Emma Aicher dominiert in Soldeu: Deutsche Ski-Juwel feiert souveränen Super-G-Sieg
Nach zwei Olympia-Silbermedaillen setzt Deutschlands Ski-Juwel Emma Aicher ihre beeindruckende Saison fort. Die 22-Jährige gewann den Super-G im andorranischen Soldeu mit fast neun Zehntelsekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte Alice Robinson aus Neuseeland. Corinne Suter aus der Schweiz, die am Vortag noch die Abfahrt gewonnen hatte, musste sich als Dritte mit fast einer Sekunde Rückstand geschlagen geben.
Erfrischend unaufgeregt trotz großem Erfolg
Obwohl Aicher pfeilschnell über die Piste raste, blieb sie auch nach diesem Triumph bescheiden. "Ich finde jetzt nicht, dass es voll durchgezogen war", sagte sie im ARD-Interview zu ihrem Siegeslauf. "Ich habe mir während der Fahrt gedacht: Ein bisschen konsequenter fahren! Aber vielleicht hat es ja ganz gut gepasst." Diese Aussage unterstreicht die erfrischend unaufgeregte Art der Sportlerin, die selbst in Momenten größter Erfolge auf verbale Muskelspiele verzichtet.
Nach ihrem vierten Platz in der Abfahrt am Vortag wählte Aicher im Super-G eine mutige Linie und zeigte eine nahezu fehlerfreie Fahrt. Den Erfolg feierte sie später ausgelassen auf den Schultern von Trainern und Betreuern – in der rechten Hand einen Ski, in der linken eine Champagnerflasche.
Dritter Saisonsieg und Olympia-Erfolge
Es handelt sich bereits um Aichers fünften Weltcup-Sieg und den dritten in dieser Saison. Zuvor hatte sie bereits eine Abfahrt im Dezember in St. Moritz und einen Super-G im Januar in Tarvisio in Norditalien gewonnen. Bei den Olympischen Winterspielen in Cortina holte das deutsche Ski-Juwel dann Silber sowohl in der Abfahrt als auch in der Team-Kombination an der Seite von Kira Weidle-Winkelmann.
Weidle-Winkelmann kam in Soldeu als zweitbeste Deutsche auf den siebten Rang, während Teamkollegin Fabiana Dorigo als 31. knapp die Punkteränge verpasste.
Spannender Showdown um die Kristallkugeln
Durch den souveränen Erfolg in Soldeu hat Aicher nun realistische Chancen, neben ihren zwei Olympia-Silbermedaillen weitere funkelnde Trophäen einzufahren. In der Super-G-Disziplinwertung hat sie nur noch 96 Punkte Rückstand auf die führende Sofia Goggia aus Italien, die in Soldeu nur Sechste wurde.
Drei Super-G-Rennen stehen in dieser Saison noch aus, der erste davon bereits an diesem Sonntag wieder in Soldeu. Auch in der Abfahrt hat Aicher gute Chancen auf den Gewinn der kleinen Kristallkugel als Disziplin-Beste der Saison: Als Zweitplatzierte hat sie dort 94 Punkte Rückstand auf Lindsey Vonn. Die Amerikanerin kann nach ihrer schweren Verletzung bei Olympia in diesem Winter jedoch kein Rennen mehr bestreiten.
Deutsche Männer enttäuschen bei Heimrennen
Während Aicher triumphiert, herrscht bei den deutschen Männern Frust. Bei der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen landete Simon Jocher bei seinem Heimrennen vor 5.000 Zuschauern nur auf dem 37. Platz. "Einfach schlecht", urteilte der 29-Jährige über seine Fahrt. "Das ist peinlich. Das ist nicht mein Anspruch. Ich bin sehr, sehr sauer auf mich selbst."
Weltcup-Dominator Marco Odermatt gewann die Abfahrt vor seinen Schweizer Teamkollegen Alexis Monney und Stefan Rogentin und baute seinen Vorsprung in Disziplin- und Gesamtwertung weiter aus. Routinier Romed Baumann schwenkte kurz vor dem Ziel bei einer Linkskurve ab, um kein Risiko einzugehen. Ob dies bereits Anzeichen für ein anstehendes Karriereende sind, weiß der 40-Jährige nach eigener Aussage nicht.



