
Die French Open schütten 2026 insgesamt 61,7 Millionen Euro aus, ein Anstieg von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 stiegen die Preisgelder um etwa 45 Prozent. Dennoch fordern die Top-Profis einen höheren Anteil am Umsatz. Laut einer Gruppe von Spitzenspielern liegt dieser bei nur etwa 15 Prozent, während sie 22 Prozent verlangen. Bereits 2025 hatten sie die Veranstalter in einem Brief aufgefordert, mehr zu zahlen, und zeigten sich nun „tief enttäuscht“ über die Verteilung.
Vergleich mit anderen Sportarten
Jannik Sinner betonte: „Es geht eher um Respekt. Denn ich glaube, wir geben weit mehr als wir zurückbekommen.“ Ex-Profi Philipp Kohlschreiber pflichtete bei: Verglichen mit der NBA, wo 50 Prozent der Einnahmen an die Spieler gehen, sei Tennis „sehr weit weg“. Allerdings sind die Verdienste im Tennis, besonders im Frauensport, außergewöhnlich hoch – auch wenn gleiche Bezahlung nur bei Grand Slams üblich ist.
Die Not der kleineren Spieler
Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann erklärte, nur wenige Profis verdienten sehr viel. US-Star Coco Gauff sagte: „Es geht nicht um mich, sondern um die Zukunft unseres Sports und die Spieler, die von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben.“ Tennis ist teuer: Profis reisen als Alleinunternehmer, zahlen Trainer und Physiotherapeuten. Besonders auf der Challenger-Tour müsse mehr Geld fließen. Kohlmann betonte, dass Spieler ohne Grand-Slam-Qualifikation auf Sponsoren oder reiche Eltern angewiesen seien. Wer im Hauptfeld stehe, könne sich professionell aufstellen – 87.000 Euro gibt es bereits für die erste Runde in Paris.
Boykott: Ernst gemeint oder Drohung?
Jessica Pegula glaubt nicht an einen Streik, da die Grand Slams die wichtigsten Bühnen sind. Kohlschreiber hält einen Boykott für möglich, hofft aber, dass es nicht so weit kommt. Titelverteidigerin Gauff würde mitmachen, wenn alle an einem Strang ziehen. Sinner bleibt vorsichtig: „Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Aber gleichzeitig glaube ich auch, dass wir irgendwo anfangen müssen.“



