Deutsches Mixed-Team verpasst Olympia-Medaille knapp – Experte hinterfragt Jury
Das deutsche Mixed-Team im Skispringen hat bei den Olympischen Winterspielen eine Medaille nur um Haaresbreite verfehlt. Mit lediglich 1,2 Punkten Rückstand mussten sich die DSV-Adler mit dem vierten Platz begnügen und Japan zu Bronze gratulieren. Doch im Anschluss an den Wettkampf sorgte eine vermeintliche Jury-Entscheidung für erhebliche Verwirrung.
Punktevergabe an Japaner Nikaido gibt Rätsel auf
Im entscheidenden letzten Durchgang sprang der Japaner Ren Nikaido genau 101 Meter. Um jedoch den Bonus von 4,5 Punkten zu erhalten, der seinem Team den Vorsprung vor Deutschland sichern würde, hätte er eigentlich 101,5 Meter springen müssen. Dennoch wurden ihm die Bonuspunkte gutgeschrieben, was den ZDF-Experten Severin Freund unmittelbar nach dem Sprung verwunderte.
„Er bekommt die Bonuspunkte nicht. Aber die sind jetzt im System schon drin, aber wenn ich mich nicht verrechnet habe, hätte er 101,5 Meter springen müssen und er springt 101“, kommentierte Freund live im Fernsehen.
Freund spekuliert über mögliche Systemfehler oder Jury-Intervention
Nach dem Wettkampf, bei dem Slowenien Gold und Norwegen Silber gewannen, äußerte Freund weiterhin Zweifel. „Ich muss ehrlicherweise immer noch sagen: Also entweder ist im System ein Fehler, dass das etwas Falsches eingetragen ist, dass es ein Anzeigefehler ist oder Japan hat 4,5 Punkte zu viel bekommen oder es hat einen nachträglichen Jury-Entscheid gegeben, welcher nicht kommuniziert worden ist“, so der ehemalige Skispringer.
Er wies darauf hin, dass es sich möglicherweise um einen Anzeigefehler handeln könnte, der aufgrund der speziellen Grafiksysteme bei Olympischen Spielen vorkommen kann. Freund erklärte, Nikaido sei aus derselben Startluke wie der Deutsche Philipp Raimund gesprungen, was eine Traineranfrage plausibel erscheinen lasse. „Wenn es eine Traineranfrage ist, dann muss Nikaido eine Mindestweite springen, um diese Extrapunkte zu bekommen. Diese Mindestweite hat er um einen halben Meter nicht erreicht. Die Punkte sind ihm aber gutgeschrieben worden“, fügte er hinzu.
Bundestrainer zeigen sich gelassen
Die Bundestrainer Stefan Horngacher und Heinz Kuttin reagierten auf die Punkte-Verwirrung im ZDF vergleichsweise unaufgeregt. Beide gingen davon aus, dass kein Fehler im System vorliege und die Jury alles korrekt entschieden habe. Kurz darauf wurde das Ergebnis offiziell bestätigt, womit Deutschland den vierten Platz beibehielt.
Obwohl die Trainer keine Beanstandungen äußerten, bleiben die Fragen von Experte Freund unbeantwortet. „Jetzt weiß man nicht, ob die Jury nachträglich noch reagiert hat und ob nur unser System zu langsam war, oder ob es einen Fehler gab und er Punkte bekommen hat, die er nicht hätte bekommen sollen“, resümierte Freund.



