Vom Schlagzeug zur Volleyball-Bundesliga: Der ungewöhnliche Weg von Maurizio Forte
Seine erste große Leidenschaft war das Schlagzeugspielen, doch weil er in seiner Schulklasse von Volleyballfans umgeben war, änderte er sein Interesse: „Einfach, um bei meinen Freunden zu sein.“ Inzwischen hat es Maurizio Forte in der Kunst dieses Sports, der in Italien fast so populär wie Fußball ist, weit gebracht. Nach mehreren Trainerstationen in seinem Heimatland Italien ist er seit dem Sommer 2023 Cheftrainer des SV Warnemünde. Und erfolgreich dazu: Der Aufstieg in die Erste Bundesliga gilt als sein Verdienst.
Lust auf eine Tätigkeit im Ausland
Doch was führt einen Italiener nach Mecklenburg? Forte lächelt. „Ich habe am Cornacchia World Cup in Pordenone teilgenommen. Das ist das wichtigste europäische Jugendturnier (U19). In meiner Gruppe war auch Deutschland, weil man bei diesem Turnier sowohl mit Vereins- aber auch mit Nationalteams spielen kann.“ So lernte er Dominic von Känel kennen, den Nachwuchs-Bundestrainer beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV), und der Rest fügte sich fast wie von selbst. Forte hatte Lust, im Ausland Erfahrungen als Trainer zu sammeln. Von Känel wusste, dass es gerade in Mecklenburg genug Arbeit gibt, um junge und ältere Spieler zu formen.
Erfolg durch Konkurrenzdenken
Fortes Präsenz an der Ostsee ist also eine Riesenchance – für ihn, aber auch für die Spieler, die nicht nur aus Deutschland kommen, sondern aus Polen, Holland und Kanada. Forte lehrt sie „Konkurrenzdenken“. Das sei wichtig. Denn „Wettbewerbsmentalität“ kenne er aus Italien und aus Polen, wo er bei Sommer-Akademien unterrichtet hat. Sie sei nötig, um das Wachstum zu beschleunigen, ist Forte überzeugt, und wirkt in diesem Moment überhaupt nicht wie das Klischeebild des „Dolce Vita“-Italieners. Immerhin fügt er hinzu: „Zuerst möchte ich natürlich, dass meine Spieler Freude am Volleyball haben.“ Das sei das Wichtigste.
Ethik und Regeln im Jugendbereich
Doch mit seiner ruhigen, fokussierten Aura lehrt der 42-Jährige junge Spieler auch, dass es nicht genügt, auf dem Platz in der Halle eine gute Figur zu machen. „Ich habe meine Ethik, meine Regeln – besonders im Jugendbereich.“ Es sei ihm wichtig, positive Botschaften für das Leben in der Gesellschaft zu vermitteln, so Forte. „Zum Beispiel möchte ich, dass nach dem Training alles sauber ist – auch bei Auswärtsspielen. Wir haben eine Rolle in der Gesellschaft, nicht nur in der Halle.“
Spaziergänge am Strand und Frühstück bei Guido's
Warnemünde gefällt Maurizio Forte. Auf Anhieb. Lange Spaziergänge am Strand besonders. Der feine Sand, die Promenade. Aber auch Guido’s Coffeebar am Kirchenplatz gefällt ihm gut. Dort sei es „fast wie in Italien“. Ein kleiner Trost, denn viel Zeit für Besuche in der Heimat bei der Familie, die eine Plastikfabrik führt, gibt es nicht. Dass das Publikum des Vereins „leidenschaftlicher“ geworden sei, seit er hier ist, ist Forte nicht entgangen. Die Menschen in Rostock hätten Volleyball für sich entdeckt. Es sei nun ein Familiensport. „Der schwierigste Moment war letztes Jahr, als wir plötzlich zwei Spiele in Folge verloren, obwohl wir zuvor zwölf Siege am Stück hatten.“ Die Mannschaft habe Angst gehabt, die Liga zu gewinnen, glaubt er. „Aber am Ende verloren unsere Konkurrenten ein Spiel – ein verrücktes Geschenk.“
Italienische Kreativität als Gastgeschenk
Auf die Frage, was er als Italiener nach Rostock bringe, muss Maurizio Forte lachen: „Meine Persönlichkeit.“ Die italienische Kultur sei kreativ. „Vielleicht können die Deutschen etwas von unserem Problemlösungsdenken übernehmen.“ Manchmal gebe es hier nur einen Weg, eine Regel. „Wir Italiener suchen oft einen anderen Zugang. Manchmal wirkt das chaotisch – aber Kreativität und Fantasie können sehr nützlich sein.“



