Olympische Trauer überschattet Sprungwettbewerb
Während sich Philipp Raimund sensationell zum Olympiasieger im Skispringen von der Normalschanze in Predazzo krönte, kämpfte Johann André Forfang mit ganz anderen Gefühlen. Der norwegische Skispringer gab tiefe Einblicke in seine Trauer um den kürzlich verstorbenen Vater, die seine Olympia-Erfahrung völlig überschattet.
„Ich habe eigentlich den ganzen Tag nur geweint“
„Es war eine ganz besondere Vorbereitung. Ich habe eigentlich den ganzen Tag nur geweint“, sagte Forfang der norwegischen Boulevardzeitung „Dagbladet“. Der 30-Jährige hörte vor seinem Wettkampf eine Playlist, die er gemeinsam mit seinem Vater erstellt hatte. „Ich habe noch nicht so viele Wettkämpfe bestritten, ohne dass er da war. Es ist sehr schwer und speziell“, beschrieb der Athlet seine emotionale Belastung.
Beim Olympiasieg des deutschen Springers Philipp Raimund belegte Forfang den neunten Platz. Dieses sportliche Ergebnis tritt angesichts seines schweren Schicksalsschlags jedoch völlig in den Hintergrund. Im Auslauf gedachte der Norweger mit einem extra beschrifteten Handschuh seinem Vater, der im Alter von 68 Jahren einer Krebserkrankung erlag.
Beerdigung nach den Winterspielen
Die Beerdigung soll erst nach Abschluss der Olympischen Winterspiele stattfinden. „Ich bin erleichtert, dass ich mich nicht zwischen den Olympischen Spielen und der Beerdigung entscheiden musste“, erklärte Forfang dem norwegischen Sender NRK. Diese Entscheidung ermöglichte es dem Sportler, trotz seiner Trauer am Wettbewerb teilzunehmen.
Vergangenheit mit manipulierten Anzügen
Forfang war bereits Ende des vergangenen Jahres abseits seiner sportlichen Leistungen in die Schlagzeilen geraten. Bei den Heimweltmeisterschaften in Trondheim wurden er und sein Mannschaftskollege Marius Lindvik wegen manipulierter Sprunganzüge beim Wettbewerb von der Großschanze disqualifiziert. Dieses Thema kam nun auch bei den olympischen Skisprungwettbewerben erneut zur Sprache.
Olympiasieger Philipp Raimund gewährte nach seinem Goldsprung am Montagabend tiefe Einblicke in eine aufgrund der Vorkommnisse bei der WM zerbrochene Skisprung-Freundschaft. „Ich habe Videospiele mit ihm gemacht, ich habe Livestreams mit ihm gemacht. Ich hätte ihn damals als Freund bezeichnet“, sagte der 25-jährige Deutsche über den Norweger Marius Lindvik. „Nach der Situation in Trondheim hat es sich ein bisschen wie ein Betrug angefühlt, wie ins Gesicht gespuckt.“
Die olympischen Spiele, die für Athleten normalerweise den Höhepunkt ihrer Karriere darstellen, werden für Johann André Forfang zu einer emotionalen Zerreißprobe zwischen sportlichem Ehrgeiz und persönlichem Verlust.



