Brian Boitano: Eine Eiskunstlauf-Legende zwischen Sport und Popkultur
Als Eiskunstlauf-Star erlangte Brian Boitano vor allem durch seine epische Rivalität mit dem Kanadier Brian Orser weltweiten Ruhm. Doch der Olympiasieger von 1988 wurde auch außerhalb der Sportarenen zu einer bekannten Persönlichkeit. Dies gelang ihm dank einer berühmten Zeichentrickserie und einer engen Freundschaft mit der deutschen Eiskunstlauf-Ikone Katarina Witt.
Der Weg zum Olympia-Gold: „Battle of the Brians“
In den 1980er Jahren war Brian Boitano eine der strahlenden Figuren des US-amerikanischen Sports. Seine legendären Duelle mit Brian Orser, insbesondere der als „Battle of the Brians“ in die Geschichte eingegangene olympische Wettkampf am 20. Februar 1988 in Calgary, prägten seine Karriere. Dort lieferte Boitano sein Meisterstück ab und entriss dem Rivalen in dessen kanadischer Heimat die Goldmedaille.
Diesem Triumph gingen jedoch einige Herausforderungen voraus. Bereits 1984 war Boitano bei den Spielen in Sarajevo am Start, doch zu Beginn seiner Laufbahn hatte er sich zu sehr auf Sprünge konzentriert und den künstlerischen Aspekt vernachlässigt, was ihn nur auf Platz sechs brachte. Eine schmerzhafte Niederlage gegen Orser bei der Heim-WM 1987 in Cincinnati, bei der Boitano beim Versuch eines vierfachen Toeloops stürzte und Silber gewann, markierte einen Wendepunkt.
Nach dieser Enttäuschung engagierten Boitano und seine Trainerin Linda Leaver die Choreografin Sandra Bezic. Sie entwickelte ein maßgeschneidertes Programm, das seine läuferischen Stärken betonte und auf riskante Vierfachsprünge verzichtete. Die Strategie ging auf: Bei den nationalen Meisterschaften im Januar 1988 vergaben acht von neun Punktrichtern die Höchstnote 6,0 für seine Kür, obwohl diese nicht fehlerfrei war. Als US-Meister begegnete er Orser erneut in Calgary und sicherte sich dank einer überlegenen Kür den Olympiasieg.
Profikarriere und die „Boitano-Rule“
Im März 1988 wiederholte Boitano seinen Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Budapest und beendete anschließend seine Amateurkarriere, um zu den Profiwettbewerben zu wechseln, die er ebenfalls dominierte. Dank einer speziellen Klausel des Weltverbands ISU, der sogenannten „Boitano Rule“, die es Profis erlaubte, sich wieder für Amateurwettbewerbe zu qualifizieren, konnte der US-Star 1994 in Lillehammer an seinen vierten Olympischen Spielen teilnehmen. Dort patzte er jedoch in der Pflicht und landete nur auf Platz sechs.
Tournee mit Katarina Witt und eine tiefe Freundschaft
Nach seiner Rückkehr zu den Profis startete Brian Boitano eine dreijährige, äußerst erfolgreiche US-Tournee gemeinsam mit der deutschen Eiskunstlauf-Königin Katarina Witt. Unter dem Titel „Witt and Boitano Skating“ füllten die beiden regelmäßig ausverkaufte Hallen. „Wir wurden beide 1988 Olympiasieger, dann wurde Brian mein Don Jose in ‚Carmen on Ice‘ und viele Jahre waren wir gemeinsam mit einer eigenen Tournee sowie als Gaststars großer Eislaufshows in der ganzen Welt unterwegs. Bis heute verbindet uns eine wirklich tiefe und innige Freundschaft“, schrieb Witt 2016 nach einem Besuch bei Boitano in San Francisco.
Kritiker lobten die Show für ihre einzigartige Mischung: „Boitanos Kraft, Präzision und Emotion gepaart mit Witts Schönheit, Anmut und Beständigkeit ergeben eine Vorstellung, die mit stehenden Ovationen bedacht wird.“ Diese Produktion brachte den beiden Hauptprotagonisten sogar zwei Emmy Awards ein.
Engagement über die aktive Karriere hinaus
Auch nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport blieb Brian Boitano der Eislauf-Gemeinschaft verbunden. Im Dezember 2013 ernannte ihn der damalige US-Präsident Barack Obama zum Mitglied der offiziellen Delegation der USA für die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Boitano nutzte diese Gelegenheit, um sich öffentlich als schwul zu outen. „Ich bin ein Sohn, ein Bruder, ein Onkel, ein Freund, ein Sportler, ein Koch, ein Autor. Und schwul zu sein, ist nur ein weiterer Teil von mir“, erklärte er in einer Stellungnahme, die von USA Today veröffentlicht wurde.
Unerwarteter Ruhm durch South Park
Zu diesem Zeitpunkt war Brian Boitano längst auch als „South-Park-Star“ bekannt geworden. Die Kult-Zeichentrickserie machte ihn Ende der 1990er Jahre, als er seine sportliche Karriere bereits beendet hatte, zu einer popkulturellen Ikone. Im Musicalfilm „Bigger, Longer, and Uncut“ von 1999 wurde die Figur des Boitano mit dem Lied „What Would Brian Boitano Do?“ aufgegriffen, was ihm neuen Ruhm einbrachte.
Boitano selbst sah sich den Film im Kino an und war erleichtert: Statt einer Herabwürdigung erlebte er, wie das Publikum bei der Liedzeile freundlich lachte – ein Moment, den er als „surreal“, aber nicht abwertend empfand. Im Song wird der Eiskunstlauf-Star als Superheld gefeiert, der in den Alpen gegen Grizzlybären kämpft, im Jahr 3010 einen bösen Roboter-König besiegt oder die Pyramiden in Ägypten baut. Tatsächlich ist Boitano eine der wenigen Figuren in South Park, die in einem durchweg positiven Licht dargestellt werden.
„Es ist so ein Teil meines Lebens geworden“, sagte Boitano 2006 in einem Interview mit dem San Francisco Chronicle. „Kinder, die nicht wissen, wer ich bin oder was ich bei Olympia gemacht habe, lernen mich kennen und halten mich für cool, weil ich in South Park mitspiele.“ Damit verbindet Brian Boitano auf einzigartige Weise sportliche Höchstleistungen, künstlerische Zusammenarbeit und popkulturellen Einfluss.



