Biathlon-Expertin Herrmann-Wick verlangt gründliche Aufarbeitung nach enttäuschendem Olympia
Nach den mit nur einer einzigen Medaille enttäuschend verlaufenen Olympischen Winterspielen hat die ehemalige Biathletin und aktuelle ZDF-Expertin Denise Herrmann-Wick eine umfassende und tiefgreifende Analyse aller Bereiche im deutschen Biathlon gefordert. Die Olympiasiegerin von 2022 betonte die Notwendigkeit einer kompletten Überprüfung.
Jeden Stein umdrehen und alle Richtungen beleuchten
„Grundsätzlich bietet sich nach einem solchen Zyklus immer an, jeden Stein umzudrehen und wirklich auch in alle Richtungen zu schauen“, erklärte die 37-jährige Herrmann-Wick deutlich. Neben der kritischen Selbstreflexion innerhalb des gesamten Teams und der bestehenden Strukturen dürfe man keinesfalls den Blick auf die konkurrierenden Nationen vernachlässigen. „Das ist natürlich ein ganzes Stück Arbeit. Aber da muss man wirklich Vollgas geben“, forderte die erfahrene Sportlerin mit Nachdruck.
Bei den Winterspielen im italienischen Antholz hatte das deutsche Biathlon-Team lediglich Bronze in der Mixed-Staffel erreicht – von insgesamt 33 möglichen Medaillen. Disziplintrainer Jens Filbrich bestätigte im ZDF, dass bereits Gespräche mit den Athleten geführt werden und die Jahresplanung überdacht wird. „Wir sind dabei, auch über das Material nachzudenken. Wir sind da auf Ursachenforschung“, so der frühere Langläufer.
Materialentwicklung und Anschluss an die Weltspitze
Ein massives Materialproblem sieht Filbrich zwar nicht, doch räumte er ein, dass Nationen wie Frankreich und Norwegen in dieser Saison teils deutliche Vorteile in diesem Bereich hatten. „Das ist ein sehr hartes Geschäft, und unsere Techniker geben alles. Aber schon mit 0,3 oder 0,4 Prozent Laufrückstand ist man heutzutage nicht mehr in der Lage, aufs Podest zu laufen“, analysierte der Trainer präzise.
Herrmann-Wick unterstrich, dass man beim Material „immer dranbleiben, einfach innovativ bleiben“ müsse. Diese Maxime gelte nicht nur für den Biathlon, sondern übergreifend im Deutschen Skiverband für alle Sportarten. „Da muss man einfach sehen, dass man nicht den Anschluss an die Weltspitze verliert“, mahnte die Expertin.
Mehrere Baustellen und strukturelle Veränderungen
Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer identifizierte zahlreiche Bereiche, die dringend verbessert werden müssen. Dies betreffe sowohl die konditionellen Stärken – „Aber das geht nicht von heute auf morgen“ – als auch das Schießen, wo das Motto „schnell schießen und treffen“ gelten müsse.
Olympiasieger Sven Fischer sieht insbesondere die Verbandsführung in der Verantwortung, „damit wir wieder konkurrenzfähig werden“. Der 54-Jährige kritisierte: „Die Franzosen haben es eindeutig über Jahre nicht nur besser gemacht, sondern neben uns auch weit die Norweger überholt.“ Strukturell steht ein Wechsel an: Der Nachfolger für den zum Saisonende scheidenden Sportdirektor Felix Bitterling soll bereits am kommenden Mittwoch offiziell vorgestellt werden.



